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Luxus-Reisen und Traumgehälter – Flugbegleiter-Gewerkschafter sollen sich selbst bedient haben

Mit Kreditkarten der Gewerkschaft sollen UFO-Vorstandsmitglieder private Reisen finanziert haben. Die Staatsanwaltschaft durchsucht die Zentrale.


Überraschungsbesuch bei der Flugbegleiter-Gewerkschaft UFO: Beamte der Staatsanwaltschaft Darmstadt standen an diesem Vormittag mit einem Durchsuchungsbeschluss vor der Tür der Zentrale in der Farmstraße in Mörfelden-Walldorf.

Der Inhalt hatte es in sich: Amtierende und ehemalige Vorstandsmitglieder der Gewerkschaft sollen Beratungsverträge mehrfach vergeben, sich gegenseitig finanzielle Vergünstigungen gewährt und teilweise vorteilhafte Arbeitsverträge gehabt haben.

Auch die benachbarten Räume der IGL, als eine Art Dachorganisation für Gewerkschaften im Luftfahrtbereich ins Leben gerufen, wurden durchsucht. Der Verdacht hier: Vorstandsmitglieder – sie sind zum Teil deckungsgleich mit den handelnden Personen bei der UFO – sollen Gelder „der UFO e.V. unrechtmäßig an die IGL e.V. verschoben“ haben.

Die Rede ist von 90.000 Euro, der Gesamtschaden soll sich sogar auf 200.000 Euro belaufen. Zudem sollen dienstliche Kreditkarten für private Zwecke und Vereinsgelder für Ausflüge etwa zum Oktoberfest mit Übernachtungen in einem Fünf-Sterne-Hotel genutzt worden sein.

Die Razzien sind ein neuer Höhepunkt in der seit Monaten dauernden Krise der Flugbegleiter-Gewerkschaft. Zum einen tobt dort ein erbitterter Machtkampf um die Führung. Zugleich ist die Arbeitnehmervertretung durch Misswirtschaft tief in die roten Zahlen gerutscht.

Hinzu kommt: Lufthansa fordert insgesamt rund 800.000 Euro von der UFO und einzelnen Vorstandsmitgliedern, weil diese ungerechtfertigt Gehalt von der Airline bekommen haben sollen.

Die neue Zuspitzung dürfte auch ein großes Thema auf der bevorstehenden außerordentlichen Mitgliederversammlung stehen, die am 22. Mai stattfinden soll. Es gibt Stimmen in der Gewerkschaft, die für einen kompletten Neuanfang mit einer neuen Führung plädieren.

Parallel läuft ein Verfahren wegen des Verdachts der Untreue bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt. Die war an den Razzien nicht beteiligt.