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Doppel-Vorstand Doll muss wohl gehen

Die Führungskrise bei der Deutschen Bahn eskaliert: Der Vorstand für Finanzen sowie Güterverkehr und Logistik Alexander Doll steht offenbar vor dem Rausschmiss. Das verlautete aus Aufsichtsratskreisen.

Alexander Doll Foto: Pablo Castagnola/DB AG/dpa Foto: dpa

Es ist fast genau zwei Jahre her: Am 10. November 2017 wurde der frühere Banker Alexander Doll in den Vorstand der Deutschen Bahn berufen. Wenn die Signale aus dem Aufsichtsrat des Staatskonzerns nicht täuschen, dürfte das Kontrollgremium den früheren Banker in seiner Sitzung am Donnerstag von seiner Aufgabe entbinden. Offenbar hat Doll, der mit großen Erwartungen von Frankfurt nach Berlin gewechselt war, nicht nur das Vertrauen der Spitze des Aufsichtsrats verloren, sondern auch Kredit bei seinen Vorstandskollegen und in der Politik verspielt. Seine Kritiker bemängeln unter anderem, der 49-Jährige habe den geplanten Verkauf der Bahn-Tochter Arriva schlecht gemanagt.

Doll war zunächst nur Vorstand für Güterverkehr und Logistik, seit Anfang des Jahres übte er zusätzlich auch die Funktion des Finanzvorstands aus, die zuvor Bahn-Chef Richard Lutz innehatte. Der Güterverkehr des Konzerns erlebt erneut ein Krisenjahr. Allerdings war der Bereich bereits vor Dolls Amtsantritt in großen Schwierigkeiten.

Dass es zu Umbauten im Konzernvorstand kommen würde, deutete sich bereits in den vergangenen Tagen an. Sowohl im Konzern als auch im Aufsichtsrat herrschte große Unruhe. Zwar ist die Deutsche Bahn die große Hoffnung der deutschen Klimapolitik und erhält in den nächsten Jahren so viele Milliarden wie nie. Doch das Vertrauen, dass das aktuelle Management die dafür notwendige Trendwende schafft, ist bei vielen Beteiligten nur überschaubar ausgeprägt. Insider hielten es zuletzt nicht einmal mehr für ausgeschlossen, dass Bahnchef Lutz selbst vor dem Rauswurf steht. Davon war am Donnerstagmorgen allerdings keine Rede mehr.

Zwischenzeitlich hieß es, neben Doll stehe auch Fernverkehrsvorstand Berthold Huber vor dem Rauswurf. Kurz vor der Aufsichtsratssitzung gingen Beobachter jedoch davon aus, dass Huber, der wegen der nach wie vor unbefriedigenden Pünktlichkeit des Fernverkehrs in der Kritik steht, offenbar noch einmal mit einem blauen Auge davonkomme.

Es wird allgemein damit gerechnet, dass der Aufsichtsrat die bisherige Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe BVG Sigrid Nikutta als neue Chefin für Güterverkehr und Logistik bestellt. Ein neuer Finanzvorstand müsste dann noch gefunden werden. Aber wirklich ausschließen, dass auch weitere Vorstände die Deutsche Bahn verlassen müssen, will in diesen Tagen niemand.