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Ehemalige Trivago-Manager starten Fintech mit eigenem Fonds

Andrej Lehnert, Johannes Thomas und Andreas Vogler waren vor ihrer Gründung bei Trivago beschäftigt.
Andrej Lehnert, Johannes Thomas und Andreas Vogler waren vor ihrer Gründung bei Trivago beschäftigt.

„Von der gesetzlichen Rente werden diejenigen, die heute noch jung sind, später nicht mehr viel abbekommen“, ist sich Johannes Thomas, Ex-Manager bei Trivago und einer der drei Gründer des Bonner Fintechs CoIQ.capital, sicher. Umso wichtiger sei es, privat vorzusorgen – und zwar mit Aktien, findet er. Darum gründete Thomas mit seinen Co-Gründern Andrej Lehnert und Andreas Vogler die Firma CoIQ.capital, was für Collective Intelligence (zu deutsch, kollektive Intelligenz) stehen soll.

Das Fintech soll Börseninteressierten dabei helfen, richtige Anlageentscheidungen zu treffen. Und zwar mithilfe einer Börsensimulationsplattform. Darüber können Nutzer für Übungszwecke ein fiktives Budget in Höhe von 100.000 Euro in Aktien investieren, – um anschließend über längere Zeiträume zu beobachten, wie gut sie abschneiden.

50.000 Nutzer, die fiktives Kapital in Aktien stecken

Die Idee dafür hatte Lehnert, der die Plattform neben seiner Tätigkeit als CMO bei Trivago schon im Jahr 2008 aufbaute. Lange Zeit war die Idee nur ein Nebenprojekt. Er sei damals frustriert gewesen über das unüberschaubare Angebot an Finanzprodukten am Markt, so sein Gründungspartner Johannes Thomas: Wenig Transparenz und gleichzeitig viele schlaue Fondsmanager, die vorgeben zu wissen, in welche Aktien man investieren solle. Lehnert habe sich nicht nur auf eine Stimme, sondern auf mehrere verlassen wollen. Deshalb entwickelte er die Börsenplattform, auf der sich nach eigenen Angaben bis dato rund 50.000 Menschen registriert haben.

Im Sommer 2021 schließlich beschlossen Lehnert und Thomas, sich Vollzeit auf ihre Idee zu konzentrieren. Mit im Team der beiden sind ihre ehemaligen Trivago-Kollegen Andreas Vogler, Florian Berger und Heiko Hilbert. Gemeinsam legten sie mehrere Hundert Tausend Euro zusammen, die sie in den Aufbau ihrer neuen Firma investieren.

Trivago-Gründer investieren Millionen in den Fonds

Neben der Bösensimulationsplattform setzte CoIQ.capital im Februar dieses Jahres einen Aktienfonds auf, der 15 Millionen Euro schwer ist. Das Geld stammt den Gründern zufolge unter anderem von zwei der drei Trivago-Gründern, Rolf Schrömgens und Peter Vinnemeier. Schrömgens, der 2019 den CEO-Posten bei Trivago aufgab, gründete mit Grid ein neues Startup, das eine Bezahl-App für Events entwickelt. Vinnemeier ist indes weiterhin als CTO bei der Hotelsuchmaschinenplattform aktiv.

Die Anlagestrategie dieses Aktienfonds, der den Namen CoIQ Collective Intelligence Fund trägt, orientiert sich dabei an den Entscheidungen, die die besten 300 Nutzer der Börsensimulationsplattform über mehrere Jahre hinweg getroffen haben. Also an denjenigen, die mit ihrer Anlagestrategie eine Überrendite von 6 Prozent erzielten. „Statt Fondsmanager oder künstlicher Intelligenz kommt die kollektive Intelligenz zum Einsatz“, so Thomas.

Dem Startup zufolge investiert der Fonds in 100 Aktien von vorrangig großen Unternehmen aus den USA und Europa wie beispielsweise Amazon, Apple und Microsoft, aber auch BioTech oder Mercedes Benz.

Privatanleger, die sich an dem Fonds des Startups beteiligen, zahlen eine Verwaltungsgebühr von 0,9 Prozent. Bei einem Investment von 100 Euro verdient CoIQ.capital aufgerundet einen Euro. Für Investoren, die mehr als 200.000 Euro in den Fonds stecken, sinkt die Gebühr auf 0,75 Prozent.

Für Nutzer ist der Zugang auf die Plattform indes kostenlos. Das Startup verfolgt das Ziel, mehr User auf die Börsensimulationsplattform zu locken, damit auch der Fonds besser performen kann. Denn dafür brauche es genügend Teilnehmer, die gute Anlageentscheidungen treffen, erklärt Thomas.

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