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Wie eine drohende diplomatische Krise zwischen der Türkei und den USA die türkische Lira in die Tiefe reißt

Sinan Şenyurt
·Lesedauer: 2 Min.
US-Präsident Joe Biden mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan 2016
US-Präsident Joe Biden mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan 2016

Die rasante Talfahrt der türkischen Lira nimmt kein Ende: Der Kurs der Lira hat einen neuen Tiefstand erreicht. Der Grund dafür soll die am Samstag angekündigte Rede des neu-gewählten amerikanischen Präsidenten Joe Biden sein.

Denn US-Präsident Biden will am Samstag das zwischen 1915 und 1923 an Armeniern verübte Massaker mit 1,5 Millionen Opfern offiziell als Völkermord anerkennen. Biden wolle das zum Teil einer Rede machen, die er am Gedenktag der Gräueltat halten will, berichtet die New York Times. Die Bundesregierung stufte schon am 2016 das an den Armeniern begangene Massaker als Völkermord ein. Die Türkei reagierte damals mit scharfer Kritik.

Die Ankündigung, dass nun auch die USA den Völkermord anerkennen, bringt die bereits angeschlagene türkische Lira zum taumeln. Der Kurs stieg auf bis zu 10,15 Lira gegenüber dem Euro – mehr als 3 Prozent gegenüber der Vorwoche. Auch zum US-Dollar wurde die türkische Lira deutlich billiger und kostete am Freitag nur noch bis zu 8,39 Lira je Dollar.

Ausländische Investoren schreckt das jetzt schon ab

Die türkische Wirtschaft steht seit langer Zeit massiv unter Druck. Das Land wurde von der Corona-Pandemie stark getroffen und leidet unter einer schweren Rezession. Ausländische Investoren schreckt die Lage jetzt schon ab und die Märkte in der Türkei wackeln.

Wie Business Insider aus diplomatischen Kreisen in Ankara erfuhr, wird sich die Lage sehr verschärfen, falls der US-Präsident seine geplante Rede hält. „Die Armenien-Problematik ist in der Türkei ein sehr heikles Thema. Wenn der US-Präsident seine Rede diesbezüglich halten sollte, dann wird in Ankara der rote Knopf gedrückt und eine diplomatische Krise ausgelöst.", so ein Insider. Die Regierung berate aktuell noch, wie sie konkret gegenüber Washington reagieren wird.

Ein mögliches Szenario sei, den türkischen Botschafter aus den USA abzuziehen und eine Verbalnote gegenüber den USA auszurichten. "Der türkische Präsident muss eine harte Sanktion ausüben, um das türkische Volk und vor allem seine Wähler stark wie möglich zu zeigen. Und genau diese Art von Rhetorik wird sich stark an den Märkten und in der türkischen Börse bemerkbar machen.“, so eine mit der Lage vertraute Person.

Die wirtschaftliche Lage ist ernst

Die Arbeitslosenquote in der Türkei liegt nach offiziellen Angaben bei über 13 Prozent. Laut türkischen Studien hat sich die Zahl der Insolvenzen um fast 50 Prozent verdoppelt. Wie Gewerkschaften mitteilen, liegt die Armut bei über 40 Prozent.

Ein Grund dafür ist die Finanzpolitik Erdogans und seiner islamisch-konservativen AKP. Statt die Notenbank unabhängig von der Politik agieren zu lassen, mischt sich Erdogan immer wieder verstärkt ein. „So Gott will, werden wir den Zinssatz auf einstellige Werte senken und diese Zahl dann weiter reduzieren. Wir sind entschlossen“, sagte er in einer Fraktionssitzung seiner Partei. Sein Credo: Wachsen, wachsen, wachsen – komme was wolle. Doch die Realität ist derzeit weit entfernt von dieser politischen Vision.