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Drei Gründe, warum der Besitz von ETFs vielen Anlegern in der nächsten Börsenkrise zum Verhängnis werden könnte!

Andre Kulpa, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Ach, wie einfach ist die Welt doch geworden, wenn es darum geht, sein Geld vermeintlich gut und relativ sicher anzulegen. Denn da gibt es einen neuen Stern am Investmenthimmel, nämlich die „Exchange Traded Funds“ oder kurz ETFs.

Glaubt man den Medien, Finanzportalen oder Geldinstituten, gibt es für den Normalbürger nichts Besseres, als sein Erspartes in einen ETF zu stecken. Und auch als Sparplan, um langfristig Vermögen zu bilden, zum Beispiel als zusätzliche Altersvorsorge, sollen die Indexfonds erste Wahl sein.

Und es hört sich ja auch alles sehr gut an, was man über die ETFs so berichtet. Kostengünstig sollen sie sein, eine Rendite erwirtschaften, die sich am Markt orientiert, und auch noch ein für den Anleger recht passables Risiko aufweisen.

Doch sind die Indexfonds wirklich der Weisheit letzter Schluss, oder könnte es sein, dass hier ein zu rosarotes Bild gemalt wird? Um den ETF-Anlegern ein wenig die Augen zu öffnen und sie vor größeren Überraschungen zu bewahren, beschäftigen wir uns in diesem Artikel mit drei Gründen, warum bei der nächsten Börsenkrise ausgerechnet ETFs zu den größten Verlierern gehören könnten.

1. Eine gefährliche Index-Abhängigkeit

Wie funktioniert eigentlich so ein ETF? Die Idee, die dahintersteht, ist eigentlich ganz simpel. Mit einem ETF wird meistens ein Aktienindex detailgetreu nachgebildet. Es werden also alle im Index enthaltenen Aktien eins zu eins und in derselben Gewichtung ins Portfolio des entsprechenden ETFs gelegt.

Der ETF-Anbieter braucht keine teuren Fondsmanager zu beschäftigen und kann dadurch Kosten sparen, auch ist so die Wertentwicklung des ETF natürlich an den Index gebunden, den er abbildet. Dies soll den Vorteil generieren, dass man mit so einem Indexfonds, was die Rendite angeht, immer genauso gut abschneidet wie die zugrunde liegenden Aktien-Indizes selbst.

Doch Vorsicht! Sollten nämlich in Krisenzeiten zum Beispiel die Branchen am meisten verlieren, die auch im entsprechenden Index am häufigsten vertreten sind, könnte dies fatale Folgen haben. Und zwar nicht nur für die Performance des Index, sondern eben auch für die Wertentwicklung der entsprechenden ETFs.

Und in solch einem Fall würde sich die Index-Abhängigkeit der ETFs absolut fatal auf die Rendite auswirken. Denn die ETFs entwickeln sich eben nicht nur genauso gut, sondern natürlich im umgekehrten Fall auch genauso schlecht wie der zugrunde liegende Index!

2. Ein gefährlicher Mix

Auch beim nächsten Punkt spielt wieder die Abhängigkeit der ETFs von einem Index eine Rolle. Denn ein Anleger, der beispielsweise in ausgesuchte DAX-Werte investieren möchte, wird wahrscheinlich zu den Filetstücken des Index wie zum Beispiel SAP (WKN: 716460) oder Adidas (WKN: A1EWWW) greifen.

Ein Anleger, der hingegen in einen DAX-ETF investiert hat, holt sich so natürlich indirekt auch die schlechten Titel des DAX in sein Depot. Doch bei heftigen Kurskorrekturen könnte sich dies als nicht so optimal herausstellen. Denn es könnten ja ausgerechnet diese Aktien sein, die den DAX dann nach unten ziehen, und mit ihm natürlich auch alle entsprechenden ETFs, die den DAX nachbilden.

Da ein Index in der Regel eben nicht wie ein gut sortiertes Depot mit sorgsam und nach ihrer Qualität ausgesuchten Einzelwerten aufwartet, kann es hier also sehr schnell passieren, dass so ein Aktienindex in Crash-Phasen gegenüber einem privaten Anlegerdepot überproportional an Wert verlieren kann.

3. Ein gefährlicher Herdentrieb

Auch dieses Phänomen könnte die ETFs in Krisenzeiten noch mehr unter Druck bringen, als sie es vielleicht ohnehin schon sind. Viele Anleger haben ja gerade deswegen ihr Geld in einen ETF gesteckt, weil sie glauben, mit seinem passiven Investmentstil hat dieser auch das Risiko besser im Griff.

Doch wenn sie jetzt mit massiven Kursverlusten konfrontiert werden, mit denen sie ja möglicherweise gar nicht gerechnet hatten, könnte es durchaus sein, dass nun aus Angst, noch mehr zu verlieren, gutgläubige Investoren ihre so sicher geglaubten ETF-Anteile massenhaft auf den Markt werfen. Und dies würde die Abwärtsbewegung, in der sich die Kurse in einer Börsenkorrektur ja sowieso schon befinden, wahrscheinlich noch verstärken.

Fazit

Man sieht also, auch ETFs sind durchaus mit Vorsicht zu genießen. Wer in einen ETF investiert, sollte nicht nur die Vorteile auf dem Schirm haben, sondern sich auch der Risiken bewusst sein, die er mit einer Anlage in die Indexfonds natürlich auch eingeht. Denn jede Medaille hat nun einmal zwei Seiten.

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Andre Kulpa besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2019