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Direktbank ING mit Gewinneinbruch im Corona-Jahr

·Lesedauer: 2 Min.

FRANKFURT (dpa-AFX) - Nach sieben Rekordjahren in Folge hat die deutsche Direktbank ING 2020 einen Gewinnrückgang hinnehmen müssen. Sowohl das Vorsteuerergebnis als auch der Überschuss brachen im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Viertel (23 Prozent) ein, wie die Tochtergesellschaft der niederländischen Großbank ING <NL0011821202> am Freitag in Frankfurt mitteilte. Hauptgrund: Die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle schnellte deutlich auf 264 Millionen Euro nach oben - maßgeblich wegen der Rolle der Direktbank als Kreditgeber für die nach einem Bilanzskandal inzwischen aus dem Dax <DE0008469008> geflogene Wirecard <DE0007472060>.

Der Vorsteuergewinn sank auf 1,042 Milliarden Euro, der Überschuss verringerte sich auf 692 Millionen Euro. "Wir haben in einem bewegten Geschäftsjahr ein sehr ordentliches Ergebnis erzielt und gezeigt, dass unser Geschäftsmodell wetterfest und für eine digitale Zukunft sehr gut geeignet ist", bilanzierte der Vorstandsvorsitzende der ING Deutschland, Nick Jue.

Mit Kontogebühren und Strafzinsen für hohe Summen auf neuen Tagesgeldkonten hat die Direktbank mittlerweile auf das Zinstief reagiert. Dafür nimmt das in Deutschland und Österreich aktive Institut ein langsameres Wachstum bei den Kundenzahlen in Kauf. Die Zahl der Privatkunden blieb mit 9,53 Millionen Ende 2020 fast unverändert. Die ursprünglich für 2019 angepeilte Zielmarke von zehn Millionen Kunden hatte Jue bereits im Sommer erneut aufgeschoben.

Jahrelang lockte die Direktbank unter dem Namen ING-Diba Kunden mit relativ hohen Zinsen. Doch Einlagen kosten im aktuellen Zinstief Geld. Darum bemüht sich das Institut, das seit November 2018 nur noch unter dem Namen des niederländischen Mutterkonzerns ING auftritt, um mehr Hausbankkunden. Heißt: Idealerweise parken Kunden nicht nur Geld, sondern sorgen über Baufinanzierung, Verbraucherkredite oder Wertpapiersparen für Erträge. Für 2,15 Millionen Kunden sieht sich die Bank inzwischen als Hausbank. Ein Jahr zuvor waren es nur 1,8 Millionen.

Das Provisionsergebnis der ING Deutschland erhöhte sich im vergangenen Jahr bedingt durch ein starkes Wertpapiergeschäft um fast die Hälfte auf 479 Millionen Euro. Um Kunden eine Alternative zu derzeit mager verzinsten Tagesgeld- und Sparkonten zu bieten, erweitert das Institut sein Angebot für die Anlage in Wertpapieren: Vom 1. April an werden die rund 800 Sparpläne für börsengehandelte Indexfonds (ETF) ohne Kaufgebühren angeboten. Bereits seit November bietet die ING Deutschland alle ihre Wertpapiersparpläne ab einem Euro Monatsrate an.

Auch bei der Konzernmutter ING brach der Gewinn im Corona-Jahr 2020 wegen hoher Rückstellungen für ausfallgefährdete Kredite ein. Weil außerdem Kosten für einen Stellenabbau anfielen, sackte der Nettogewinn der niederländischen Großbank zum Vorjahr um fast die Hälfte auf knapp 2,5 Milliarden Euro nach unten, wie das Institut ebenfalls am Freitag mitteilte. Der Mutterkonzern legte fast 2,7 Milliarden Euro für ausfallgefährdete Darlehen zurück und damit fast zweieinhalb Mal so viel wie ein Jahr zuvor.