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DWS will Kosten weiter senken – Kunden zogen Milliarden ab

Bei der Fondsgesellschaft drücken die Turbulenzen an den Finanzmärkten das verwaltete Vermögen und die Erträge. DWS-Chef Asoka Wöhrmann sucht neue Partnerschaften in Asien und Übernahmekandidaten.

Die Fondsgesellschaft DWS schließt wegen der Coronakrise eine Verschärfung ihres Sparkurses nicht aus. Das Management sei entschlossen und in der Lage, weiteres Einsparpotenzial zu finden und umzusetzen, sollte es die Ertragssituation im weiteren Verlauf des Jahres erforderlich machen, teilte die Deutsche-Bank-Tochter am Mittwoch mit.

Die DWS dreht schon seit Jahren an der Kostenschraube und hat sich bis 2021 Einsparungen von 150 Millionen Euro brutto vorgenommen. „Aufgrund der Pandemie werden sowohl die Erträge als auch die Kosten in diesem Jahr niedriger ausfallen als 2019“, sagte Finanzchefin Claire Peel.

Wie bei der Konkurrenz zogen DWS-Kunden wegen des Einbruchs an den Finanzmärkten im ersten Quartal Kapital in Milliarden-Euro-Höhe ab. Unter dem Strich flossen 2,5 Milliarden Euro ab, wie die DWS berichtet.

Nach einem guten Start ins Jahr habe sich der Risikoappetit der Anleger im März infolge der Verbreitung der Lungenkrankheit Covid-19 deutlich verringert, erklärte Peel. Dies drückte auf Ertrag und Gewinn des Fondshauses. Kostensenkungsmaßnahmen und niedrigere aktienbasierte Vergütungen im März ließen die Kosten aber sinken.

Vor allem aus traditionellen Anlageklassen zogen Anleger Kapital ab, was bei den margenträchtigen aktiv gemanagten Fonds zu einem Kapitalabfluss von unterm Strich 5,6 Milliarden Euro führte. Betroffen waren Anleihefonds und Mischfonds, die Wertpapiere verschiedener Anlageklassen mixen. Anleihefonds entzogen Investoren per Saldo gut fünf Milliarden Euro, bei Mischfonds wurden in Summe Anteile im Wert von 700 Millionen Euro zurückgegeben. Angesichts der Corona-Pandemie hätten viele Anleger in Liquidität umgeschichtet, berichtete die Finanzchefin. Bei Anleihen erkennt sie zudem einen Trend, dass große Investoren wie Versicherer Kapital wieder selbst managen.

Aktiv gemanagte Aktienfonds verbuchten im ersten Quartal Kapitalzuflüsse von netto 1,7 Milliarden Euro, auch Immobilienfonds waren gefragt. Zudem parkten Anleger 3,6 Milliarden Euro in Geldmarktfonds.

Auch aus börsengehandelten passiven ETFs floss netto deutlich Kapital ab: Die Verkäufe von Fonds überstiegen die Neukäufe um zwei Milliarden Euro. Dies betraf vor allem Aktien-ETFs.

Im Jahr 2019 hatte die DWS deutliche Kapitalzuflüsse verbucht. Netto vertrauten Anleger der Deutsche-Bank-Fondstochter im vergangenen Jahr insgesamt 26,1 Milliarden Euro an neuen Geldern an. Gut die Hälfte davon floss dem Haus im vierten Quartal zu.

Auch Wettbewerber leiden unter Mittelabflüssen

Auch die großen Konkurrenten leiden unter der schwierigen Börsenlage. Nach Zahlen des Fondsratinghauses Morningstar verbuchten auch zwei der anderen großen deutschen Fondsanbieter erkennbare Kapitalabflüsse bei den vor allem für Privatanleger aufgelegten Wertpapier-Publikumsfonds am europäischen Markt.

Bei der DWS berechnete Morningstar für diese Produkte netto Abflüsse von 2,4 Milliarden Euro, bei Union Investment von 1,5 Milliarden Euro, bei der Allianz-Tochter Allianz Global Investors sogar von knapp drei Milliarden Euro. Allein die Deka verbuchte dort demnach Zuflüsse von netto einer halben Milliarde Euro.

Die Abflüsse, aber vor allem die drastischen Kursverluste bei Aktien ließen das verwaltete Vermögen der DWS im ersten Quartal um 67 Milliarden Euro auf 700 Milliarden Euro schrumpfen. Die Erträge sanken gegenüber dem Vorquartal um 24 Prozent auf 524 Millionen Euro. Nach Aussage der DWS reduzierten sich vor allem die von der Performance abhängigen Gebühren. Im Vergleich zum ersten Quartal 2019 schrumpften die Erträge um zwei Prozent.

Der bereinigte Vorsteuergewinn ging daher im Vergleich zum Vorquartal um ein Drittel zurück auf 179 Millionen Euro. Gegenüber dem ersten Quartal kletterte er aber um 17 Prozent nach oben. Nach Steuern wies die DWS für das erste Quartal 2020 ein im Vergleich zum vierten Quartal um ein Drittel niedrigeres Konzernergebnis in Höhe von 121 Millionen Euro aus. Im Jahresvergleich stieg das Konzernergebnis um 19 Prozent.

Die bereinigten Kosten sanken auf 345 Millionen Euro. Im Quartalsvergleich gingen sie um 18 Prozent zurück, gegenüber dem ersten Quartal 2019 um knapp zehn Prozent. Die DWS begründet dies mit ihren Maßnahmen zur Steigerung der Kosteneffizienz wie niedrigeren Kosten für externes Research sowie für Gebäude und Mieten.

Außerdem sorgten die massiven Kursverluste bei Aktien etwa für deutlich niedrigere aktienbasierte Vergütungen. Die bereinigte Kosten-Ertrags-Rate CIR sank gegenüber dem ersten Quartal 2019 von 71,4 Prozent auf 65,8 Prozent, womit das Haus sich seinem mittelfristigen Ziel von unter 65 Prozent annähert. Investoren loben die weiter gesunkenen Kosten sowie die durch den Absatz auch margenträchtiger Produkte konstante Netto-Gebührenmarge von 29,5 Prozent. „Wöhrmann hat in diesem schwierigen Umfeld ein relativ gutes Ergebnis hingelegt“, resümiert ein Großinvestor.

Herausfordernde Märkte

Ob die Geschäftszahlen allerdings in diesem Marktumfeld so bleiben, bezweifelt die DWS: „Die Märkte werden herausfordernd bleiben“, erwartet DWS-Chef Asoka Wöhrmann. Folglich rechnet er damit, dass die bereinigten Erträge und Kosten unter den Zahlen für 2019 liegen werden.

Bis 2021 will Wöhrmann die Kosten um brutto weitere 150 Millionen Euro senken, „wenn nötig auch mehr“. Wöhrmann arbeitet seit seiner Rückkehr zur DWS als Chef hart an den Kosten. Ihr mittelfristiges Ziel, die bereinigte Aufwand-Ertrags-Relation bis 2021 auf unter 65 Prozent zu senken, behält die DWS bei – unter der Annahme, dass sich die Märkte im zweiten Halbjahr 2020 wieder erholen. Angesichts der Auswirkungen der Pandemie auf die Erträge rechnet er in den kommenden Quartalen jedoch mit einem „vorübergehenden Anstieg“ dieser Kennzahl.

Um den Fondsabsatz zu stabilisieren, sucht der DWS-Chef weitere strategische Partner vor allem in Asien. Außerdem hält er Ausschau nach Zukäufen: „Covid 19 ist ein Katalysator für die anstehende Konsolidierung in der Branche“. Die DWS wolle dabei als Konsolidierer „eine Schlüsselrolle spielen“ – in den kommenden eineinhalb Jahren werde es mehr Übernahmen geben als bisher.

Das Haus will 1,67 Euro pro Aktie Dividende für 2019 zahlen. Hauptprofiteur der Gewinnausschüttung ist die Deutsche Bank, die weiterhin 80 Prozent an ihrer Tochter hält. Ihre Hauptversammlung verschiebt die DWS in das vierte Quartal. Dies werten Investoren auch als geschickten Schachzug, um mit Blick auf eine Ausschüttung an die Konzernmutter in diesen turbulenten Zeiten einer womöglichen Erklärungsnot gegenüber Regulatoren vorzubeugen.