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Einzelhandel will Löhne in gut laufenden Unternehmen erhöhen - in anderen nicht

·Lesedauer: 2 Min.
Supermarktkassiererin

Die Corona-Heldinnen und -Helden in den Supermärkten sollen schnell mehr Geld bekommen - die Verkäuferinnen und Verkäufer in den monatelang geschlossenen Klamottenläden vorerst nicht. Der Handelsverband Deutschland (HDE) und seine Landesverbände legten den "gut durch die Pandemie gekommenen Unternehmen" einen Orientierungsrahmen für freiwillige Entgelterhöhungen von 2,0 Prozent vor, wie der Verband am Dienstag mitteilte. Dies sei "notwendig", weil die Gewerkschaft Verdi sich in den bisher bundesweit mehr als 25 Verhandlungsrunden einer Differenzierung im Tarifabschluss verweigere. Verdi reagierte empört.

"Die Tarifrunde 2021 im Einzelhandel steckt in einem Dilemma. Während ein Teil der Handelsunternehmen gut durch die Pandemie gekommen ist, hat ein anderer Teil massiv unter monatelangem Lockdown und Geschäftsbeschränkungen gelitten", erklärte der für Arbeit und Soziales zuständige HDE-Geschäftsführer Steven Haarke. Erstere könnten eine kurzfristig umsetzbare Tariferhöhung tragen, letztere müssten vor Kostenbelastungen geschützt werden. Vor allem der nicht systemrelevante Nonfood-Handel leide bis heute stark unter der Corona-Krise. Das müsse die Gewerkschaft einsehen.

Haarke warb erneut um Zustimmung: "Am Ende einer möglicherweise verlängerten Laufzeit fielen ohnehin alle dauerhaften Entgeltkomponenten des Abschlusses für alle Händler gleich aus. So würde sich lediglich bei den Effekten des jeweiligen Tarifjahres eine zeitlich befristete Differenzierung ergeben", erklärte er. Es gehe also um eine kurzfristige Entlastung, die keine dauerhaften Folgen für die Entlohnung in der Branche hätte.

Der HDE schlug vor, die monatliche Grundvergütung um 2,0 Prozent rückwirkend ab Juni oder Juli anzuheben; die Unternehmen könnten zudem Vollzeitkräften eine Prämie von 300 Euro zahlen - etwa als Corona-Prämie. Laut HDE wollen zum Beispiel Ikea, Otto, Baur, Rewe und Penny und mehrere Edeka-Regionalgesellschaften den Orientierungsrahmen umsetzen.

Verdi erklärte am Dienstag, damit verschärfe der HDE den Tarifkonflikt im Einzel- und Versandhandel und erschwere die ohnehin komplizierten Verhandlungen weiter. Zehntausende Beschäftigte hätten in den vergangenen Wochen durch zahlreiche Streiks "sehr deutlich" gemacht, dass sie auf längst fällige Reallohnerhöhungen warteten. Die vom HDE ins Spiel gebrachte Erhöhung der bisherigen Tariflöhne von zwei Prozent bleibe noch hinter der für 2021 prognostizierten Inflationsrate zurück.

"Die Beschäftigten, die im vergangenen Jahr noch als Heldinnen und Helden gefeiert wurden, sollen nun für ihren Einsatz mit Reallohnverlusten bestraft werden", kritisierte Verdi-Vertreter Orhan Akman. Die Ausgaben, die die Beschäftigten zu schultern hätten, "differenzieren auch nicht nach Teilbranchen", betonte Akman.

"Wenn Unternehmen wirklich in eine Krise geraten sind, haben wir in der Vergangenheit immer Lösungen gefunden. Dafür bieten die Tarifverträge auch in ihrer bisherigen Form ausreichend Spielraum", erklärte der Verdi-Vertreter. Ein "Wünsch-Dir-Was für die Unternehmer" sei mit der Gewerkschaft aber nicht zu machen.

ilo/jp

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