Deutsche Märkte geschlossen
  • DAX

    13.786,29
    -93,04 (-0,67%)
     
  • Euro Stoxx 50

    3.636,44
    -48,84 (-1,33%)
     
  • Dow Jones 30

    30.932,37
    -469,64 (-1,50%)
     
  • Gold

    1.733,00
    -42,40 (-2,39%)
     
  • EUR/USD

    1,2088
    -0,0099 (-0,81%)
     
  • BTC-EUR

    37.091,44
    -2.398,18 (-6,07%)
     
  • CMC Crypto 200

    912,88
    -20,25 (-2,17%)
     
  • Öl (Brent)

    61,66
    -1,87 (-2,94%)
     
  • MDAX

    31.270,86
    -370,00 (-1,17%)
     
  • TecDAX

    3.346,40
    -21,82 (-0,65%)
     
  • SDAX

    15.109,96
    -157,04 (-1,03%)
     
  • Nikkei 225

    28.966,01
    -1.202,26 (-3,99%)
     
  • FTSE 100

    6.483,43
    -168,53 (-2,53%)
     
  • CAC 40

    5.703,22
    -80,67 (-1,39%)
     
  • Nasdaq Compositive

    13.192,35
    +72,92 (+0,56%)
     

Biete Effizienz, brauche Image: Wie Astra-Zeneca und Russland von einer Kooperation profitieren könnten

Ballin, André Brüggmann, Mathias
·Lesedauer: 4 Min.

Das Kooperationsangebot der Russen an Astra-Zeneca soll beiden Impfstoffen bei der Gewinnung von Weltmarktanteilen helfen. Moskau hat aber noch mehr vor.

Im Kampf um den besten Corona-Impfstoff könnte das britisch-schwedische Unternehmen Astra-Zeneca Hilfe aus Russland erhalten. Astra-Zeneca könnte dabei vor allem in Sachen Wirksamkeit profitieren. Bislang ist nämlich gerade bei Älteren die Wirkung noch nicht ausreichend nachgewiesen – während der Impfstoff aus Russland bei allen Altersgruppen eine Effizienz nahe 100 Prozent verspricht. Astra-Zeneca hat dafür in Europa ein besseres Image – wovon wiederum Russland profitieren könnte.

Forscher der Universität Oxford wollen nun testen, wo der Impfstoff für den britisch-schwedischen Konzern entwickelt wurde und ob sich der Wirkstoff mit dem russischen Mittel Sputnik V kombinieren lasse. Beide Mittel beruhen auf der gleichen Technologie: Sogenannten Vektoren weit verbreiteter Erkältungsviren.

Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung wurde bereits zum Jahresende getroffen. Sputnik V kam als erster Corona-Impfstoff weltweit bereits im August in Russland auf den Markt, allerdings ohne die entscheidende Phase 3 einer klinischen Studie abzuwarten. Bei der EMA hat Moskau die Zulassung beantragt, aber noch nicht erhalten.

Eine Zusammenarbeit mit Astra-Zeneca könnte für Russland sehr lukrativ sein. Denn offenbar sieht man wegen der guten Erfahrungen im eigenen Land die Chance, den Impfstoff in großem Maßstab zu exportieren. Parallel arbeitet Russland bereits an weiteren Corona-Impfstoffen.

Die Impfkampagne in Russland läuft auf vollen Touren: Am 18. Januar hat die Massenimpfung im Land begonnen, das heißt, dass nun alle Alters- und Bevölkerungsgruppen Anspruch darauf haben.

Russische Regierung glänzt mit Zahlen

Fast zwei Millionen Russen sind laut Gesundheitsministerium geimpft. Bis Juni sollen 70 Millionen Russen geimpft werden, versprach der russische Präsident Wladimir Putin. Die Industrie produziere bereits deutlich mehr Dosen als geplant, konstatierte er.

Laut Plan sollen im Februar bereits elf Millionen Dosen produziert werden, im März sogar schon 15 Millionen Dosen. Notfalls könnte die Produktion sogar noch erhöht werden, Russland sei in jedem Fall Selbstversorger bei den Impfstoffen, unterstrich Industrieminister Denis Manturow.

Auch mit der Effizienz von Sputnik V ist der Kreml zufrieden: Das Gamaleja-Institut, das den Wirkstoff entwickelt hat, teilte mit, dass die Effizienz bei fast 100 Prozent läge. Bei der humoralen Immunreaktion, die Sputnik V hervorrufe, liege der Wirkungsgrad bei 98 Prozent, „die Immunreaktion auf Zellenebene „strebt gegen 100 Prozent“, so die leitende wissenschaftliche Mitarbeiterin Darja Jegorowa.

Neben Sputnik V haben die Russen inzwischen zwei weitere Impfstoffe herausgebracht. Das Forschungszentrum für Virologie und Biotechnologie „Vektor“ hat einen Eiweiß-Cocktail unter dem Namen EpiVakCorona erstellt, der im Februar in Umlauf kommen soll. Das Forschungsinstitut Tschumakow wiederum hat einen auf abgetöteten Viren basierenden Impfstoff entwickelt, der laut Premier Michail Mischustin ebenfalls „in den nächsten Monaten“ verimpft wird.

Folgen soll außerdem das Präparat „Immofon“, hinter dem Leonid Rink, einer der Entwickler des chemischen Kampfstoffs „Nowitschok“, steht. Und mit Sputnik Light soll ein weiterer Impfstoff kommen, der wie der vom US-Pharmariesen Johnson & Johnson aus nur einer Dosis bestehe. J & J hatte am Freitag einen Wirkungsgrad von 66 Prozent bekannt gegeben. „Sputnik Light kommt im Februar“, twitterte der russische Hersteller am Freitag.

Zweifel an der Transparenz

Angesichts der Erfolgsmeldungen lässt sich nur schwer nachvollziehen, warum die Sputnik-Hersteller mit Astra-Zeneca kooperieren wollen – aber nur auf den ersten Blick.

Denn auch Russland kann von der Zusammenarbeit profitieren. Zum einen rufen die offiziellen Zahlen weiterhin Zweifel hervor. So hat die kremlkritische „Nowaja Gaseta“ beim Vergleich der landesweiten Statistik mit den regionalen Daten einen gewaltigen Unterschied festgestellt: In den Provinzen seien nur ein Viertel bis ein Fünftel der von der Regierung genannten zwei Millionen Menschen geimpft worden.

Darüber hinaus gelten auch die genannten Produktionskapazitäten in Fachkreisen als optimistisch. Nun soll in Indien, Südkorea und Brasilien die Sputnik-Herstellung anlaufen. Und Putin bat Anfang Januar bei einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel um Sputnik-Produktion in Deutschland.

Auch am Wirkungsgrad von Sputnik V gibt es noch Zweifel. Auffällig war zumindest, dass die Entwickler immer dann ihre Angaben verbesserten, wenn die Konkurrenz, Pfizer/Biontech und Moderna, ihre Zahlen vorlegte.

Astra-Zeneca soll Sputnik im Westen aufwerten

Mit Astra-Zeneca als Partner kann Sputnik V auf einen Reputationsschub hoffen. Es wäre gewissermaßen die Anerkennung, dass der Impfstoff funktioniert. Das würde dem Umsatz noch einmal einen gewaltigen Auftrieb geben. Gerade in Europa. So hat Russland am Freitag der Europäischen Union angeboten, bis zum Sommer 100 Millionen Dosen von Sputnik V zu liefern, sollte die EMA das Vakzin zulassen.

Rückendeckung für die Zulassung holten sich die Produzenten daneben auch in Berlin. So teilte der Chef des Paul-Ehrlich-Instituts, Klaus Cituchek, in der Bundespressekonferenz mit, „die russischen Kollegen regulatorisch schon beraten“ zu haben.