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Einsamkeit: Laut Harvard-Studie: Das haben die meisten einsamen Menschen gemeinsam

·Lesedauer: 4 Min.

Ein internationales Forschungsteam mit Wissenschaftler:innen der Harvard University hat untersucht, wie Menschen, die sich einsam fühlen, ihre Emotionen verarbeiten, und ob das im Zusammenhang mit ihrer Einsamkeit stehen könnte. Die Ergebnisse lassen einen vermuten.

Laut Studie: Eine einsame Frau

© Skumer

Sich einsam zu fühlen, das heißt isoliert, abgehängt und als gäbe es niemanden auf der Welt, an den wir uns im Fall der Fälle wenden könnten, ist für die meisten Menschen belastend und auf Dauer kaum zu ertragen. Wir sind soziale Wesen, brauchen Anschluss, Nähe, Kontakte, Beziehungen, um glücklich und gesund zu sein, genau genommen, um zu überleben. Jedoch ist Einsamkeit etwas Anderes als Alleinsein: Wir können alleine sein, ohne uns einsam zu fühlen, wenn wir wissen, dass wir funktionierende Beziehungen haben, geliebt werden und sozial integriert sind. Üblicherweise brauchen wir sogar Zeit für uns allein, die einen mehr, die anderen weniger. Andererseits können wir uns in Gesellschaft von Menschen einsam fühlen, wenn uns von diesen Menschen niemand versteht oder kennt.

Moderne Kommunikationsmöglichkeiten und -technologien sind offenbar kein wirksames Mittel gegen Einsamkeit, denn Einsamkeit scheint eher immer mehr Menschen zu betreffen als weniger. Äußere Faktoren wie die Coronapandemie, Veränderung der Arbeitswelt durch Innovationen, die zu Multi-Tasking zwingen und so viel mentale Energie kosten, dass nach Feierabend die Kraft für ein erfüllendes Sozialleben fehlt, oder auch das Alter und der damit einhergehende Verlust von Freund:innen und Lebenspartner:in – all das sind vermutlich Gründe dafür, dass zu viele Menschen in unserer Gesellschaft in Einsamkeit leben. Doch gibt es vielleicht noch weitere Faktoren, die Einsamkeit begünstigen? Gibt es Eigenschaften, die einsame Menschen miteinander verbinden und mit ihrer Situation zusammenhängen könnten? Dieser Frage hat sich ein Team von Wissenschaftler:innen der Harvard, Stanford und Curtin University sowie der University of Western Australia gewidmet.

Wie gehen einsame Menschen mit Gefühlen um?

Die Wissenschaftler:innen untersuchten konkret, welchen Einfluss der Umgang mit Gefühlen auf Einsamkeit haben könnte und befragten dazu gut 500 Menschen zwischen 18 und 88 Jahren (Durchschnittsalter in der Testgruppe lag bei 47) zu ihrer sozialen Situation (wie sehr und wie häufig sie sich einsam fühlten) und zu ihren Gefühlsbewältigungsstrategien. Die Ergebnisse wiesen signifikante Korrelationen auf, die das Forschungsteam zu der Annahme führten, dass unser Umgang mit Emotionen Einfluss auf unsere Integration und unser soziales Netzwerk haben könnte.

Mehr als die Hälfte der Testpersonen, die angaben, sich einsam zu fühlen, wies eher ungesunde Emotionsbewältigungsstrategien auf, beispielsweise Schuldzusprüche (an sich oder andere), Dramatisieren/ Katastrophisieren, Grübeln und Gefühlsunterdrückung. Darüber hinaus zeigten einsame Menschen dieser Untersuchung zufolge die Tendenz, keine Hilfe bei anderen zu suchen oder anzunehmen. Die Autor:innen der Studie vermuten darin einen möglichen kausalen Zusammenhang: "Als solches könnten diese Emotionsregulationsmuster Zustände von Einsamkeit und sozialer Isolation verfestigen", schreiben sie.

Ist selber Schuld, wer einsam ist?

Die Annahme, die diese kleine Studie nahelegt, kann den Eindruck hinterlassen, dass Menschen, die einsam sind, die Verantwortung dafür selbst tragen – wer nicht mit den eigenen Gefühlen klarzukommen weiß, lebt eben isoliert. Doch eine solche Verknüpfung wäre vereinfachend, generalisierend, vorschnell und falsch. Zum einen ist der kausale Zusammenhang, dass eine Person einsam bliebe, weil sie keine Hilfe annehmen wolle oder ihre Gefühle unterdrücke, keineswegs gesetzt, sondern lediglich eine mögliche Interpretation der Ergebnisse dieser Studie. Genauso gut könnten wir beispielsweise vermuten, dass einsame Menschen aufgrund ihrer Isolation verunsichert sind und nicht genug Selbstvertrauen haben, um Hilfe zu suchen, zuzulassen oder zu ihren Gefühlen zu stehen.

Zum anderen sind Gefühlsbewältigungsstrategien in der Regel nicht selbst gewählt, sondern ergeben sich aus der Erziehung, Persönlichkeit, Erfahrung und vielem mehr. Wir können sie zwar mit sehr viel Geduld und Willen ändern, wenn wir feststellen, dass sie uns im Weg stehen oder krank machen. Doch niemand entscheidet sich dazu, Schwierigkeiten mit der Emotionsverarbeitung zu haben.

Selbst wenn außerdem ein einsamer Mensch erkennt, dass er sich in sich zurückzieht und verschließt, und selbst wenn er dann noch die Kraft aufbringt, sich zu ändern und auf andere zuzugehen, ist es in der Praxis und Lebenswirklichkeit oft alles andere als einfach, Anschluss zu finden und aus der Isolation hinauszukommen. Schließlich sind die meisten einsamen Menschen umgeben von gut integrierten, nicht einsamen Menschen, die nur bedingt Wert darauf legen, ihr soziales Netz um neue Bekanntschaften zu erweitern, nur damit niemand zurückbleibt.

Sich um einen gesunden, konstruktiven Umgang mit den eigenen Gefühlen zu bemühen, ist niemals verkehrt, und möglicherweise finden einige Menschen leichter Anschluss, wenn sie ihre Emotionsregulierungsstrategien ändern. Doch Einsamkeit kann jede:n treffen, auch emotional intelligente, lustige, kluge Personen, die sehr viel zu geben haben. Von daher wäre es in unser aller Interesse, darauf hinzuwirken, dass das Phänomen Einsamkeit in Zukunft doch eher rückläufig wird, anstatt sich ausbreiten.

Verwendete Quelle: psychologytoday.com

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