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Ehrliches und konstruktives Feedback geben: Diese Tipps gab mir eine Coachin, die für Sheryl Sandberg gearbeitet hat

Als ich vor etwa fünf Jahren in meine Freiberuflichkeit startete, hatte ich eine Assistentin. Nennen wir sie Bea. Beas Aufgabe war es, sich um die Social-Media-Kanäle zu kümmern oder Interviews zu transkribieren.

Doch irgendwie passte es nicht. Ich war mit ihrer Arbeit unzufrieden. Und ich hatte das Gefühl, dass sie gar nicht versteht, was ich von ihr will. Nach wenigen Monaten trennte ich mich von ihr. Heute weiß ich, dass nicht Bea das Problem war. Ich selbst hatte es verpasst, zum richtigen Zeitpunkt Feedback zu geben. Immer hatte ich etwas anderes zu tun. In Wirklichkeit aber wollte ich dem Gespräch aus dem Weg gehen, weil ich es als verdammt unangenehm empfand. Als ich mich dann doch durchringen konnte und sie auf ihre Fehler ansprach, war ich viel zu zögerlich, redete um den heißen Brei. Verlierer waren am Enden wir beide: Ich habe Geld verpulvert. Und Bea konnte trotz großer Bemühungen meinen Erwartungen nie gerecht werden, was bestimmt frustrierend war. Doch wie geht es besser?

Wie „radikale Aufrichtigkeit“ helfen kann

Ich bin davon überzeugt: Fast keine Führungsqualität ist so wichtig, wie die Fähigkeit, ehrliches und konstruktives Feedback zu geben. Leider fällt mir das offensichtlich sehr schwer. Um daran etwas zu ändern, habe ich mich mit Kim Scott unterhalten. Als Coach arbeitet sie im Silicon Valley, bringt CEOs von Dropbox, Qualtrics oder Twitter bei, wie gute Personalführung funktioniert. Zum Thema Feedback hat sie ein Buch geschrieben: „Radical Candor“, was so viel wie „radikale Aufrichtigkeit“ bedeutet.

Via Zoom habe ich Kim gefragt, wie sie „Aufrichtigkeit“ definiert. Sie antwortet mit einer Anekdote. Vor einigen Jahren habe sie für die Google-Managerin Sheryl Sandberg gearbeitet. Einmal musste sie vor dem damaligen CEO Eric Schmidt eine Präsentation halten. Natürlich war sie zunächst sehr aufgeregt. Doch dann lief es super, zumindest war das ihr Eindruck. Schmidt sei von den Geschäftszahlen so begeistert gewesen, dass er sich spontan bereit erklärte, die Abteilung mit jeder erdenklichen Summe zu unterstützen. Was für ein Erfolg! Euphorisiert von der Reaktion schritt sie in Sandbergs Büro, wollte sich von ihrer Chefin, die bei der Präsentation dabei war, ein „High Five“ abholen. Sandberg lobte Kim, wies sie aber auf eine Sache hin: „Du benutzt sehr viele Ähs. Du solltest vielleicht ein Rhetorik-Seminar besuchen.“ Kim wollte das nicht hören, denn: Was sind ein paar Ähs im Vergleich zu Schmidts Lob? Als Sandberg bemerkte, dass ihre Kritik abprallte, verschärfte sie ihren Tonfall: „Wenn jedes dritte Wort von dir ähm ist, dann klingt das dumm.“

„Jedes dritte Wort“ – das hatte gesessen. Heute sagt Kim, dass genau diese Direktheit nötig war, um bei ihr etwas auszulösen. Sie hörte auf ihre Chefin, buchte mehrere Seminare. Heute gehört sie zu den gefragtesten Coaches im Silicon Valley – auch dank ihrer fantastischen Rhetorik-Skills.

Dieses Schlüsselerlebnis brachte Kim zum Nachdenken: Warum hatte sie zuvor niemand auf ihre rhetorischen Schwächen hingewiesen? Offenbar haben die meisten Menschen Angst, als aggressiv und unfreundlich wahrgenommen zu werden (exakt so geht es mir!). Deshalb sagen sie lieber nichts. Kim erkannte: Genau dieses Verhalten führt dazu, dass Probleme oft immer größer werden, weil sie unausgesprochen bleiben. So groß, dass sie sich irgendwann nicht mehr ignorieren lassen. Dann ist es aber meistens schon zu spät.

„Bei Radical Candor kommt es sehr auf Menschenkenntnis an“

„Ehrliches Feedback ist – ob kritisch oder nicht – immer ein Zeichen von Wertschätzung“, sagt Kim. Sheryl Sandberg zeigte mit ihren Worten, die sie zunächst als grob empfand, dass sie sich Gedanken über sie machte – nicht nur als Angestellte, auch als Mensch. Sandberg verstand, dass es besser war, das Risiko einzugehen, Kims Gefühle zu verletzen, als sie für immer im Unklaren zu lassen.

Dabei sei ihre ehemalige Chefin eigentlich ein empathischer Mensch, sagt Kim. Als Kims Vater an Krebs starb, riet ihr Sandberg: „Flieg nach Hause nach Memphis, wir kriegen das schon hin.“ An jenem Tag nach ihrer Präsentation aber merkte Sandberg, dass Kim nur dann erreichbar ist, wenn sie auf gnadenlose Direktheit setzt. „Bei Radical Candor kommt es sehr auf Menschenkenntnis an“, sagt Kim. „Ich reagiere, wenn man direkt zu mir ist, das hat Sheryl verstanden.“ Für andere, die besser zuhören, sei dagegen ein sanfterer Ton angemessen. Außerdem wichtig: kulturelle Sensibilität. In Japan könne man nicht sprechen wie im Silicon Valley. „Radikale Aufrichtigkeit gibt es auf der ganzen Welt, sie klingt von Kulturkreis zu Kulturkreis aber unterschiedlich“, sagt Kim.

Zurück zu mir: Wie essenziell ein sensibles Gespür für Menschen beim Feedback geben ist, habe ich am eigenen Leib erfahren. Es war während meines Volontariats bei der Deutschen Presse-Agentur. Ich kam gerade aus dem Urlaub zurück, als mein Chef einen Text von mir vor dem ganzen Team zerriss. Für mich war das eine traumatische Erfahrung – aus mir würde nie eine gute Journalistin werden, davon war ich damals überzeugt.

Kims wichtigste Regeln für gutes Feedback

Es gebe einige wichtige Regeln, sagt Kim. Das Feedback sollte nicht darauf abzielen, den anderen zu demütigen. Auch sollte man nicht persönlich werden. Es mache einen Unterschied, ob man sagt: „Kim, viele Ähs klingen dumm“, oder: „Kim, du bist dumm.“ Wichtig sei zudem, dass Lob und Kritik in einem fairen Verhältnis zueinander stünden.

Vor allem aber sei gutes Feedback Dialog, keine Bewertung von oben herab. „Ich habe mich bewusst für den Begriff Aufrichtigkeit entschieden – und gegen den Begriff Wahrheit“, erklärt Kim. „Wahrheit klingt so, als hätte ich die Weisheit mit Löffeln gefressen.“ Dabei gehe es in Wirklichkeit um Empathie für den jeweils anderen. Kim empfiehlt, mit einer selbstkritischen Frage ins Gespräch einzusteigen. Etwa: „Was kann ich machen, um deine Arbeit zu vereinfachen?“

Dann ist da noch die Sprache. Sie sollte möglichst klar sein. Wie wichtig das ist, veranschaulicht Kim mal wieder mit einer Anekdote. Sie hatte einmal einen kleinen Golden Retriever, den sie über alles liebte. Mit ihrem Hund ging sie in Manhattan Gassi, als der plötzlich völlig außer Kontrolle geriet und auf die Straße hüpfte. In letzter Sekunde konnte Kim ihn wegziehen, bevor ihn ein Auto erfasst hätte. Ein fremder Mann beobachtete die Szene, kam zu Kim und sprach sie an: „Ich kann sehen, dass du deinen Hund liebst. Aber: Du tötest ihn, wenn du ihn nicht richtig erziehst.“ Harsch blaffte der Mann den Hund an: „Sitz“. Tatsächlich gehorchte er. „Das, was du hier siehst, das bin nicht ich“, erklärte der Mann. „Es ist der Ausdruck von Klarheit und direktem Feedback.“

Was ich in jedem Fall verstanden habe: Impulsvorträge haben einen anderen Platz im Job. Gutes Feedback aber braucht Vorbereitung. Stift, Zettel, 30 Minuten Fokus: Erst dann fühle ich mich wirklich vorbereitet – und bereit dafür, aufrichtiges Feedback zu geben.

Besser, gesünder, nachhaltiger, produktiver und zugleich entspannter. Wir leben in der Ära der Selbstoptimierung. Aber was bringt uns wirklich weiter — und was können wir uns sparen? In ihrer Kolumne „Selbst optimiert“ schreibt Laura Lewandowski regelmäßig darüber, was dabei rauskommt, wenn sie (kluge) Ratschläge umsetzt oder aus eigenen Erfahrungen lernt. Im Leben, bei der Arbeit und überall dort, wo es zählt. Hauptsache selbst optimiert.

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