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Einzelhandel: Konsumstimmung ist auf dem «Tiefpunkt»

Wiesbaden (dpa) - Im deutschen Einzelhandel sind die Geschäfte im September wieder etwas besser gelaufen. Im Vergleich zum August zog der preisbereinigte Umsatz um 0,9 Prozent an, wie das Statistische Bundesamt heute berichtet. Einschließlich der Preiserhöhungen hatten die Händler 1,8 Prozent mehr in der Kasse. Darin sind auch Saison- und Kalendereffekte berücksichtigt.

Der Handelsverband Deutschland (HDE) sieht die Konsumstimmung dennoch auf einem Tiefpunkt. «Der Einzelhandel ist im September über höhere Preise gewachsen. Insbesondere die höheren Kosten in der Beschaffung und in der Logistik sowie die stark gestiegenen Energiekosten spiegeln sich in den höheren nominalen Umsätzen wider», erklärte Hauptgeschäftsführer Stefan Genth in Berlin.

Im Vergleich zum Vorjahresmonat ging das reale Geschäft des Handels leicht um 0,9 Prozent zurück, aber mit den kräftigen Preiserhöhungen verzeichneten die Geschäfte in der Jahresfrist einen Zuwachs von 9,9 Prozent, wie das Bundesamt berichtet. Im Einzelhandel mit Textilien, Bekleidung und Schuhen lagen die Erlöse real 11,8 Prozent über denen aus dem schwachen September 2021.

Mutmaßlich wegen der hohen Preise hielten sich die Verbraucher in den Lebensmittelgeschäften zurück. Nachdem im August der schwächste reale Umsatz seit 2017 gemessen wurde, gab es im September laut Bundesamt eine Aufholbewegung mit einem Plus von 2,6 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat war der reale Umsatz aber 2,4 Prozent niedriger.

«Verbraucherinnen und Verbraucher halten sich derzeit beim Konsum zurück», erklärte Genth. Die Konsumstimmung sei weiter auf einem Tiefpunkt und das Umfeld bleibe in den nächsten Monaten schwierig. «Daher ist es wichtig, den hohen Energiepreisen jetzt schnell mit gezielten Maßnahmen für Unternehmen und Verbraucher entgegenzuwirken.»

Volkswirt: Das Geld saß «locker»

Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank aus Liechtenstein bezeichnete die Einzelhandelsumsätze hingegen als «Riesenüberraschung». «Im September saß das Geld locker - trotz hoher Inflationsraten», kommentierte Gitzel.

Einen Einbruch verzeichneten hingegen die Tankstellen. Hier meldete das Bundesamt mit 15,7 Prozent im Monatsvergleich den stärksten Rückgang der realen Umsätze seit Beginn der Zeitreihe 1994. Der September war der erste Monat nach Auslaufen des Tankrabatts.