Deutsche Märkte geschlossen

Kurz optimistisch zu Grenzöffnung, Grenzwertverletzung in NRW

David Verbeek

(Bloomberg) -- Während in Deutschland die umfassendsten Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen seit Beginn der Coronavirus-Pandemie anstehen, ist die Zahl der Neuinfektionen erneut gestiegen. In Coesfeld droht die Wiedereinführung von Beschränkungen. Und Österreichs Bundeskanzler hofft, dass die Kontrollen an der Grenze zu Deutschland bald aufgehoben werden können.

Laut Angaben der Johns Hopkins Universität vom Freitagmorgen haben sich in Deutschland in den 24 Stunden davor weitere 1.268 Menschen mit dem Virus angesteckt. Es ist der dritte Anstieg der Neuinfektionen in Folge und die höchste Zahl seit dem 1. Mai.

Unter Verweis auf bessere Infektionszahlen hatten Bund und Länder am Mittwoch das bislang umfangreichste Paket an Lockerungen verabschiedet. Restaurants und auch große Geschäfte dürfen demnach wieder öffnen, Profifußballspiele sollen wieder stattfinden. Die Kontaktbeschränkungen gelten jedoch weiterhin, und Eindämmungsmaßnahmen können lokal wieder eingeführt werden, wenn die Pandemie örtlich neu aufflammt.

Solche Maßnahmen drohen im nordrhein-westfälischen Coesfeld. Der Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner sei dort überschritten, nachdem in einem Fleischereibetrieb 129 infizierte Mitarbeiter gemeldet worden waren, wie die DPA berichtete. Nun sollen alle 1200 Mitarbeiter des Standorts getestet werden, der Betrieb wird vorübergehend geschlossen.

Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz will die Grenzkontrollen und Beschränkungen an der deutsch-österreichischen Grenze bald lockern. Er sei optimistisch, mit Deutschland in den nächsten Wochen eine Lösung zu finden, “um die Grenzen wieder herunterzufahren und insbesondere auch für den Sommer hier den Reiseverkehr wieder möglich zu machen”, sagte Kurz auf einer Pressekonferenz. In Deutschland wie in Österreich entwickelten sich die Ansteckungszahlen gut, erklärte er.

Derweil nimmt die Diskussion um den Ursprung des Erregers weltweit Fahrt auf. Die Frage des Ursprungs des Virus ist unklar und umstritten. Die Weltgesundheitsorganisiation erklärte, dass das Coronavirus von Fledermäusen kommt. Es sei jedoch noch unklar, wie das Virus auf den Menschen übergegangen ist, sagte ein WHO-Vertreter. Der Markt in Wuhan dürfte eine Rolle gespielt haben.

Die US-Regierung geht derweil davon aus, dass das Virus aus einem Labor im chinesischen Wuhan stamme. US-Außenminister Mike Pompeo hatte gesagt, er habe dafür “überwältigende Beweise” - ruderte zuletzt aber wieder zurück.

Laut Informationen des Spiegel zweifelt die deutsche Bundesregierung an der Labortheorie der US-Regierung. Demnach habe der Bundesnachrichtendienst bei verschiedenen Geheimdiensten nach Belegen gefragt, und keiner wollte die von US-Außenminister Mike Pompeo verbreitete Theorie bestätigen.

Dem durch die Pandemie verursachten Abschwung ist nun auch der Ausblick von Siemens zum Opfer gefallen. Die Siemens AG kassierte ihren Ausblick für das Gesamtjahr. Zwar konnte das Unternehmen während des Lockdowns seine Fabriken am Laufen halten, jedoch sind die Kundenaufträge eingebrochen. Den Höhepunkt der Negativauswirkungen des Coronavirus erwartet der Konzern im laufenden Quartal.

Seit Beginn der Pandemie haben sich in Deutschland 169.430 Personen mit dem Virus angesteckt. Die Bundesrepublik liegt damit an siebter Stelle weltweit. Insgesamt verstarben 7.392 Bundesbürger im Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion.

(Ergänzt um Kurz, Coesfeld)

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