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E-Scooter boomen auch in kleineren Städten – das überrascht sogar die Anbieter

·Lesedauer: 4 Min.

In Berlin, München und Hamburg sind sie bereits an fast jeder Straßenecke zu finden. E-Scooter fahren neben Radfahrerinnen und Radfahrern auf den Fahrradwegen, gelegentlich auch mal auf einem Bürgersteig oder auf der Straße. Meist werden sie genutzt, um schnell von A nach B zu kommen. Und so gehören sie – gerade in Großstädten – längst zum Stadtbild. Doch nun sind die Anbieter der E-Roller dabei, auch deutsche Kleinstädte zu erobern, ganz zum Erstaunen der Anbieter selbst, berichtete die Frankfurter Allgemeine.

Damit hat der CEO des E-Scooter-Anbieters Lime, Wayne Ting, nicht gerechnet: In der Hafenstadt Le Havre an der französischen Atlantikküste haben die Menschen in den ersten Wochen nach der Einführung so viele Fahrten wie in keiner anderen Stadt gebucht, erzählt der CEO. Dabei zählt die Stadt gerade einmal 136.000 Einwohner. Doch ein Blick auf weitere Städte zeigt: nicht nur in den französischen Kleinstädten können sich die E-Scooter großer Beliebtheit erfreuen. Auch in kleineren Städten Deutschlands kommen die Roller gut an. In Solingen, Oldenburg, Neckarsulm, Lünen und zahlreichen weiteren Städte sind Anbieter wie Lime, Tier und Bird mittlerweile vertreten.

Geringerer Wettbewerb erhöht die Gewinnchancen

Der Erfolg in den Kleinstädten kommt für die Unternehmen unerwartet. Ursprünglich sahen die Anbieter lediglich großes Potential in den Großstädten. Pendlerinnen und Pendler sollten die elektrischen Roller nutzen können, um schnell ein paar wenige Kilometer in den Innenstädten zurückzulegen, ohne dabei vom Verkehr aufgehalten zu werden oder lange einen Parkplatz suchen zu müssen. Doch mittlerweile „expandieren mehrere Verleiher auch stärker in mittelgroße Städte“, bestätigt Daniel Schellong, Fachmann für Mikromobilität bei der Unternehmensberatung Boston Consulting Group. Mit einer strategisch sinnvollen Aufstellung lasse sich auch dort schon Geld verdienen, erklärt er.

So ist auch der Berliner Anbieter Tier ebenfalls bereits in 60 deutschen Städten zu finden. Unter anderem rollen seine Scooter in der 67.000-Einwohner-Stadt Herford in Nordrhein-Westfalen. Ein Sprecher des Unternehmens erklärt den Erfolg in den Kleinstädten durch die geringe Konkurrenz, die dort vertreten sei. Statt sechs oder sieben verschiedenen Anbietern, würde sich der Wettbewerb in Kleinstädten nur auf zwei bis drei Anbieter verteilen. Das steigere die Gewinnchancen. Auch die Nutzungsintensität sei in Kleinstädten höher. Menschen legen weitere und längere Fahrten zurück als in den Großstädten. Aus diesem Grund hat auch US-amerikanische E-Scooter-Sharing-Service Bird sein Angebot auf rund 25 deutsche Städte mit einer Größte zwischen 40.000 und 100.000 Einwohnern.

Während die großen US-amerikanischen Unternehmen Lime und Bird eine eher aggressive Expansionsstrategie verfolgen gehen kleinere Unternehmen langsamer vor. Der schwedisch Sharing-Service Voi verfolgt eine Art Satellitenstrategie. In den Umgebungen von größeren Städten wie Nürnberg ist der Verleiher auch in kleineren Pendlerstädten wie Erlangen und Fürth mit Rollern vertreten. Langfristig sollen die Scooter auch außerhalb dieser Metropolregionen rollen.

Während kleinere Unternehmen zunächst beobachten, ob kleinere Gebiete ebenfalls rentabel sind, bevor sie expandieren, versuchen die größeren Sharing-Anbieter auch diese Gebiete bereits flächendeckend zu besetzen. So sollen die Verleiher Erfahrungen mit den Gegebenheiten vor Ort sammeln können und das Angebot zu späterer Zeit strategisch sinnvoll ausbauen.

Deutschland bietet perfekte Voraussetzungen

Direkt nach den Vereinigten Staaten ist Deutschland mittlerweile der zweitwichtigste Markt für Mikromobilität für den führenden Anbieter Lime. In Deutschland gäbe es die perfekten Voraussetzungen für die klimaschonende Transportmöglichkeit: Viele Menschen und damit potenzielle Kunden, die nach umweltbewussten Transportmitteln suchen, eine gute Infrastruktur und viele Fahrradwege, auf denen die Roller gefahrlos genutzt werden können, zählt Wayne Ting als Gründe für den Erfolg seines Unternehmens in den deutschen Städten auf.

Dennoch sei Ting mit seinen Umsetzungen noch nicht am Ende angelangt. „Wir haben unser Ziel noch nicht vollständig erreicht, eine vollständige Alternative für ein Auto zu bieten“, sagt Ting. Für die Zukunft plane er weitere umweltschonende Angebote. Sein Unternehmen arbeite derzeit daran, neben E-Bikes und E-Rollern noch weitere Fortbewegungsmittel in den Städten zur Verfügung zu stellen. Welche das genau werden, könne er allerdings noch nicht verraten.

Für die Realisierung seiner Vorhaben müssen die Dienste allerdings noch günstiger werden. Selbst eine kurze Fahrt mit einem E-Roller kostet bisher in etwa so viel wie ein Ticket für die öffentlichen Verkehrsmittel. Aus diesem Grund werden mittlerweile Mietpakete für die Roller angeboten: Die Scooter lassen sich für einen gesamten Tag, eine Woche oder sogar einen Monat ausleihen. Einem Abo-Service ähnelnd hat das den Vorteil, dass sich Menschen immer wieder auf einen elektrischen Roller stellen, statt den Bus zu nutzen. Und das nicht nur in den Metropolen, sondern auch in Le Havre, Oldenburg und Co.

jk

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