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Easyjet will sich fast eine halbe Milliarde Euro an frischem Kapital besorgen

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Die britische Airline will über Nacht bis zu 59,5 Millionen neue Aktien für rund 450 Millionen Pfund bei Investoren platzieren. Mit Prognosen ist Easyjet aber vorsichtig.

Die britische Billigfluggesellschaft EasyJet hat sich nach dem zaghaften Neustart des Flugverkehrs knapp eine halbe Milliarde Euro frisches Kapital beschafft. Über Nacht brachte das Unternehmen 59,5 Millionen neue Aktien für insgesamt 419 Millionen Pfund (umgerechnet 462 Millionen Euro) bei Investoren unter, die Easyjet helfen sollen, die Folgen der Corona-Pandemie zu bewältigen.

„Wir sind die Herausforderungen der Pandemie mit Entschlossenheit angegangen“, sagte Vorstandschef Johan Lundgren am Donnerstag. Mit der Kapitalerhöhung, einem Staatskredit und dank des Entgegenkommens der Kunden habe Easyjet mehr als drei Milliarden Pfund zur Verfügung - mehr als gedacht. Die Emission sei binnen einer halben Stunde überzeichnet gewesen, teilte eine der begleitenden Investmentbanken mit.

Die neuen Aktien wurden zu 703 Pence platziert, fünf Prozent unter dem Schlusskurs vom Mittwoch. Am Donnerstag gab die Aktie um 5,4 Prozent auf 700 Pence nach. Mit der Emission erhöht das Unternehmen das Grundkapital um 15 Prozent. Für einen Teil davon braucht EasyJet noch die Zustimmung einer außerordentlichen Hauptversammlung am 14. Juli.

Da für eine Kapitalerhöhung von mehr als zehn Prozent ein neuer Beschluss der Anteilseigner notwendig ist, hatten sich Management und Verwaltungsrat bemüht, bereits vor der Ankündigung mit den größten Aktionären zu sprechen. Die Abstimmung soll bei einer Hauptversammlung am 14. Juli stattfinden.

Mit dem Schritt will das Management die flüssigen Mittel der Airline weiter aufstocken. Zusammen mit dem Erlös aus dem Verkauf und dem Zurückmieten eigener Flugzeuge soll die Ausgabe neuer Aktien die Liquidität der Airline von derzeit 2,4 Milliarden Pfund auf rund drei Milliarden Pfund nach oben treiben. Das Unternehmen hat sich bereits frische Kredite beschafft, darunter Mittel aus dem britischen Corona-Hilfsprogramm.

Zugleich legte Easyjet Geschäftszahlen für die sechs Monate bis zum 31. März vor – also weitgehend vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie in Europa, der den Flugverkehr seit Mitte März fast weltweit zum Erliegen gebracht hat. Zwischen Oktober und März stieg der Verlust der Airline vor Steuern auf 353 (Vorjahr: 272) Millionen Pfund.

Buchungszahlen seien ermutigend

Der Grund dafür waren fehlgeschlagene Absicherungsgeschäfte für Treibstoff, die allein 150 Millionen Pfund kosteten. Der Umsatz kletterte um 1,6 Prozent auf 2,38 Milliarden Pfund, obwohl Easyjet mit einem Streik in Frankreich und den Folgen der Winterstürme Ciara und Dennis zu kämpfen hatte.

Eine Prognose für das Geschäftsjahr 2019/20 (bis Ende September) gab Easyjet nicht. Die Buchungszahlen für die Urlaubssaison seien aber ermutigend. Trotzdem drohen Stellenstreichungen: Noch im Juni sollen Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern über eine „angemessene und notwendige“ Antwort auf die Krise beginnen. Dazu gehörten auch Veränderungen am Streckennetz und eine Optimierung der Basen.

Die Coronakrise hat Easyjet wie andere Fluggesellschaften in große Schwierigkeiten gebracht. Ab Ende März ließ die Airline ihre gesamte Flotte am Boden. Erst seit Mitte Juni heben die ersten Maschinen wieder ab. Die Airline verbrennt daher jeden Monat hunderte Millionen Pfund. Das Unternehmen hat bereits ein hartes Sparprogramm eingeleitet. Rund 4500 der etwa 15.000 Jobs bei der Airline stehen auf der Kippe.