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Vor drei Jahren verkaufte Rheinmetall Marder-Panzer an Jordanien – jetzt soll die Ukraine dafür 70 Prozent mehr zahlen

Ein deutscher Soldat steht während der internationalen Militärübung "Allied Spirit 2022" auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes Hohenfels vor einem Panzer Marder 1A3.
Ein deutscher Soldat steht während der internationalen Militärübung "Allied Spirit 2022" auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes Hohenfels vor einem Panzer Marder 1A3.

Kein Rüstungskonzern tritt während des Ukraine-Kriegs so offensiv auf, wie Rheinmetall. Armin Pappberger, der CEO des Düsseldorfer Waffenherstellers, gibt seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine regelmäßig Interviews, in denen er Angebote für Waffenlieferungen an die Ukraine macht. Von Pappberger dabei am drängendsten angeboten: Die Lieferung von 100 ausrangierten Schützenpanzern des Typs Marder im Besitz des Unternehmens.

Schon am 28. Februar bot Rheinmetall der Ukraine die Panzer an. Anfang April schlug der Rüstungskonzern dann vor, die Bundeswehr solle 100 Marder aus ihrem Bestand an die Ukraine liefern. Diese könnten dann durch die Marder von Rheinmetall ersetzt werden, sobald diese wieder instand gesetzt wären. Mit der Bundesregierung war dieser Vorstoß nicht abgesprochen; im Verteidigungsministerium war man verärgert von einem "Angebot zulasten Dritter" – gemeint war die Bundeswehr.

Die Ukraine jedoch forderte weiter die Lieferung von Mardern, Rheinmetall machte intern ebenso Druck. Nachdem die Bundesregierung sich Ende April für eine Lieferung von 50 Gepard-Panzern an die Ukraine entschieden hatte, wurde auch der Weg für die Lieferung der 100 Rheinmetall-Marder frei. Ein entsprechender Ausfuhr-Antrag des Unternehmens liegt seit Wochen bei der Bundesregierung. Eine Entscheidung über den Antrag ist noch nicht gefällt worden.

Rheinmetall-Chef Pappberger meldete sich deshalb am Montag noch einmal zu Wort. „Wir könnten zum Beispiel mittelfristig insgesamt 100 Marder zur Verfügung stellen, die ersten wären in drei Wochen fertig“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. "Wir warten auf die endgültige Entscheidung der Regierung." Schon vor vier Wochen habe Rheinmetall damit begonnen, die ausgemusterten Marder wieder aufzubereiten. "Obwohl es noch keinen konkreten Auftrag gibt", so Pappberger. "Wir machen das also auf eigenes Risiko."

Und nach Informationen von Business Insider: für gutes Geld.

Jordanien zahlte für seine Rheinmetall-Marder Stückpreise zwischen 660.000 und 890.000 Euro

Denn für die 100 Marder, deren Lieferung an die Ukraine Rheinmetall bei der Bundesregierung beantragt hat, fordert der Konzern 153 Millionen Euro, inklusive Munition und Ersatzteile. Ein stattlicher Preis – der deutlich über dem liegt, den der Konzern noch vor wenigen Jahren für den Kauf gebrauchter Marder durch das Königreich Jordanien aufrief.

Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung an die Linksfraktion im Bundestag aus dem Juni des vergangenen Jahres hervor. Insgesamt 75 Marder-Schützenpanzer lieferte die Firma Rheinmetall demnach zwischen 2016 und 2021 nach Jordanien. Die aufgerufenen Preise schwanken: 2016 zahlte Jordanien für 25 Marder sowie 28 dazugehörige Maschinenkanonen und Verschlüsse rund 16,6 Millionen Euro. Im Jahr 2019 kosteten 25 jeweils mit Maschinenkanonen und Verschlüssen ausgestattete Marder schon über 22,2 Millionen Euro.

Rechnet man die 2019er-Preise für Jordanien hoch, würden 100 Rheinmetall-Marder samt Kanonen und Verschlüssen knapp 89 Millionen Euro kosten. Der Stückpreis läge also bei grob 890.000 Euro. Deutlich weniger also als der Stückpreis von 1,5 Millionen, den Rheinmetall nun für die Lieferung von 100 Mardern an die Ukraine aufruft. Nimmt man den 2016er-Preis für Jordanien – Stückpreis grob 660.000 Euro pro Marder – wird die Diskrepanz zum Ukraine-Angebot noch eklatanter.

Zwar umfasst dies auch Munition, Wartung und Ausbildung. Dieselben Konditionen nannte Rheinmetall aber auch bei den Lieferungen an Jordanien. Auch die Inflation zwischen 2019 und 2022 erklärt den großen Preisunterschied nicht. Möglich wäre noch, dass Rheinmetall die in den vergangenen Jahren gestiegenen Ressourcen- und Energiepreise in das Angebot an die Ukraine einpreist. Doch auch diese rechtfertigen bei einer bloßen Instandsetzung der Marder-Panzer keinen Preisanstieg von 70 Prozent zwischen dem aktuellen Angebot an die Ukraine und dem Angebot an Jordanien im Jahr 2019.

Wie erklärt Rheinmetall also die deutliche Preiserhöhung?

Die Bundesregierung und Rheinmetall schweigen

Eine entsprechende Anfrage von Business Insider ließ der Konzern unbeantwortet. Auch das für Rüstungsexporte zuständige Wirtschaftsministerium wollte die von Rheinmetall aufgerufenen Preise – und ob diese eine Auswirkung auf die Bewilligung der Ausfuhr-Genehmigung für die Marder hätten – nicht kommentieren.

"Detailinformationen zur Lieferung und Bezahlung von militärisch zu nutzenden Gütern in die Ukraine unterliegen der Vertraulichkeit, um militärische Geheimnisse der Ukraine zu schützen", teilte ein Sprecher mit. "Das betrifft auch die Erwägungen, Abstimmungen und Entscheidungsverfahren innerhalb der Bundesregierung einschließlich der formalen Antrags- und Genehmigungsverfahren."

Dieser Artikel wurde am 14. Mai aktualisiert. Er ist am 12. Mai 2022 erschienen.

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