Deutsche Märkte geschlossen

Einhorn-Alarm und Tutti Frutti: Die Firmenereignisse der Woche

Neben Airline-Zahlen und einem aufreibenden Gerichtsurteil steht in den kommenden Tagen die Hauptversammlung von Pro Sieben im Mittelpunkt.


Anders als zu Christi Himmelfahrt bleiben an diesem Pfingstmontag die deutschen Börsen geschlossen. Mit dem Heiligen Geist, so scheint es, will es sich die Wirtschaft nicht verscherzen. Ob sich das Innehalten lohnt, wird der Rest der Woche zeigen.

Montag: Fridays for Flugboykott?

„Fridays for Future“, Klimaprotest im Deutschen Bundestag, Triumph der Grünen bei der Europawahl – geht es nun dem mutmaßlichen CO2-Sünder Flugindustrie an den Kragen?

Ab Montag werden es die Märkte erfahren. Zunächst legt in London die British-Airways-Mutter IAG ihre Verkehrszahlen für den abgelaufenen Monat vor, am Dienstag in Paris der Wettbewerber Air France KLM, gefolgt von SAS und Lufthansa am Donnerstag. Kurz vor dem Wochenende gibt dann auch noch der Frankfurter Flughafenbetreiber Fraport Einblick in die Abfertigungszahlen. 

Anleger bangen, denn das „Hört endlich auf zu fliegen“ der Umweltschützer ist kaum zu überhören. Ein Hin- und Rückflug nach New York koste so viel Klimagas, wie jeder Einwohner des Kongo pro Jahr verbrauche, klagen sie – auch wenn die Fliegerei in Deutschland nur für 0,3 Prozent der gesamten CO2-Emission steht und kaum jemand so leben will wie im Kongo.

Ein Hauch von Boykott liegt in der Luft. Im Mai erst hatte eine Berliner Frauen-Genossenschaft ihren Mitarbeitern drei Tage Zusatzurlaub zugesichert, falls sie ein ganzes Jahr lang auf Flugreisen verzichten. Andere könnten das Beispiel kopieren.

Dass der öffentlichen Empörung ein Konsumverzicht folgt, lassen Interview-Bemerkungen des Lufthansa-Chefs zu den Sommerbuchungen freilich bezweifeln. Die nämlich, sagte Carsten Spohr neulich in einem Zeitungsinterview, sähen gut aus.

Dienstag, 11 Uhr: Dax-Vorstände zwischen Neid und Mitleid

Mehr als 23 Millionen Euro Vorstandsvergütung für den inzwischen ausgeschiedenen Beiersdorf-Chef Stefan Heidenreich, ein durchschnittliches Vergütungsplus von 3,6 Prozent für deutsche Dax-Vorstände – und all dies, obwohl 2018 die Konzerngewinne auf breiter Front einbrachen?

Wie gerecht die Konzernoberen im Dax und MDax entlohnt werden, will am Dienstag die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) beleuchten. In den Mittelpunkt stellt sie das Verhältnis von Vorstandsgehältern zum Durchschnittsverdienst der Konzernmitarbeiter – was in Deutschland üblicherweise heftige Neiddebatten auslöst.

Dämpfen aber wird sie der Vergleich mit der Auslandskonkurrenz. Laut früherer Analysen liegen die Gehälter der Dax-Vorstandschefs deutlich unterhalb des europäischen und US-amerikanischen Niveaus. Im europäischen Börsenindex Stoxx gelistete Aktiengesellschaften bedachten ihre Chefs um das 1,2-Fache besser, Chefs von amerikanischen Dow-Jones-Firmen erhielten sogar 3,2-mal soviel.

Selbst das scheint vielen nicht genug. Bevor sich Dara Khosrowshahi vom Taxi-Vermittler Uber abwerben ließ, verdiente er 2015 an der Spitze von Expedia 94,6 Millionen Dollar.

Mittwoch, 10 Uhr: Pro Sieben droht mit Berlusconi Tutti Frutti

Der Medienkonzern Pro Sieben Sat 1 möchte am Mittwoch auf der Münchener Hauptversammlung seine Aktionäre mit einer Dividende von 1,19 Euro je Aktie beglücken. Angesichts des derzeitigen Aktienkurses von knapp 15 Euro erscheint dies prächtig, weil sich daraus eine Dividendenrendite von acht Prozent errechnet, im Vergleich zum Vorjahr aber eher nicht. 1,93 Euro hatte es noch 2017 gegeben. Und dass es im laufenden Geschäftsjahr wieder für ein Ausschüttungsplus reichen wird, glauben nur wenige.

Aufbringen dürfte die Aktionäre zudem, dass die Papiere in den vergangenen drei Jahren zwei Drittel an Wert verloren. Die Gründe: Sinkende Werbeerlöse im TV-Geschäft, zunehmender Wettbewerb durch Netflix und Amazon Prime, ein nahezu kompletter Vorstandsumbau und im vergangenen Jahr der Rauswurf aus dem Dax.

Der Kursverfall lockt fragwürdige Helfer. Ende Mai hatte der von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi kontrollierte TV-Riese Mediaset eine Beteiligung von 9,6 Prozent an der deutschen Privatsender-Kette gemeldet und sich damit zum größten strategischen Aktionär aufgeschwungen. Gleichzeitig gab es unbestätigte Meldungen über den Plan einer gemeinsamen Dachgesellschaft.

Den Aktienkurs bewegte das nur geringfügig. Grenzüberschreitende TV-Kooperationen brachten wegen der unterschiedlichen Sehgewohnheiten bislang selten etwas – abgesehen natürlich von RTLs berüchtigtem Italo-Import „Tutti Frutti“ in den frühen 90er-Jahren.

Donnerstag, 10 Uhr: Der Hahn legt keine Eier

Es gibt Dinge, die will man als Verbraucher gar nicht so genau wissen. Eines davon ist die Tatsache, dass jährlich 45 Millionen männliche Küken geschreddert werden, weil sie für die Produktion von Eiern bekanntlich ungeeignet sind.

Ob das dem Tierschutzgesetz widerspricht, das gleich in Paragraf 1 festlegt, dass „niemand einem Tier Schmerzen, Leid oder Schaden zufügen darf“, entscheidet am Donnerstag das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig.

Das Land Nordrhein-Westfalen hatte die langjährige Praxis untersagt, sich damit jedoch eine Klage zweier Brütereien eingefangen. Die Vorinstanz gab ihnen recht. Denn verboten ist das Töten der Tiere laut Gesetz nur „ohne vernünftigen Grund“. Ein solcher aber könnte sein, dass ohne das Schreddern jährlich 45 Millionen Hähne großgezogen werden müssten – bei vollem Einsatz von Futter, Medikamenten und anderer Ressourcen.

Die Suche nach dem Ei des Kolumbus scheint selbst den Bundesverwaltungsrichtern schwer zu fallen. Die Urteilsverkündung war ursprünglich schon für den 23. Mai geplant, dann aber wieder verschoben worden.

Donnerstag, 9.25 Uhr: Einhorn-Auflauf in Berlin

Wer sich am Donnerstag und Freitag auf die Suche nach Einhorn-Züchtern begibt, wird gleich dutzendfach in Kreuzberg fündig, und zwar im „Station“ am Berliner Gleisdreieck. Start-up-Promis wie Auto1-Gründer Hakan Koc, Niklas Östberg von Delivery Hero, Blablacar-Mitbegründer Nicolas Brusson, Wirecard-CEO Markus Braun oder Flixbus-Vorstandschef Jochen Engert werden auf der „Noah Conference“, dem wohl größten Digitalwirtschaft-Event in Europa, mehr als 5000 Tagungsgästen Einblick in ihr Wirken geben – und womöglich am Rande Deals mit Investoren einfädeln.

Schließlich lauern laut Gästeliste im Publikum finanzkräftige Abgeordnete von Holtzbrinck Ventures, Lakestar oder Permira.

Fast antikapitalistisch aber punkten die Veranstalter mit sozialer Verantwortung – wenn auch nicht gänzlich klischeefrei: Start-up-Manager erhalten in Berlin für 340 Euro Zutritt, kleine Investoren bitten sie mit 990 Euro zur Kassen, Investmentbanker zahlen 2990 Euro.