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US-Börsen bleiben vorsichtig – Auch Tech-Aktien gehören zu Verlierern

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Die US-Börsen öffnen am Freitag erstmals seit den Präsidentschaftswahlen mit Verlusten. Auf die Stimmung drücken die jüngsten Arbeitsmarktdaten.

US-Anleger sind angesichts des andauernden Kopf-an-Kopf-Rennens um das Präsidentenamt vor dem Wochenende vorsichtig geblieben. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte lag am Freitag rund zweieinhalb Stunden vor Handelsschluss 0,2 Prozent tiefer bei 28.320 Punkten. Der breiter gefasste S & P 500 verlor 0,1 Prozent auf 3506 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq legte leicht zu auf 11.904 Stellen, nachdem er zuvor bis auf 11.737 Punkte abgebröckelt war.

„Der Markt ist diese Woche so stark gestiegen, es ist Zeit für eine Pause“, sagte Christopher Grisanti, Chefstratege bei der Vermögensverwaltung MAI Capital Management. Seit Wochenauftakt hat der S & P fast sieben Prozent an Wert gewonnen.

Ein Ergebnis der Präsidentschaftswahl vom Dienstag lag zwar immer noch nicht vor, ein Sieg des Demokraten Joe Biden wird jedoch immer wahrscheinlicher. Amtsinhaber Donald Trump drohte aber mit Anfechtungsklagen.

Die Märkte haben sich mit dieser Idee eines Biden-Sieges ziemlich wohl gefühlt, aber wenn sie angefochten wird, fügt das etwas Unsicherheit hinzu“, sagte Scott Brown vom Vermögensverwalter Raymond James. Der Dollar-Index, der die Devise zu wichtigen Währungen misst, geriet deswegen unter Druck und fiel auf den niedrigsten Stand seit zwei Monaten. Der Euro verteuerte sich auf 1,1885 Dollar.

Ein Biden-Sieg mit gleichzeitiger Mehrheit der Republikaner im Senat würde Strategen zufolge an den Börsen grundsätzlich gut ankommen. Ohne die Möglichkeit für Biden durchzuregieren, wird mit einem gemäßigten Politikstil gerechnet, was Stabilität und Verlässlichkeit verspricht.

Die Erholung am Jobmarkt von den Folgen der Corona-Pandemie kommt indes nur in kleinen Schritten voran. Zwar fielen die Daten besser aus als erwartet, allerdings wurden im Oktober so wenige neue Stellen geschaffen wie seit Mai nicht mehr.

Unter dem Strich seien seit dem März mehr als zehn Millionen Stellen gestrichen worden. Dennoch wurden Anleger am Anleihemarkt angesichts einer Arbeitslosenquote unter sieben Prozent im Oktober wieder etwas risikofreudiger und trennten sich von US-Bonds. Die Rendite der zehnjährigen Staatspapiere stieg im Gegenzug um mehr als fünf Basispunkte auf 0,8303 Prozent. Die Verzinsung der dreißigjährigen Anleihen zog um sechseinhalb Basispunkte auf 1,609 Prozent an.

Die Furcht vor einem erneuten Nachfrage-Rückgang drückte den Preis für ein Fass (159 Liter) der Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee dagegen 2,9 Prozent ins Minus auf 39,73 Dollar. „Die grassierende Coronavirus-Pandemie wird den Konsum sicher beeinträchtigen“, sagte Jeffrey Halley vom Brokerhaus Oanda. Gleichzeitig gebe es keine Anzeichen, dass die Opec+ hierauf mit einer verschärften Förderbremse reagieren werde.

Anleger setzen auf Cannabis-Firmen

Die Hoffnung auf einen Sieg Bidens beflügelte erneut Aktien von Cannabis-Firmen. So stiegen Sundial um 65 Prozent, Aurora Cannabis gewannen 75 Prozent. Anleger rechnen damit, dass die Legalisierung unter einer Biden-Regierung vorangetrieben wird.

Ein überraschender Gewinn im Sommerquartal trieb den Aktienkurs der US-Hotelkette Marriott um 2,7 Prozent an. Das Unternehmen profitierte zuletzt von Kostensenkungen und wieder anziehenden Buchungen in Nordamerika und China.

Ein Quartalsumsatz unter Markterwartungen brockte Electronic Arts den größten Kursrutsch seit dem Börsen-Crash vom März ein. Die Aktien des Anbieters von Videospiele-Serien wie „Sims“ oder „Fifa“ fielen um mehr als sieben Prozent. Die Erlöse lagen deutlich unter den Erwartungen von Analysten.

Blick auf die Einzelwerte

Anders als zuletzt gehören Technologie-Aktien am Freitag zu den Verlierern an den US-Börsen: Apple und Amazon gaben zum Börsenauftakt mehr als 1,5 Prozent nach. Dabei spielten aber auch Gewinnmitnahmen nach den kräftigen Kursgewinnen der vergangenen Tage eine Rolle.

Electronic Arts: Ein Quartalsumsatz unter Markterwartungen brockte Electronic Arts den größten Kursrutsch seit dem Börsen-Crash vom März ein. Die Aktien des Anbieters von Videospiele-Serien wie „Sims“ oder „Fifa“ fielen zunächst um mehr als sieben Prozent. Die Erlöse lagen deutlich unter den Erwartungen von Analysten.

Walt Disney: Die auf unbestimmte Zeit verschobene Premiere des Films „Tod auf dem Nil“ setzt Walt Disney zu. Die Aktien des Unterhaltungskonzerns fallen zwischenzeitlich um rund 1,3 Prozent. Ursprünglich sollte die Adaption des Agatha Christie-Klassikers mit Gal Gadot und Kenneth Branagh in den Hauptrollen am 18. Dezember in die Kinos kommen.

Peloton: Lieferengpässe bei den in der Coronakrise besonders gefragten Fitnessgeräten lasten auf den Aktien von Peloton. Die Papiere gewinnen zum Börsenauftakt dennoch knapp 3 Prozent. Das Unternehmen gehört zu den Profiteuren der Coronakrise, weil sich viele Menschen wegen der geschlossenen Fitnessstudios eines der Peloton-Geräte ins Haus stellten und über Internetverbindungen mit anderen zusammen Sport machten. Seit Jahresauftakt hat sich der Aktienkurs vervierfacht.

GoPro: Ein überraschend hoher Quartalsgewinn beschert dem Anbieter von Action-Kameras einen der größten Kursgewinne der Firmengeschichte. Die Aktien steigen zwischenzeitlich um mehr als 20 Prozent auf ein Drei-Jahres-Hoch von 7,98 Dollar. Der Überschuss beläuft sich den Angaben zufolge auf 0,20 Dollar, gut drei Mal so viel wie von Analysten erwartet.

T-Mobile US: Die US-Tochter des Bonner Telekom-Konzerns (Deutsche Telekom) trotzt nach der Übernahme des kleineren Rivalen Sprint weiter der Coronakrise. Nach dem dritten Quartal hob T-Mobile-US-Chef Mike Sievert die Ziele für den operativen Gewinn und den Kundenzuwachs an. Die Aktien von T-Mobile-US stiegen zunächst um 5,7 Prozent.

Marriott: Die weltgrößte Hotelkette hat sich dank Kostensenkungen und wieder anziehender Buchungen in den USA und China im dritten Quartal in den schwarzen Zahlen halten können. Während der internationale Reiseverkehr wegen der Pandemie weiterhin stark eingeschränkt sei, hätten Reisen innerhalb eines Landes deutlich zugelegt und zu einer Erholung der Belegungsraten in den Hotels geführt, teilte Marriott mit. Die Papiere des Unternehmens legten zeitweise 2,4 Prozent zu.

Hershey: Der US-Schokoladenhersteller hat auch dank eines starken Halloween-Geschäfts und dem gestiegenen Interesse am heimischen Backen während des Lockdowns im dritten Quartal zugelegt und beim Gewinn die Markt-Erwartungen übertroffen. Die Aktien legten im Handelsverlauf 2,69 Prozent zu.

Coty: Der Kosmetikkonzern der deutschen Milliardärsfamilie Reimann kommt mit den wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise besser zurecht. Coty konnte im Quartal den Umsatz-Rückgang deutlich bremsen – die Erlöse fielen um 13 Prozent auf rund 1,7 Milliarden Dollar - und den Ertrag steigern. Damit übertraf der Konzern die Erwartungen des Marktes. Vor allem im Online-Geschäft konnte Coty zulegen. Die Aktien legten zweitweise 14,5 Prozent zu.

Cannabis-Aktien: Die Hoffnung auf einen US-Wahlsieg von Joe Biden beflügelt die Aktien von Cannabis-Unternehmen erneut. Die Papiere von Firmen wie Tilray, Cronos und Canopy Growth legen an der Wall Street zwischen sechs und elf Prozent zu. Sundial steigen um 31 Prozent, Aurora Cannabis gewinnen 41 Prozent. Anleger rechnen damit, dass die Legalisierung unter einer Biden-Regierung vorangetrieben wird.