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Spannungen zwischen USA und China belasten US-Börsen – Dow Jones schließt kaum verändert

Der Dow Jones bewegt sich zum Wochenende kaum von der Stelle. Das von China geplante Sicherheitsgesetz in Hongkong könnte das Verhältnis zu den USA zusätzlich belasten.

Die Furcht vor einem Wiederaufflammen des Handelsstreits zwischen den USA und China hat die Wall Street am Freitag belastet. Erst zum Handelsschluss wagten sich Investoren zumindest etwas aus der Deckung.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte kam dennoch kaum vom Fleck und beendete den Handel wenig verändert bei 24.465 Punkten. Der breiter gefasste S & P 500 schloss 0,2 Prozent höher mit 2955 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq legte 0,4 Prozent zu auf 9324 Punkte.

Auf die Stimmung schlug das von China geplante Sicherheitsgesetz in Hongkong, das das Verhältnis mit den USA zusätzlich belaste könnte. Börsianer fürchten eine erneute Eskalation mit gegenseitigen Strafzöllen und weiteren Sanktionen.

Mit dem Sicherheitsgesetzt würde die Volksrepublik das Parlament des autonom verwalteten Hongkongs umgehen. Das Gesetz würde sich gegen Aktivitäten richten, die als subversiv und terroristisch empfunden werden oder auf eine Unabhängigkeit der früheren britischen Kronkolonie abzielen könnten.

US-Präsident Donald Trump kritisierte die Entscheidung scharf und kündigte eine „sehr starke“ Reaktion auf alle Schritte an, die zu einer stärkeren Kontrolle der chinesischen Regierung über die ehemalige britische Kronkolonie führen.

Bereits am Donnerstag hatte Trump China wiederholt im Umgang mit der Coronakrise eine Verschleierungstaktik vorgeworfen und von einer „massiven Desinformationskampagne“ Pekings gesprochen, die darauf abziele, seine Chancen auf eine Wiederwahl schmälern.

Die Börsen seien anfällig für Rückschläge, sagte Stratege Andrea Cicione vom Analysehaus TS Lombard. "Nach dem Schock des Covid-19-Lockdowns müssen wir eine Rezession mit hoher Arbeitslosigkeit, niedrigen Investitionen und geringer Nachfrage durchmachen, und das ist nicht das, was derzeit eingepreist ist."

Anleger wagten auch angesichts des bevorstehenden langen Wochenendes nicht viel. Am Montag bleiben die US-Börsen wegen eines Feiertages geschlossen. Auch in Europa nahmen Anleger am Ende einer starken Börsenwoche Gewinne mit. Der Dax ging marginal höher bei 11.073 Punkten aus dem Handel.

Einzelwerte im Fokus

Aktienanleger warfen unter anderem Hewlett Packard (HPE) nach enttäuschenden Zahlen aus den Depots. Die Aktien des Informationstechnik-Konzerns fielen um etwa elf Prozent.

HPE fuhr im abgelaufenen Quartal größere Umsatz- und Ergebnisrückgänge ein als erwartet. Die Firma will die Kosten bis 2022 um mindestens eine Milliarde Dollar senken und die Basis-Bezüge des Top-Managements kappen, um die Folgen der Virus-Krise abzufedern.

Papiere von Foot Locker verloren mehr als acht Prozent. Der Schuhhandelskonzern vergraulte Anleger mit einem Umsatzschwund von 43 Prozent und einer Dividendenaussetzung. Auch der Verlust fiel deutlich höher aus als erwartet, nachdem die Geschäfte wegen der Pandemie geschlossen bleiben mussten.

Die hohe Nachfrage nach Cloud-Software trieb hingegen Splunk um fast 13 Prozent nach oben. Der Software-Hersteller profitiert davon, dass mehr Menschen von Zuhause arbeiten.

Dem chinesischen Online-Händler Alibaba hatte die Corona-Pandemie im letzten Geschäftsquartal die Geschäfte verhagelt. Die in New York notierten Anteilscheine verloren fast sechs Prozent.

Die Aktien des Herstellers von Landwirtschafts- und Baumaschinen Deere & Co büßten anfängliche Gewinne ein und schlossen 1,5 Prozent tiefer. Der Traktoren-Produzent hielt sich mitten in der Coronakrise bislang besser als befürchtet. Das war zunächst gut angekommen, weil gerade das abgelaufene Geschäftsquartal üblicherweise wichtig ist, da Landwirte vor und zu Beginn der Saatsaison oftmals Geld in Ausrüstung stecken. Allerdings warnte das Unternehmen angesichts der Pandemie vor künftig fallenden Erlösen.

Der Euro litt unter einer allgemeinen Dollar-Stärke und notierte zuletzt bei 1,0902 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs auf 1,0904 (Donnerstag 1,1000) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,9171 (0,9091) Euro. Angesichts der neuen Spannungen zwischen den USA und China legten zehnjährige US-Staatsanleihen um 4/32 Punkte auf 99 21/32 Punkte zu und rentierten mit 0,659 Prozent.