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Entsetzen bei stark betroffenen Wirtschaftsbranchen über Corona-Beschlüsse

·Lesedauer: 3 Min.
Geschlossenes Geschäft in Berlin Mitte März

Die besonders hart von den Corona-Maßnahmen betroffenen Wirtschaftsbranchen haben entsetzt auf den von Bund und Ländern beschlossenen harten Oster-Lockdown reagiert. Der Handelsverband Deutschland (HDE) warf der Politik am Dienstag vor, "im Tunnelmodus" zu agieren und nur auf die Inzidenzwerte zu schauen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) sprach von "politischem Missmanagement", der Ferienhausverband wertete die Entscheidungen als "absolute Katastrophe".

Bund und Länder hatten in einer Marathonsitzung bis tief in die Nacht zum Dienstag beschlossen, das öffentliche Leben rund um Ostern für fünf Tage weitgehend herunterzufahren. Reisen soll es möglichst nicht geben, Außengastronomie soll wieder schließen. An Gründonnerstag sollen sämtliche Läden schließen und auch die Wirtschaft weitgehend heruntergefahren werden. Am Karsamstag soll lediglich der Lebensmittelhandel "im engen Sinne" öffnen dürfen.

Die Politik honoriere nicht, dass die Ansteckungsgefahren im Einzelhandel auch von Experten als niedrig beurteilt würden, kritisierte der HDE. Es sei deshalb "höchste Zeit", alle Geschäfte unter Einhaltung strikter Hygienekonzepte wieder zu öffnen. Der Verband warnte zudem vor einer "Pleitewelle" und forderte, dass die zugesagten zusätzlichen Hilfen rasch kommen. "Wenn die Bundesregierung dieses Mal nicht schnell und passgenau liefert, ist es für bis zu 120.000 Geschäfte zu spät."

Im Gastgewerbe wachsen "Verzweiflung und Zukunftsängste", wie Dehoga-Präsident Guido Zöllick erklärte. Mehr als 70 Prozent der Betriebe bangten inzwischen um ihre Existenz. Der Verband verlangte spätestens am 12. April - der nächsten Bund-Länder-Runde - einen "konkreten Fahrplan" für die Wiedereröffnung. Eine "maximale Kraftanstrengung" müsse es zur Beschleunigung der Impfkampagne geben. Gleiches gelte auch für eine bundesweiten Teststrategie.

Hoffnungen auf Lockerungen vor allem zur Osterzeit hatten sich zuletzt auch Vermieter und Betreiber etwa von Ferienwohnungen und -häusern gemacht - vergeblich. Ein "verantwortungsvoller Tourismusneustart" mit Hygienekonzepten und Selbstversorgung wäre "möglich" gewesen, erklärte der Deutsche Ferienhausverband (DFV). Stattdessen sei der Verband "bestürzt", dass die Politik der Branche erneut "eine Perspektive schuldig geblieben" sei. Auch der DFV kritisierte die schleppende Impfkampagne, fehlende Tests und eine mangelnde Nachverfolgung.

Der Deutsche Tourismusverband äußerte "Wut, Ärger, Verzweiflung" angesichts der Beschlüsse, die Stimmungslage in der Branche sei "mittlerweile dramatisch". Unverständnis gebe es vor allem darüber, dass Reisen ans Mittelmeer möglich seien, die Vermietung von Ferienwohnungen beispielsweise im Schwarzwald aber verboten bleibe. Das komplette Oster-Geschäft falle nun weg.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erklärte, die "Sorge in der Breite der Wirtschaft vor lang anhaltenden, irreparablen Schäden wächst". Die kurzfristige Einführung von Ruhetagen wie am Gründonnerstag und Karsamstag dürfe nicht zur dauerhaften Krisenstrategie werden. Außerdem dürfe die Inzidenz allein "nicht mehr das Maß aller Dinge sein. Nicht zuletzt müsse ein "Impfruck" durch Deutschland gehen - mit Angeboten rund um die Uhr.

Die Gewerkschaft Verdi kritisierte, dass darauf verzichtet worden sei, Arbeitgeber zu Tests ihrer Mitarbeiter zu verpflichten. Das sei "fahrlässig", die Leidtragenden seien die Beschäftigten.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) wertete die Beschlüsse als "teuer und doch wirkungslos". Werde der Ruhetag am Gründonnerstag wie ein gesetzlicher Feiertag betrachtet, koste dieser rund sieben Milliarden Euro. Allerdings könne ein Teil der Arbeit nachgeholt werden und viele Beschäftigte hätten sich ohnehin freigenommen.

hcy/ilo