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Dritte Insolvenz in sechs Jahren ist überstanden: So geht es bei der früheren Mifa weiter

Terpitz, Katrin
·Lesedauer: 3 Min.

Die Sachsenring Bike Manufaktur wird von einer Investorengruppe übernommen. Nicht alle der rund 120 Mitarbeiter in Sachsen-Anhalt können bleiben.

Die Mitarbeiter der ehemaligen Mitteldeutschen Fahrradwerke (Mifa) haben drei Insolvenzen in sechs Jahren durchstehen müssen. Foto: dpa
Die Mitarbeiter der ehemaligen Mitteldeutschen Fahrradwerke (Mifa) haben drei Insolvenzen in sechs Jahren durchstehen müssen. Foto: dpa

Die Sachsenring Bike Manufaktur aus Sangerhausen hat einen neuen Eigentümer. Eine Investorengruppe hat den Geschäftsbetrieb des Unternehmens übernommen, das im November 2020 Insolvenz anmelden musste.

Die neu gegründete Zweirad Union e-Mobility übernimmt 75 der rund 120 Mitarbeiter und wird die Fahrrad-Produktion am alten Mifa-Standort fortsetzen. Dies teilte Insolvenzverwalter Philipp Hackländer von White & Case am Dienstag mit. Damit hat der ehemalige Radbauer Mifa aus Sachsen-Anhalt die dritte Insolvenz in sechs Jahren überlebt.

„Die Vertragsverhandlungen waren ein richtig hartes Stück Arbeit“, erläuterte Hackländer nach Unterzeichnung des Kaufvertrags. Nach nunmehr drei Insolvenzen lägen die zur Betriebsfortführung erforderlichen Grundstücke, Fabrikhallen und Maschinen in verschiedenen Firmen.

„Die Käufer, die sich aus deutschen und international agierenden strategischen Investoren zusammensetzen, sind zum langfristigen Erhalt und zur Weiterentwicklung des Standorts Sangerhausen bereit und in der Lage“, ergänzte der Insolvenzverwalter. Sie verfügten insbesondere über schnellen Zugang zu den Materialien für die Fahrrad- und E-Bike-Produktion.

Gesellschafterin der Zweirad Union e-Mobility ist die Schweizer Zweirad Union AG mit Sitz im Kanton Schwyz. Geschäftszweck der AG sind laut Handelsregister unter anderem die Herstellung von E-Bikes, der Handel mit E-Bikes und die Lizenzierung eigener E-Mobility-Produktmarken. Als Präsidentin ist die Deutsche Tao Wang eingetragen.

Wang ist keine Unbekannte in der Branche. Sie leitet als Geschäftsführerin den Pedelec- und Rollerhersteller SFM aus Nürnberg, ehemals Sachs Fahrzeug- und Motorentechnik. Den hatte sie 2013 durch eine Insolvenz geführt.

Konzentration auf E-Bikes

Die Mitteldeutschen Fahrradwerke (Mifa), zu DDR-Zeiten ein Großproduzent, stellen seit 1907 in Sangerhausen Räder her. Nach der Wende und dem Börsengang 2004 stieg die Firma zu Deutschlands größtem Radbauer auf. Zu Hochzeiten der Mifa liefen mehr als 700.000 Räder vom Band, vor allem für Discountketten. Dann erlitt das Unternehmen Verluste, die eine Insolvenz zur Folge hatten.

Die Familie von Nathusius vom Autozulieferer Ifa Rotorion übernahm die marode Mifa Anfang 2015. Heinrich von Nathusius wollte den Hersteller zu „Europas modernstem Fahrradwerk“ machen. Mit vielen Millionen versuchte die Familie, den Radbauer zu sanieren. Nathusius übernahm sich jedoch mit dem Bau einer rund 17 Millionen Euro teuren Halle. Im Januar 2017 musste Mifa zum zweiten Mal Insolvenz anmelden.

Im Juli 2017 übernahm erneut ein Branchenfremder den Radbauer. Der ehemalige Automanager Stefan Zubcic startete mit 135 von einst 520 Mitarbeitern. Er benannte die Mifa in Sachsenring Bike Manufaktur um. Zubcic wollte das Billigimage als Massenhersteller abstreifen und hauptsächlich E-Bikes produzieren.

Sachsenring fertigte unter eigenen Marken und für andere Hersteller. Zu den Eigenmarken zählen Steppenwolf, Grace und Vaun. Zubcic hatte zwar Großaufträge etwa von MyStromer und Nextbike an Land gezogen, konnte den Radbauer aber finanziell nicht stabilisieren – obwohl die Branche boomt.

Fahrräder sind Profiteure der Coronakrise, konstatiert der Zweirad-Industrie-Verband. Die Kategorie E-Bike konnte im ersten Halbjahr 2020 erneut zweistellig wachsen auf geschätzte 1,1 Millionen Räder. Das entspricht einem Zuwachs von rund 15,8 Prozent.