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Dividendenaktie Royal Dutch Shell: Volle Öllager, weniger Nachfrage – kann die Situation noch schlimmer werden?

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
Pferdekopfpumpe bei Sonnenuntergang

Auch in dieser Woche zeichnet sich im Ölmarkt kaum Besserung ab. Das Barrel Brent kämpft noch immer mit der Marke von 20 US-Dollar, WTI präsentiert sich noch immer volatil. Für Ölkonzerne und Dividendenperlen wie Royal Dutch Shell (WKN: A0ER6S) zumindest kurzfristig ein schwieriges Marktumfeld.

Einkommensinvestoren und Akteure im Ölmarkt werden sich entsprechend fragen, ob die derzeitige Situation überhaupt noch schlimmer werden kann. Oder ob wir in diesen Tagen das Tal der Tränen durchschreiten.

Eine interessante Fragestellung, der wir im Folgenden etwas näher auf den Grund gehen wollen. Wobei es ein interessanter Ansatz ist, was „schlimmer“ im Kontext der letzten Volatilität und Preisniveaus eigentlich heißt.

Schlimmer geht immer?

Wir können uns darüber streiten, was „schlimmer“ nun bedeutet: Ob es weitere Volatilität bei den Ölpreisen ist. Ein möglicher WTI-Preis von kurzfristig minus 50 US-Dollar. Oder auch das Barrel Brent, das womöglich weiter an die Marke von 0 US-Dollar heranrutscht. Beziehungsweise ebenfalls negative Preise vorweist. All das können natürlich Ausprägungen des Wortes „schlimmer“ sein. Wobei über alldem die Frage schwebt, ob das die Situation wirklich noch verschlimmern würde.

In meinen Augen wäre ein Anzeichen von „schlimmer“ jedoch nicht vom Kurs abhängig, der bloß ein Anzeiger für den Ölmarkt ist, sondern fundamentaler Natur. Und auch hier existieren einige Dinge, die man beachten sollte.

Die Öllager laufen weiterhin voll und selbst die mobilen Lager auf Schiffen werden knapp. Die Preise für solche Leistungen steigen rasant und niemand möchte derzeit und kurzfristig das schwarze Gold haben. Wobei das, wie gesagt, die aktuelle Ausgangslage ist.

„Schlimmer“ wäre daher für mich derart definiert, dass die aktuelle Situation im Ölmarkt mittelfristig sogar über Monate oder Quartale anhält. Sprich: Die Lager blieben voll, es wird mobil gelagert und weder OPEC noch andere Akteure können auch aufgrund der Coronazeit an der Lage etwas verändern.

Das würde weiterhin zu einem Marktumfeld führen, in dem Ölkonzerne kaum bis keine Gewinne einfahren. Und entsprechend weitere Maßnahmen ergreifen müssten. Dividendenkürzungen wären mittelfristig nicht ausgeschlossen. „Schlimmer“ könnte es daher noch immer geben.

Bloß eine Seite der Medaille

Allerdings ist ein solches Szenario bloß eine Seite, die es zu berücksichtigen gilt. Eine andere ist, sich auf mögliche Verbesserungen im Ölmarkt zu fokussieren. Auch wenn das in Anbetracht hoher Lagerstände und einer noch immer niedrigen Nachfrage schwierig ist. Jedoch ist es gerade diese Ausgangslage, die mittelfristig Besserung versprechen könnte.

Die USA haben beispielsweise bereits erklärt, die eigenen Lagerbestände ausdehnen zu wollen. China fährt die Wirtschaft allmählich wieder hoch und dürfte die Nachfrage bereits steigern. Sobald weitere Staaten in der Coronazeit zurück zur Normalität finden, wird es auch hier wieder einen größeren Bedarf an Öl geben. Das könnte das Nachfrageproblem etwas kompensieren.

Gleichzeitig wächst mit jedem Tag der Druck auf viele Ölförderer und vor allem auf die Schieferölindustrie. Insolvenzen scheinen möglich, die ebenfalls die Angebotsseite reduzieren. Zudem könnte die OPEC weitere Maßnahmen treffen. Vielleicht auch, um die eigene Handlungsfähigkeit im Ölmarkt zu demonstrieren.

Wie gesagt: Auch auf der Seite der potenziellen Verbesserungen existieren gewisse Dinge, die eintreten können, um den Markt wieder vermehrt ins Gleichgewicht zu bringen. Sich bloß auf das Negative zu fokussieren führt daher zu einer beschränkten Sicht auf Chancen und Risiken im Ölmarkt.

Die Wahrheit wird vermutlich dazwischen liegen

Im Endeffekt werden die Wahrheit und der weitere Verlauf im Ölmarkt vermutlich zwischen diesen beiden Wegen liegen. Fest steht jedenfalls: Zumindest kurzfristig dürfte die Lage bei den Ölnotierungen angespannt und von Volatilität geprägt bleiben. Die Lager sind voll, daran wird sich so schnell wenig ändern.

Über kurz oder lang könnte es jedoch auch wieder stützende Maßnahmen und Schritte geben, die zu mehr Ausgleich führen. Die Kernfrage ist allerdings: Greifen diese Maßnahmen, noch bevor Ölkonzerne wie Royal Dutch Shell an die Substanz und ihre Dividenden gehen müssen?

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Vincent besitzt Aktien von Royal Dutch Shell. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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