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Donald Trump soll fast keine Steuern gezahlt haben

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Laut einem Bericht der „New York Times“ soll der US-Präsident 2016 nur 750 Dollar Steuern gezahlt haben. Trump bezeichnet den Bericht als „Fake News“.

Gut einen Monat vor der US-Präsidentenwahl lenkt ein explosiver Bericht der „New York Times“ die Aufmerksamkeit auf die Finanzen des Amtsinhabers Donald Trump. Demnach soll der US-Präsident in den Jahren 2016 und 2017 jeweils nur 750 Dollar Einkommenssteuer auf Bundesebene bezahlt haben, wie die Zeitung am Sonntag berichtete.

Trump bezeichnete den Bericht als „totale Fake News“. Er werde seine Steuererklärungen veröffentlichen, wenn die seit Jahren laufende Buchprüfung der Steuerbehörde IRS abgeschlossen sei. „Die IRS behandelt mich nicht gut. Sie behandeln mich sehr schlecht“, sagte der US-Präsident.

Die „New York Times“ bekam nach eigenen Angaben Zugang zu Trumps Steuerunterlagen über einen Zeitraum von 18 Jahren. Daraus gehe unter anderem hervor, dass er in elf der 18 Jahre angesichts hoher gemeldeter Verluste gar keine Einkommenssteuern bezahlt habe. Nicht enthalten sind seine persönlichen Steuererklärungen aus den Jahren 2018 und 2019.

Trump sagte: „Ich habe eine Menge bezahlt, ich habe auch eine Menge an Steuern an den Bundesstaat bezahlt, der Bundesstaat New York verlangt viel.“

Trumps Steuerunterlagen sind seit Jahren begehrt, in der Politik genauso wie bei diversen Staatsanwälten. Trump ist der erste Präsident seit Ronald Reagan, der sich weigerte, seine Steuererklärungen zu veröffentlichen. Demokraten im Repräsentantenhaus versuchen seit Jahren an die Dokumente zu kommen, auch von der Deutschen Bank, die seit rund 20 Jahren die Hausbank von Trump, dessen Familie und der Trump Organization ist.

Immer wieder hohe Verluste

Die Auswertung der Zeitung zeigt ein Bild von Donald Trump, das er gern von der Öffentlichkeit fern gehalten hätte. Der Präsident hat sich über die Jahre ein Image als erfolgreicher Geschäftsmann und Immobilien-Mogul aufgebaut, womit er auch bei seinen Wählern punktet.

Gegenüber der Steuerbehörde IRS dagegen gebe er sich als Unternehmer, der chronische Verluste schreibt und diese systematisch dazu nutzt, um möglichst wenig oder keine Steuern zu bezahlen. Allein bei seinen Golfanlagen soll Trump seit 2000 Verluste in Höhe von 316 Millionen Dollar geltend gemacht haben.

Die Dokumente liefern auch neue Belege für die vielen Interessenskonflikte zwischen seinem Amt als Präsident und den unternehmerischen Aktivitäten der Trump Organization, von der er sich kaum distanziert hat.

Allerdings bleiben viele Fragen offen. So wird in den Unterlagen für die IRS keine Angabe zu Trumps Vermögen gemacht, ein Thema, das bereits seit Jahren kontrovers diskutiert wird. Auch gehen die Unterlagen zwar auf die Höhe von Trumps Schulden ein, zeigen jedoch nicht, von wem er sich das Geld geliehen hat.

Wenn es um Trumps Verflechtungen mit Russland geht, würden die Unterlagen keine neuen Erkenntnisse hervorbringen, heißt es in dem Bericht.

Trump hatte schon im Präsidentschaftswahlkampf 2016 seine Steuererklärung nicht veröffentlicht, unter anderem unter Verweis auf die IRS-Buchprüfung. „Es wird alles veröffentlicht werden, es wird alles herauskommen, aber nach der Prüfung.“

Dabei geht es laut „New York Times“ um eine Steuerrückzahlung von 72,9 Millionen Dollar, die Trump nach hohen Verlusten erhalten habe. Falls er das Geld doch wieder zurückzahlen müsste, inklusive Zinsen und möglicherweise auch zuzüglich Strafzahlungen, würde sich die Summe auf über 100 Millionen Dollar belaufen.

Trump stehen finanziell schwierige Zeiten bevor

Wie kein anderer Präsident zuvor hat Trump politische und geschäftliche Interessen vermischt. Seinen Mar-a-Lago-Golfclub in Florida hat er zum „Winter White House“ erklärt, und hält dort regelmäßig offizielle Veranstaltungen ab. Das habe dem Club eine Reihe neuer Mitglieder beschert, die seit 2015 pro Jahr zusätzliche fünf Millionen Dollar an Mitgliedsgebühren zahlen.

Das Trump Hotel in Washington, ein Steinwurf vom Weißen Haus entfernt, wird von einer Vielzahl an Lobbyisten besucht, die bei der Regierung punkten wollen. Das Doral Golf Ressort in Miami wurde laut „New York Times” auch von der Bank of America und der Chamber of Commerce für Veranstaltungen gebucht.

Doch die Coronakrise und die Shutdowns haben auch bei Trumps Unternehmen zu hohen finanziellen Ausfällen geführt. Auch bei der Deutschen Bank hat sich Trumps Sohn Eric, der die Geschäfte des Familienunternehmens führt, über Aufschiebungen von Kreditzahlungen erkundigt, sich dann jedoch dagegen entschieden, wie es im Sommer in Finanzkreisen hieß.

Präsident Trump garantiert zudem persönlich Kredite in Höhe von 421 Millionen Dollar, wie aus den Steuerunterlagen hervorgeht, die in den kommenden vier Jahren fällig werden – ein Teil davon bei der Deutschen Bank. Sollte er wiedergewählt werden, könnten seine Geldgeber in die unangenehme Lage kommen, Forderungen von einem amtierenden Präsidenten geltend machen zu müssen.

Der Präsident wehrt sich aktuell auch vor einem Gericht in New York gegen einen Versuch von Staatsanwälten aus Manhattan Zugang zu seinen Steuerunterlagen zu bekommen. Juristische Versuche von Ausschüssen aus dem Repräsentantenhaus und dem New Yorker Staatsanwalt Cyrus Vance, an wichtige Finanzdokumente zu kommen, mussten vom Obersten Gerichtshof entschieden werden. Der Supreme Court gab Trump im Sommer in einigen Teilen Recht und verwies weitere Entscheidungen an andere Gerichte.

Der Bericht über Trumps Steuern kommt zu einer kritischen Zeit: Am Dienstag findet die erste Debatte zwischen dem Republikaner Trump und seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden statt, am 3. November ist die Präsidentschaftswahl.

Mit Agenturmaterial