Deutsche Märkte geschlossen

Donald Trump hat einen neuen Lieblings-Sender

Johannes Giesler
·Freier Autor
·Lesedauer: 4 Min.

Der amtierende US-Präsident Donald Trump hat sich offenbar mit seinem ehemaligen Lieblings-Sender Fox News überworfen. Den Platz hat schnell ein anderer Sender eingenommen.

Donald Trump. (Bild: Alex Wong/Getty Images)
Donald Trump. (Bild: Alex Wong/Getty Images)

Es kriselt zwischen Donald Trump und seinem früheren Lieblings-Sender Fox News. Am Morgen der US-Präsidentschaftswahl – Trump war live im Frühstücksfernsehen des Senders zugeschaltet – zeigte sich das besonders in einer Aussage: Trump war sichtlich verärgert, weil in der Sendung eine Rede Barack Obamas zitiert worden war, die Trumps Umgang mit der Coronavirus-Pandemie kritisierte. Deshalb sagte Trump zu den drei Moderator*innen: „Jemand hat mich gefragt, was der größte Unterschied zwischen dieser und der Wahl vor vier Jahren ist. Ich habe geantwortet: Fox.“

Das bekräftigte der noch bis Januar amtierende Präsident am Donnerstag auf Twitter und behauptete zudem, einmal mehr unbelegt, dass die Quoten des Senders „total kollabiert“ seien. Davon ist bislang nichts zu spüren: Auch am Wahltag war Fox News der meistgesehene Nachrichtensender in den USA. Dabei überraschte er jedoch mit weitestgehend objektiver Berichterstattung. Dazu schrieb kürzlich die Süddeutsche Zeitung: „Trumps Lieblingssender macht plötzlich Journalismus“.

Von Fox News enttäuscht, empfiehlt Donald Trump deshalb seit einiger Zeit einen anderen Sender: Newsmax. Im Juli twitterte er etwa, dass sich Fox News auf CNN-Niveau begebe, seine Fans sollten stattdessen Newsmax einschalten: „viel besser“.

Reichweite, Reichweite, Reichweite

Was aber hat es mit dem bislang weitgehend unbekannten Sender auf sich? Dazu hat Mashable eine Analyse verfasst, die tief blicken lässt: Demnach wurde Newsmax im Jahr 1998 gegründet, hat aber erst 2014 einen Kabelkanal erhalten und bis vor kurzem unbemerkt in der Sparte gesendet. In den vergangenen Wochen vor der US-Präsidentschaftswahl aber hat der ultrakonservative Sender immens an Popularität zugelegt. Während Fox News kaum auf Trumps Lüge zu angeblichem Wahlbetrug aufgesprungen ist, hat Newsmax die Botschaft bereitwillig verbreitet.

Lesen Sie auch: Kommentar: Biden hat Trump besiegt - doch der Schaden ist bereits angerichtet

Und damit ist Newsmax, das sein Angebot auf einer digitalen Nachrichtenseite, in sozialen Medien und via Kabel anbietet, überaus erfolgreich: Auf Instagram kamen drei der erfolgreichsten zehn politischen Posts der vergangenen Tage von Newsmax. Der Facebook-Auftritt des Senders hatte am Donnerstag die drittmeisten Interaktionen aller politischen Seiten – nach den Seiten von Donald Trump und Fox News. Die sendereigene App gehörte vergangene Woche zu den Top-5-Downloads im App-Store. Der Sender erreicht mittlerweile abends im Fernsehen bis zu 800.000 Menschen – im Sommer schalteten zur gleichen Zeit gerade Mal 25.000 Menschen ein.

Die Inhalte können dabei laut Mashable wie folgt zusammengefasst werden: Sie stellen immer wieder die Legitimität der Präsidentschafts-Wahl in Frage, spielen damit auf angeblichen Wahlbetrug von Seiten der Demokraten an, kritisieren sogenannte „Mainstream-Medien“ und wiederholen unkritisch Aussagen Donald Trumps. Damit zeigt sich eine alles andere als unabhängige Berichterstattung. Dabei lautet das Motto des Sendes: „unabhängig und amerikanisch“.

Erfolg nur von kurzer Dauer?

Der Stratege hinter dem Sender ist Gründer Christopher Ruddy. Er ist Republikaner durch und durch und war bereits Mitglied einflussreicher republikanischer Think Tanks. Dadurch kommt Newsmax immer wieder an Interviews mit hochkarätigen politischen Figuren der Partei. Angeblich soll Ruddy sogar mit Trump selbst befreundet sein.

Der Sender ist außerdem zu einem Auffangbecken für anderweitig gescheiterte konservative Personen geworden: So bekommen dort beispielsweise der ehemalige Fox News-Moderator Bill O’Reilly, gegen den zahlreiche Vorwürfe wegen sexueller Belästigung bekannt geworden sind, und der frühere Pressesprecher Sean Spicer, der in seiner Funktion regelmäßig die Presse angelogen hat, Sendezeit.

Lesen Sie auch: Erste wichtige Personalie im Weißen Haus

Trotz aller Reichweiten-Zugewinne, die der Sender derzeit feiert, sagt aber Jared Holt im Gespräch mit Mashable nur einen kurzen Erfolg für Newsmax vorher. Holt forscht am „Digital Forensic Research Lab“ zu Extremismus und Desinformation und vermutet, dass, sobald Joe Biden Präsident werde, Fox News wieder in seine alte Rolle schlüpfen und – wie gehabt – die Demokratische Partei kritisieren werde. Damit verschwinde dann auch wieder das Alleinstellungsmerkmal von Newsmax.

Im Video: Biden unbeeindruckt von Trumps Klammern an der Macht