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Vom Drogen-ETF bis zum Franziskaner-Fonds: Diese ungewöhnlichen Anlagen bringen Renditen, aber auch Gewissensfragen mit sich

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Heutzutage wollen plötzlich alle nachhaltig und ethisch korrekt investieren. Nachhaltige ETFs mit ESG oder SRI-Siegel haben Hochkonjunktur. Bloß keinen CO2-Abdruck hinterlassen und dafür sorgen, dass die Investments im Einklang sind mit den eigenen Werten. Alle? Nein, nicht alle! Es gibt noch genügend Anleger und Fondsgesellschaften, denen egal ist, ob irgendwelche Fabriken Flüsse mit Chemiemüll verschmutzen, Kinder durch Tretminen sterben oder sozial schwache Menschen mit Glücksspielen noch stärker ausgenommen werden. Hauptsache, die Rendite stimmt!

2009 noch gab es eine Studie von Harrison Hong und Marcin Kacperczyk, die beweisen wollte, dass „sündenvolle Aktien“ aus der Alkohol-, Tabak- und Glücksspielindustrie eine überdurchschnittliche Rendite erzielen und alle, die diese Branchen ignorieren, ein finanzielles Risiko eingehen.

Bevor euch jetzt vor Schreck euer selbst gebackenes Bananenbrot in die Bio-Hafermilch fällt: Diese Studie wurde mittlerweile mehrfach widerlegt. Letztendlich kommt es immer auf die Datenlage und den Vergleichszeitraum an. Nachhaltige Investments werden immer häufiger nachgefragt und auch große Banken und Fondsgesellschaften stellen sich darauf um. Auch ist die Rendite von einem MSCI World SRI sogar besser, als die des klassischen MSCI World. Aber lasst uns mal einen Blick über den rosaroten, heilen Tellerrand werfen.

Hier kommen ein paar außergewöhnliche Investitionsideen, die Hand in Hand mit Gewissensfragen gehen.

Im Namen des Vaters, des Sohnes und der heiligen Rendite

Franz von Assisi lebte in freiwilliger Armut – und das, obwohl seine Eltern steinreich waren. In seiner Jugend ließ er’s krachen wie der BWL-Justus, später lebte er arm und fromm und gründete den nach ihm benannten Franziskanerorden.

Wer in Unternehmen investieren möchte, die also den christlichen Werten des Franziskanerordens entsprechen, kann den TerrAssisi Aktien Fonds wählen. Damit war in den letzten zwölf Monaten eine Rendite von immerhin knapp 33 Prozent möglich.

Ein Wunder ist das nicht, wenn man sich die Branchen anschaut, die im Fonds enthalten sind: 15 Prozent Software-Unternehmen, sieben Prozent Versicherungen, knapp fünf Prozent Kreditdienstleistungen und vier Prozent Medikamentenhersteller. Das sind renditestarke Branchen – und im Sinne der Franziskaner auch mit christlichen Werten vereinbar. Um zu investieren, müsst ihr übrigens nicht Mitglied der Kirche sein. Aber ein bisschen Glauben, zumindest an die Werte-Entwicklung, kann bei Aktien ja nie schaden.

Vice und B.A.D. – die Laster-Fonds mit Glücksspiel und Drogen

Die Anti-These zum Kirchen-Fonds könnte der Vice Funds sein. Der „Laster-Fonds“ investiert dabei vorwiegend in sozial unverantwortliche Unternehmen mit einem starken freien Cashflow und hoher Kapitalrendite. Glücksspiel, Waffen oder doch lieber Tabak? Der Vice Fonds deckt all diese Branchen ab. Allerdings lief es in den vergangenen fünf Jahren trotzdem nicht so gut für den Fonds: In fünf Jahren hätte man gerade einmal eine Rendite von drei Prozent erzielt. Wer damals 10.000 Euro investiert hätte, könnte von der Rendite heute nicht einmal ins Casino gehen, sondern eher auf ein Bier und eine Kippe in die Spielothek im Bahnhofsviertel – und ich ignoriere hier sogar bewusst die Inflation.

Dieser Fonds ist aktuell nur in den USA zu haben. Der Listed Funds Trust plant allerdings den B.A.D. ETF in Deutschland: "betting, alcohol, drugs" – zu Deutsch Wetten, Alkohol und Drogen. Dabei steht das "drugs" nicht nur für die Pharmaindustrie, sondern auch für Cannabis-Unternehmen. Angesichts der immer größeren Akzeptanz von Cannabis könnte das tatsächlich interessant sein. Schließlich plant sogar die Ampel-Koalition die Freigabe von Cannabis. Der Fonds wartet noch auf Zulassung in Deutschland.

Viel Gier, wenig Gewissen? Investiert in Waffen, Krieg und Munition!

Wer auf der Suche nach neuen Investitionsmöglichkeiten ist, muss immer Ausschau halten, was gerade am Markt, in der Wirtschaft oder der Gesellschaft passiert. Manche nutzen dafür ganz klassisch die Tageszeitungen – und dort die Kriegsberichterstattung. Ein Beispiel: In Syrien ist noch immer Krieg. Seit über zehn Jahren. Und auch wenn ein Land nicht im Krieg ist, muss es sich verteidigen können. Die USA gaben 2020 beispielsweise 778 Milliarden US-Dollar fürs Militär aus, China umgerechnet 252 Milliarden Dollar und Deutschland 53 Milliarden Dollar beziehungsweise knapp 47 Milliarden Euro. Unternehmen, die davon profitieren, heißen etwa Raytheon Technologies (ein Hersteller von Raketen, Luftabwehrsystemen und Drohnen), Lockheed Martin (bekannt für seine Militärflugzeuge) oder der ehemalige Streubombenhersteller Textron. Wer keine Lust auf eine Einzelaktienanalyse hat, investiert einfach in den iShares U.S. Aerospace & Defense ETF.

Und die Rendite? Der ETF hat sich seit seiner Auflage 2006 tatsächlich vervierfacht und hat eine jährliche Rendite von circa elf Prozent. Im Vergleich dazu hat ein MSCI World ETF „nur“ neun Prozent. Aber Spoiler: Den "Waffen-ETF" gibt es nur in den USA zu handeln, nicht in Deutschland.

Ihr seht also, es gibt wirklich für jeden und jede den passenden Fonds. Eine Frage, die ihr euch bei der Auswahl allerdings stellen solltet: Wie wollt ihr investieren und dabei nachts noch gut schlafen? Investiert also am besten so, dass ihr vor Nervosität nicht ständig zur Zigarette oder zum Bier greifen müsst, sondern euch über eure Rendite auch ohne CBD-Öl entspannt freuen könnt.

Margarethe Honisch ist Finanzbloggerin und Buchautorin. Auf ihrer Website Fortunalista und ihrem gleichnamigen Instagram-Account gibt sie Tipps rund um Altersvorsorge und Geldanlage. Für Business Insider schreibt sie die Kolumne „Aus Geld mehr machen“.

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