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„Nach der Ebbe kommt immer die Flut“: Hamburger Hafen rüstet sich für den Aufschwung

HHLA plant bereits für die Zeit nach der Coronakrise. In Kürze erwartet den Hafen jedoch erst einmal die Flaute: Denn Schiffe aus China bleiben aus.

HHLA konzentriert sich bereits wieder auf den möglichen Aufschwung. Foto: dpa

Während Autohersteller und Flugzeugbauer in diesen Tagen immer mehr Werke schließen, um das Coronavirus einzudämmen, plant der Hamburger Hafenbetreiber HHLA schon für die Zeit danach. „Wir sind dabei, eine Comeback-Strategie zu entwickeln“, berichtete Vorstandschefin Angela Titzrath am Mittwochmorgen bei der Bekanntgabe der Jahreszahlen. „Nach der Ebbe kommt schließlich immer die Flut.“

Dabei steht die Ebbe den Hanseaten erst noch bevor. In den nächsten Tagen wird es nach Ansicht von Experten an der Elbe zu einer Flaute kommen, weil dann die Containerschiffe aus China ausbleiben, die vor sechs Wochen in Asien hätten starten müssen. „Bislang läuft der Betrieb bei uns noch normal“, bestätigte Titzrath.

Inzwischen aber legen die ersten Containerfrachter in China wieder vollbeladen ab, beobachtet man bei der HHLA. Nach Einschätzungen des im SDax notierten Terminalbetreibers werden sie die Hansestadt Ende April bis Anfang Mai erreichen. „Dann kommt es darauf an“, sagt Titzrath, „dass für die Weiterverteilung ins Hinterland genügend Frachtkapazitäten bereitstehen.“ Üblicherweise kommt jedes dritte Schiff, das den Hafen an der Elbe erreicht, aus dem Reich der Mitte.

Wie auch die Wettbewerbshäfen Rotterdam und Antwerpen hält der Port an der Elbe den Betrieb uneingeschränkt am Laufen. Abstandsregeln, Handshake-Verbot und Türstopper, die Infektionen durch Türklinken verhindern, sollen die Mitarbeiter vor Ansteckungen schützen.

Starker Umsatzrückgang erwartet

Den Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr aber korrigierte man schon vor einer Woche nach unten. 2020 werde es zu einem „starken Rückgang von Umsatz und Betriebsgewinn kommen“, kündigte Titzrath an. Den enormen Einbruch beim Umschlag im ersten Halbjahr 2020 werde das zweite Halbjahr voraussichtlich nicht ausgleichen.

Als Vorsichtsmaßnahme reduziert die HHLA ihre Dividende um zehn auf 70 Cent pro Anteilsschein. Die Einnahmen der Hansestadt Hamburg, die etwas mehr als die Hälfte der Aktien hält, werden dadurch leicht schrumpfen.

Sparmaßnahmen wie diese sollen zusammen mit verringerten Investitionen helfen, genügend Geld in der Kasse zu halten. Am Mittwoch zeigte sich Titzrath optimistisch, dass dies auch gelingen wird. „Auf Grundlage möglicher Abschätzungen für das Gesamtjahr 2020 geht die HHLA davon aus“, erklärte sie, „dass die Liquidität trotz Corona-Pandemie induzierter Belastungen ausreichen wird, um den fälligen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen“.

Rückblickend auf das abgelaufene Geschäftsjahr hätten die Ausschüttungen durchaus höher ausfallen können. Der börsennotierte Teilkonzern Hafenlogistik, der neben den ausländischen Häfen Odessa (Ukraine) und Tallinn (Estland) die Hamburger Terminals Altenwerder, Burchardkai und Tollerort umfasst, erzielte einen Umsatzanstieg um 7,3 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro.

Das operative Ergebnis (Ebit) stieg um 8,5 Prozent auf 204 Millionen Euro, wobei die HHLA allerdings drei Viertel des Gewinnwachstums allein dem neuen Bilanzierungsstandard IFRS 16 verdankte.

Zuwachs im Hafengeschäft

An den HHLA-Containerterminals wurden im Geschäftsjahr 2019 insgesamt 7,6 Millionen Standardcontainer (TEU) umgeschlagen – und damit 3,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, was insbesondere auf das Konto der Auslandsbeteiligungen ging. Doch auch in Hamburg, nach Rotterdam und Antwerpen drittgrößter Hafen Europas, ging der HHLA-Containerumschlag leicht nach oben.

Mehr noch als der Schiffsumschlag steigerte der Terminalbetreiber seine konzerneigenen Straßen- und Bahntransporte – Letzteres durch die tschechische Eisenbahn-Transporttochter Metrans. In diesem sogenannten Intermodalgeschäft ging das Transportvolumen um 5,7 Prozent nach oben auf 1,57 Millionen TEU.

Im Hafengeschäft wuchs die HHLA vergangenes Jahr sogar um ein Drittel schneller als Europas größter Hafen, der Port von Rotterdam. Dort mussten sich die Niederländer mit einem Plus beim Containerumschlag von 2,1 Prozent begnügen. Allerdings fiel dort der Nettogewinn von 241 Millionen Euro fast doppelt so hoch aus wie der des Hamburger Terminalbetreibers HHLA.