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Dortmund im Haaland-Fieber – Auftrieb für die BVB-Aktie?

Ralf Anders, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 4 Min.
BVB Borussia Dortmund Logo
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Seit dem Einsetzen der Coronakrise gibt es die Aktie von Borussia Dortmund (WKN: 549309) wieder so billig wie 2016. Das riecht mittlerweile nach einer Einstiegschance. Lies hier, was jetzt für ein Investment in die BVB-Aktie spricht und was dagegen.

BVB-Faktor Nr. 1: Erling Haaland

Im Revierderby hat Haaland erneut zweimal zugeschlagen, einschließlich eines spektakulären Seitfallziehers. Haaland schießt Tore mit einer Frequenz wie Lewandowski, aber nicht mit dessen betont kühler Effizienz, sondern mit einer Leidenschaft, die mich an Klinsmanns beste Zeiten erinnern. Die internationalen Medien überschlagen sich mit Superlativen über den 20-Jährigen. Lediglich der nicht weniger bombastische Mbappé scheint ihm auf dem Weg zur Nummer 1 des globalen Fußballs noch Konkurrenz zu machen.

Für solche Spieler zahlen die europäischen Top-Clubs Fantasie-Summen. Transfermarkt nennt die folgenden Spitzenreiter:

  1. Neymar 222 Mio. Euro (2017)

  2. Mbappé 145 Mio. Euro (2018)

  3. Coutinho 145 Mio. Euro (2017)

Chelsea hat Leverkusen im letzten Jahr 80 Mio. Euro für Kai Havertz überwiesen. Haaland könnte folglich gut und gerne eine dreistellige Millionensumme einbringen. Transfermarkt schätzt 110 Mio. Euro. Und selbst wenn eine Ausstiegsklausel greifen sollte, wäre immer noch ein hoher zweistelliger Millionenbetrag drin.

Alternativ bleibt er noch einige Jahre bei Dortmund und hilft dem Verein, begeisterte Fans an sich zu binden und Trophäen zu sammeln. Das wäre genauso viel wert.

BVB-Faktor Nr. 2: Der (wechselhafte) sportliche Erfolg

Schaut man allerdings auf die Bundesliga-Tabelle, dann sieht man, dass ein Haaland nicht genügt, um sich oben festzusetzen, obwohl er mit Jaden Sancho einen Nebenmann hat, dem ebenfalls absolute Weltklasse nachgesagt wird. Nominell wesentlich schwächer besetzte Clubs wie Frankfurt und Wolfsburg haben mehr zu feiern.

Offenbar gelingt es den Trainern des BVB bisher nicht, das Potenzial der Spieler konstant abzurufen. Trotz des starken Siegs gegen Schalke bleiben 6 Punkte Abstand zu den Champions-League-Plätzen. Dass einer der größten Stars des europäischen Fußballs bei der sechstbesten Bundesliga-Mannschaft spielt, passt nicht.

Sollte die Hoffnung auf die Champions League schwinden, dann wird die Aktie im Keller verbleiben, Haaland hin oder her. In zwölf Spieltagen 6 Punkte aufzuholen ist möglich, aber da müsste jetzt ein Lauf her. Jedenfalls glaube ich nicht, dass der BVB sich über einen Champions-League-Triumph den Startplatz sichern kann. An überragenden Teams wie Bayern, PSG und Manchester City kommen die Dortmunder wahrscheinlich nicht vorbei.

BVB-Faktor Nr. 3: COVID-19

Während der gemischte sportliche Erfolg hausgemacht ist, kann der Verein nichts für die Umstände. COVID-19 hat uns auch ein Jahr später noch im Griff und die Stadien bleiben leer. Das verursacht Einnahmenausfälle auf allen Ebenen. Die Kostenbasis hingegen konnte trotz geringfügiger Gehaltsverzichte des Personals nicht in gleichem Maße gesenkt werden. Entsprechend schreibt das Unternehmen hohe Millionenverluste, die auf der BVB-Aktie lasten.

Bis zur Sommerpause wird sich wohl nicht viel an der schwierigen Situation ändern und ob in der folgenden Saison wieder Normalität herrschen wird, steht in den Sternen. Soweit große sportliche Erfolge ausbleiben und außergewöhnliche Transfergewinne es nicht herausreißen, könnte das Eigenkapital in Richtung 200 Mio. Euro abschmelzen.

So günstig ist der Aktienkurs der BVB-Aktie wirklich

Dem gegenüber steht eine Marktkapitalisierung von fast einer halben Milliarde Euro (19.02.). Das ist noch im Rahmen, aber wirklich billig wäre es nur, wenn der Club zuverlässig Gewinne schreiben würde. Oder wenn man stille Reserven annimmt. Schließlich schätzt Transfermarkt den Wert der elf Topspieler auf über 400 Mio. Euro. Sollen diese Werte realisiert werden, dann darf nicht die Coronakrise samt Nachbeben das Geschäft über den Sommer hinaus beeinträchtigen.

Davon abgesehen muss ein Champions-League-Platz her, damit zukünftig wieder Gewinne im Bereich von 20 bis 30 Millionen Euro pro Jahr drin sind. Da die Millionen aus Sponsoring und TV-Vermarktung fast unvermindert weiterfließen, Haaland ein großartiger Werttreiber ist und die Pandemie sich im besten Fall verflüchtigt, ist ein positives Szenario auf jeden Fall denkbar.

Doch selbst dann sehe ich eine faire Bewertung der BVB-Aktie bei maximal 750 Mio. Euro (25-mal 30 Mio. Euro). Das wären zwar 50 % Aufwärtspotenzial, aber die Risiken sollte man nicht ausblenden. Auch das Abwärtspotenzial beträgt aus meiner Sicht 50 %, wenn der BVB in der Bundesliga auf der Stelle tritt, aus den Pokalwettbewerben fliegt und COVID-19 länger Ärger macht, als wir es uns wünschen.

Aus den kurzfristigen Rückschlägen könnten dann auch langfristige Schäden werden. Denn ohne Stadion-Atmosphäre erodiert die Fan-Basis. Die nachrückende Generation könnte sich beschleunigt vom Fußball abwenden und stattdessen dauerhaft bei den immer attraktiveren E-Sports-Angeboten Zuflucht finden.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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