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Ehemaliger UBS-Banker Orcel könnte Unicredit-Chef werden

Wermke, Christian
·Lesedauer: 3 Min.

Nach Monaten des Machtvakuums scheint die italienische Großbank einen Nachfolger für Jean Pierre Mustier gefunden zu haben. Eine Bestätigung steht noch aus.

Nach monatelanger Suche scheint Unicredit endlich fündig geworden zu sein: Wie die Nachrichtenagenturen Reuters und Bloomberg unabhängig voneinander melden, soll der frühere UBS-Banker Andrea Orcel neuer Vorstandschef der italienischen Großbank werden. Beide Agenturen berufen sich dabei auf Insider, eine offizielle Bestätigung von der Bank gibt es bislang nicht. Auch Quellen des Handelsblatts konnten die Personalie am Dienstagabend noch nicht bestätigen.

Der 57-Jährige soll auf den bisherigen Konzernchef Jean Pierre Mustier folgen, der im November ankündigte, sein Amt spätestens zur Hauptversammlung im April niederzulegen. Reuters berichtete am Mittwochmittag, der Banker werde am 11. Februar nach der Veröffentlichung der Jahresbilanz seinen Posten bei der HVB-Mutter abgeben. Laut Reuters tritt Orcel den neuen Job erst im April an. Damit wäre die Unicredit für kurze Zeit ohne Chef.

Orcel leitete bis 2018 das Investmentbanking der Schweizer UBS. Dann wollte er Zürich verlassen, um Chef der spanischen Großbank Santander zu werden. Doch Santander zog das Angebot zurück, weil sich beide Seiten nicht auf ein Gehalt einigen konnten. Daraufhin verklagte Orcel die Spanier auf Zahlung von 112 Millionen Euro.

Vor seiner Schweizer Zeit war Orcel unter anderem bei der US-Investmentbank Merrill Lynch, wo er die heute verstaatlichte Krisenbank Monte dei Paschi di Siena (MPS) bei der neun Milliarden Euro schweren Übernahme des Konkurrenten Banca Antonveneta beriet – der Deal lastete vor der globalen Finanzkrise schwer auf der toskanischen Traditionsbank und trug zu ihrem Niedergang bei.

Zoff um die Strategie

Der Streit um die MPS soll auch ein Grund für Mustiers frühzeitigen Abgang sein. Der Franzose hatte sich jahrelang entschieden gegen Fusionen gestellt, vor allem gegen jene mit der Krisenbank aus Siena, die noch immer mehrheitlich dem italienischen Staat gehört und in diesem Jahr zurück in die Privatwirtschaft muss, so die Absprache mit der EU-Kommission. Auch einige Großinvestoren rebellieren angeblich gegen den geplanten Schritt. Mustier und der Aufsichtsrat sollen aber auch bei anderen Strategiefragen und der langfristigen Ausrichtung der Bank quer gelegen haben.

Wird Orcel tatsächlich bestätigt, fände ein monatelanges Machtvakuum sein Ende. Die Suche nach dem Mustier-Nachfolger, angeführt von der Agentur Spencer Stuart, hatte seit Jahresende immer wieder neue Namen aufs Tableau gespült. Zuletzt kristallisierte sich aber ein Duell zwischen Orcel und Fabio Gallia heraus, dem General Manager des italienischen Schiffbaukonzerns Fincantieri. Dieses Duell hat Orcel nun offenbar für sich entschieden.

Bei den Anlegern kam die Personalie zunächst gut an. Die Unicredit-Aktien legten an der Börse in Mailand am Dienstag um 4,5 Prozent zu. Am Mittwoch wiederum ging es zwei Prozent nach unten.

Die US-Bank JPMorgan hatte das Kursziel zuletzt von acht auf neun Euro angehoben – und die Einstufung auf „Neutral“ belassen. Im Vergleich mit dem nationalen Wettbewerber Intesa Sanpaolo sei die Unicredit wegen ihrer geringeren Rentabilität und zurückgestellter Aktienrückkäufe im Nachteil, schrieb die Analystin Delphine Lee in einer Branchenstudie. Die Aktie könnte bei einem marktfreundlichen Ausgang der möglichen MPS-Übernahme aber kurzfristig aufholen.

Mit Agenturmaterial von Reuters und dpa