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DWS ersetzt Wöhrmann nach Razzien zu Greenwashing-Verdacht

(Bloomberg) -- Nach den Razzien bei Deutsche Bank AG und ihrer Fondstochter wegen des Verdachts auf Greenwashing muss Asoka Wöhrmann seinen Hut als Chef der DWS Group GmbH & Co KGaA nehmen. Damit kommt die monatelange Kontroverse um den Manager zu einem vorläufigen Ende.

Stefan Hoops, Leiter der Firmenkundensparte bei der größten deutschen Bank, wird ab 10. Juni die Leitung der DWS übernehmen, wie am Mittwoch mitgeteilt wurde. Seine bisherige Rolle übernimmt David Lynne, Firmenkundenchef für den asiatisch-pazifischen Raum mit Sitz in Singapur.

Das Ausscheiden des einstigen Vertrauten von Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing unterstreicht, wie hoch der Druck auf das Unternehmen geworden ist, seit die ehemalige DWS-Nachhaltigkeitschefin Desiree Fixler mit ihrer Kritik in die Öffentlichkeit gegangen ist, die DWS habe ihre ESG-Verdienste aufgebauscht. Die Razzien fügen sich ein in eine wachsende Liste rechtlicher Probleme für Sewing und überschatten seinen als erfolgreich gepriesenen Turnaround der Bank in anderen Bereichen.

DWS weiteten die gestrigen Verluste aus und handelten um bis zu 7,7% leichter, so viel wie seit August letzten Jahres nicht mehr. Seit Anfang des Jahres hat die Aktie etwa 12% ihres Werts verloren.

“Die Anschuldigungen, die in den letzten Monaten gegen die DWS und mich erhoben wurden, auch persönliche Angriffe und Drohungen, wie unbegründet oder unhaltbar sie auch sein mögen, haben Spuren hinterlassen”, schrieb Wöhrmann in einer Abschiedsnachricht an die Mitarbeiter, die Bloomberg vorliegt. “Sie waren sowohl für die Firma als auch für mich und vor allem für meine Angehörigen eine Belastung. Daher habe ich mich schweren Herzens mit der Firma darauf geeinigt, als CEO zurückzutreten.”

Die Ermittlungen verstärken indes nicht nur die Kopfschmerzen in den Zwillingstürmen an der Frankfurter Taunusanlage. Sie sind auch das jüngste und eines der prominentesten Beispiele dafür, dass Geldhäuser wegen Greenwashing zunehmend mit rechtlichen Konsequenzen rechnen müssen. Bloomberg Intelligence schätzt das Volumen von ESG-Fonds bis 2025 auf mehr als 50 Billionen Dollar, etwa ein Drittel des weltweit verwalteten Vermögens.

“Vermögensverwalter, insbesondere wenn sie in Märkten wie Europa und den USA tätig sind, müssen wegen der verstärkten Aufmerksamkeit in Sachen Greenwashing sicherstellen, dass sie ihre ESG-Angaben untermauern können”, so Mak Yuen Teen, Professor an der National University of Singapore, der sich mit Corporate Governance beschäftigt.

Für Wöhrmann war die Razzia ein weiterer Rückschlag, der sich nun als karriereentscheidend erweist. Er stand intern und extern schon wegen der Nutzung privater E-Mails für geschäftliche Zwecke unter Druck. Auch seine Beziehung zu einem Geschäftsmann und deren Rolle bei gewissen Transaktionen wurde unter die Lupe genommen.

Obwohl die negativen Nachrichten das Management der Bank immer stärker verstimmten, hatte Sewing bis zuletzt zu Wöhrmann gestanden - auch weil die DWS unter ihm gute Ergebnisse erzielt hat. Der Bankchef dankte Wöhrmann in einer Erklärung am Mittwoch für “seine so eindrucksvolle Arbeit und Leistung für die DWS und die Deutsche Bank”.

Wöhrmann hatte den Job bei der DWS 2018 übernommen, kurz nach dem schlecht gelaufenen Börsengang des Fondsmanagers. Anleger hatten Milliarden Euro aus den Fonds der DWS abgezogen, und Sewing bat Wöhrmann, die Firma wieder auf Kurs zu bringen, nachdem er den Konzernchef zuvor bei der Leitung des Privatkundengeschäfts der Deutschen Bank beeindruckt hatte. Es gelang Wöhrmann, die Abflüsse einzudämmen, und die Stimmung bei der DWS verbesserte sich.

Wöhrmann senkte auch die Kosten und steigerte die Erträge. Im vergangenen Jahr erzielte die DWS den höchsten Vorsteuergewinn seit dem Börsengang vor vier Jahren.

Wie Wöhrmann steht auch Hoops Sewing nahe. Er hat seine gesamte Karriere bei der Deutschen Bank verbracht, die meiste Zeit davon im Handelsbereich, bevor Sewing ihn 2019 beauftragte, das schwächelnde Transaktionsgeschäft zu sanieren.

Der intern Unternehmensbank genannte Bereich sollte ein Kernstück der Umstrukturierung werden, doch seine Ergebnisse wurden von denen der Investmentbank in den Schatten gestellt. Der Bereich litt unter starkem Gegenwind bei den Zinsen, obwohl Hoops’ unnachgiebiger Fokus auf die Einführung von Einlagengebühren zuletzt zwei Quartale mit zweistelligem Ertragswachstum erbracht hat.

Die ESG-Branche sah sich in letzter Zeit Angriffen einer wachsenden Zahl von Gegnern ausgesetzt, und selbst Insider beginnen, ihre Zweifel an Aspekten der boomenden Anlageform zu äußern. Die Fondsparte der HSBC Holdings Plc hat kürzlich ihren eigenen Leiter für verantwortungsbewusstes Investieren suspendiert, nachdem er “Klima-Spinner” kritisiert hatte. In den USA ist ESG für die Republikaner ein Hauptfeind im Kulturkampf, während Elon Musk von Tesla Inc. ESG als “Betrug” bezeichnet hat.

Die US-amerikanische Wertpapier- und Börsenaufsichtsbehörde (SEC) hat in der vergangenen Woche Vorschriften erlassen, mit denen der Name eines Produkts und seine tatsächliche Strategie in Übereinstimmung gebracht werden sollen. Das könnte außer ESG auch Tausende weiterer Fonds betreffen, die mit Etiketten wie “Value” oder “Growth”, aber auch “Anleihen” oder “Schwellenländer” versehen sind.

Fixler hatte die Behauptung der DWS, Hunderte von Milliarden ihres verwalteten Vermögens seien “ESG-integriert”, als irreführend bezeichnet, weil die Bezeichnung keine sinnvollen Maßnahmen der betreffenden Fondsmanager nach sich ziehe. Die DWS hat die Verwendung des Labels inzwischen eingestellt.

Wöhrmann entließ seine ESG-Chefin im März letzten Jahres und erklärte in einem internen Memo, ihre Abteilung habe nicht genügend Fortschritte gemacht. Sie klagte gegen die Entlassung, verlor aber im Januar vor dem Frankfurter Arbeitsgericht.

Freilich fließen trotz des Streits auch weiterhin ESG-Anlagen in die DWS - 40% der gesamten Nettomittelzuflüsse in Höhe von 48 Milliarden Euro entfielen im vergangenen Jahr auf diesen Bereich.

Überschrift des Artikels im Original:

DWS Replaces CEO Hours After Police Raid in Greenwashing Probe

(Neu: Kommentare, Details)

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