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"Durchsetzungsstark", "herausfordernd", "leidenschaftlich": Die Hälfte aller Stellenanzeigen sind so formuliert, dass sich Frauen nicht angesprochen fühlen

·Lesedauer: 4 Min.

Die Arbeitswelt wird nach wie vor von Männern dominiert. Zwar sind drei von vier Frauen erwerbstätig, oft auch in sehr verantwortungsvollen Berufen. Statistiken zeigen aber, dass an den Spitzen großer Unternehmen überwiegend Männer stehen. So hat beispielsweise derzeit mehr als die Hälfte aller deutschen börsennotierten Unternehmen keine einzige Frau im Vorstand. Nur ein Drittel aller Führungskräfte ist weiblich.

Dass es im Arbeitsleben in dieser Hinsicht nicht gerecht zu geht, beginnt häufig schon bei der Stellenanzeige: Etwa die Hälfte aller Jobbeschreibungen spricht Frauen nicht an. Das zeigt eine Untersuchung der Job-Plattform Stepstone*, in der mehr als eine halbe Million Stellenanzeigen analysiert wurden. Besonders wenn es darum geht, Führungspositionen zu besetzen, enthalten Jobbeschreibungen Formulierungen, die eher Männer adressieren. Dann werden besonders häufig, das zeigen die Zahlen, Begriffe wie "durchsetzungsstark", "ehrgeizig", oder "karriereorientiert" verwendet.

Der Grund, weshalb sich Frauen von diesen Begriffen weniger angesprochen fühlen als Männer, ist der „Unconscious Bias“. Der Begriff kommt aus dem Englischen und beschreibt Annahmen oder Stereotypen, die wir tief verinnerlicht haben und die somit auch unsere Sprache beeinflussen. Diese entwickeln wir ganz unbewusst schon in frühen Kindheitstagen – durch Erziehung, Medien und das soziale Umfeld.

"Unconscious Bias" beruht auf jahrhundertealten Denkweisen

Welche Formulierungen wir eher als weiblich oder männlich empfinden, geht auf jahrhundertealte Denkweisen und Erwartungshaltungen zurück, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben. Dem Mann in der Rolle als Haupternährer schreiben wir genau die Eigenschaften zu, die er zur Ausübung dieser Funktion braucht. Dazu gehört zum Beispiel Handlungsgeschick, Ehrgeiz oder Fachkompetenz. Eigenschaften wie Empathie, Verantwortungsbewusstsein oder Hilfsbereitschaft, die es braucht, um zum Beispiel ein Kind großzuziehen oder einen anderen Menschen zu pflegen, werden dagegen als Teil des weiblichen Stereotypen empfunden.

"Aus solchen Klischeevorstellungen ergibt sich eine sogenannte Kodierung von Worten", erklärt Anne-Sophie Schröder, Data Scientist bei Stepstone. Da wir Eigenschaften wie Ehrgeiz oder Fachkompetenz eher mit Männern assoziieren, fühlen sich eben jene von Stellenanzeigen, die diese Begriffe enthalten, eher angezogen. Umgekehrt, so die Expertin, bringen viele Menschen weiblich kodierte Formulierungen wie "Dich zeichnet eine zuverlässige Arbeitsweise aus" mit vermeintlich typisch weiblichen Eigenschaften in Verbindung.

"Diese Reaktion wird durch ein Gefühl der Zugehörigkeit ausgelöst, das unterbewusst stattfindet", sagt Schröder. Denn natürlich wissen wir eigentlich, dass in unserer heutigen Gesellschaft nur noch die wenigsten davon ausgehen, dass nur Männer ehrgeizig, dominant oder eine Führungspersönlichkeit sein können. Genauso wenig nehmen wir an, dass nur Frauen die Rolle einer empathischen oder verständnisvollen Person ausfüllen können. "Unterbewusst hat diese geschlechtsspezifische Kodierung aber noch immer großen Einfluss auf unser Weltbild", sagt die Expertin.

Und das hat Auswirkungen. Studien belegen, dass Stellenanzeigen, die einen männlichen Bias haben, Frauen davon abhalten, sich darauf zu bewerben. Die Folge daraus ist laut Schröder, dass bestimmte Jobs männlich dominiert bleiben, zum Beispiel technische Berufe oder eben Führungspositionen. Die Analyse von Stepstone zeigt zudem, dass gerade in Branchen, in denen Männer ohnehin schon überwiegen, auffallend oft auch männlich kodierte Formulierungen in den Stellenanzeigen gebraucht werden. Spitzenreiter sind demnach Telekommunikationsunternehmen, Finanzdienstleister und Banken. "Das wirkt sich negativ auf das Geschlechterverhältnis und auch auf das Gehaltsniveau insgesamt aus", sagt Schröder.

Denn was die Zahlen ebenfalls zeigen: Nur Jobs in der Hotellerie, im Gesundheits- und im Bildungswesen beinhalten mehr Begriffe, die eher Frauen als Männer ansprechen. Also Branchen, die sowieso eher weiblich statt männlich geprägt sind.

Geschlechterspezifische Formulierungen reduzieren

"Zahlreiche Unternehmen erleben einen erheblichen Personalmangel", sagt Stepstone CEO Sebastian Dettmers zu der Analyse. "Arbeitgeber wissen das und wollen mehr Diversität." Stellenanzeigen, die sich durch ungünstig gewählte Formulierungen nur an Männer richten, bewirken leider das Gegenteil.

Weil Stellenanzeigen in der Regel der erste Kontaktpunkt zwischen Bewerbern und Unternehmen sind, ist es wichtig, dass Personalabteilungen den männlichen Bias in ihren Jobbeschreibungen reduzieren. Nur dann ist ein fairer Rekrutierungsprozess möglich. Das ist allerdings gar nicht so einfach, wie es im ersten Moment scheint. Denn in der Regel werden Stellenbeschreibungen nicht bewusst oder absichtlich "männlich" formuliert.

Um auf dieses Problem zu reagieren, hat Stepstone ein Tool entwickelt, das geschlechterspezifische Formulierungen erkennen und automatisch Alternativen dafür finden soll. So sollen Personaler prüfen können, ob ihre Jobbeschreibungen genderneutral verfasst sind. Sie bekommen, falls das nicht der Fall ist, dann eine Formulierung vorgeschlagen, die beide Geschlechter gleichermaßen anspricht. Personaler sollen so auch ermutigt werden, generell ihre Sprache in Stellenanzeigen zu überdenken. Anstatt eines "leistungsstarken" Teammitglieds könne man einfach nach einem "talentierten" suchen – und so mehr Frauen motivieren, sich zu bewerben.

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