Deutsche Märkte öffnen in 18 Minuten

Dinner im Riesenflieger A380 ist in Minuten ausverkauft

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In der Coronakrise suchen Airlines neue Einsatzmöglichkeiten für ihre Jets. Das Dinner im A380 von Singapore Airlines stößt auf große Nachfrage.

Die Quarantänepflicht, die in vielen Ländern nach Auslandsreisen gilt, trübt die Reiselust. Foto: dpa
Die Quarantänepflicht, die in vielen Ländern nach Auslandsreisen gilt, trübt die Reiselust. Foto: dpa

Der gesamten Luftfahrt setzt die Coronakrise schwer zu. Singapore Airlines hat daher ein alternatives Geschäftsmodell entwickelt, um mit dem geparkten Riesen-Airbus A380 trotzdem Geld zu verdienen. Am Flughafen Singapur-Changi wird am 24. und 25. Oktober Essen im Flieger serviert.

Das Flugzeug-Feeling am Boden stößt dabei offenbar auf große Nachfrage. Innerhalb von nur 30 Minuten waren alle verfügbaren Plätze in einem zum Restaurant umgewandelten A380 ausverkauft, wie Singapore Airlines am Dienstagmorgen meldete.

Wie beim Flug können Gäste zwischen verschiedenen Kategorien wählen. Ein Menü in einer Suite kostet rund umgerechnet 400 Euro, Business-Class-Gäste zahlen rund 200 Euro, in der Economy Class werden rund 33 Euro fällig. Vielflieger können die Menüs mit Meilen bezahlen.

In der Luft bietet der A380 bis zu 471 Personen Platz, am Boden wird aufgrund der Corona-Sicherheitsmaßnahmen etwa die Hälfte der Sitzplätze belegt. Wegen der großen Nachfrage wird das Pop-up Restaurant zusätzlich am darauffolgenden Wochenende öffnen. Bereits ausgebucht sind die Plätze auch da, Interessierte können sich auf einer Warteliste eintragen.

Alternativ können sich Kunden das Essen der Airline nach Hause bestellen. Mit „SIA@Home“ werden französische, australische, japanische oder indische First- oder Business-Class-Menüs zu den Kunden geliefert. „Wir haben einzigartige Aktivitäten erdacht, die es uns erlauben, mit unseren Fans und Kunden in Kontakt zu bleiben“, sagte Konzernchef Goh Choon Phong.

Die Coronakrise trifft den Langstreckenspezialisten hart. Erst vergangenen Monat gab Singapore Airlines bekannt, dass konzernweit 4300 Stellen abgebaut werden sollen. Nach Berücksichtigung eines Einstellungsstopps, der natürlichen Fluktuation und der Inanspruchnahme freiwilliger Ausstiegsprogramme betrifft dies etwa 2400 Stellen. Im Geschäftsjahr 2020/2021 werde der Konzern weniger als 50 Prozent von seiner ursprünglich geplanten Kapazität anbieten können, hieß es.

Im zweiten Quartal bis Ende Juni verzeichnete die Fluggesellschaft einen Rekord-Nettoverlust von umgerechnet 700 Millionen Euro. Im Oktober beträgt die Passagierkapazität acht Prozent des Vorkrisenniveaus, diese soll bis Ende Dezember in etwa verdoppelt werden, schreibt das Portal „aero.de“.

Eine schnelle Erholung der Luftfahrtbranche ist trotzdem nicht in Sicht. Singapore Airlines erwartet, dass der Luftverkehr erst gegen 2024 wieder das Vorkrisenniveau erreicht.

Branche sucht neue Geschäftsmodelle

Um trotz des massiven Nachfrageeinbruchs Geld einzunehmen, entwickeln Fluggesellschaften weltweit neue Geschäftsmodelle. Bereits vor Singapore Airlines eröffnete Thai Airways im September eine neue Restaurantkette für alle, die Flugzeugessen vermisst haben.

Die Quarantänepflicht, die in vielen Ländern nach Auslandsreisen gilt, trübt die Reiselust. Als Reaktion darauf bieten die taiwanische Eva Air und die japanische Fluglinie ANA Rundflüge an. Qantas fliegt ab November von Australien aus mit identischem Start- und Zielflughafen über die Antarktis. Singapore Airlines wollte Rundflüge ab Ende Oktober ins Angebot nehmen. Wegen Beschwerden von Klimaschützern gegen diese „Reisen ins Nirgendwo“ wurden diese Pläne jedoch begraben.

In China versuchen zahlreiche Airlines mit „All-you-can-fly“-Angeboten das Passagieraufkommen anzukurbeln. Im Juli startete das Angebot der China Southern Airline: Für umgerechnet rund 450 Euro können Passagiere bis Januar innerhalb Chinas so viel fliegen, wie sie möchten.

Andere Unternehmen offerieren ähnliche Flugpässe. Zum Beispiel verkauft Lucky Air Monatsabos für Inlandflüge, China Eastern bietet Pakete für Wochenend-Trips an. Es scheint, dass dieses Angebot in China auf Nachfrage stößt. Die zivile Luftfahrtbehörde von China CAAC teilte im Juli mit, dass die täglichen Passagierflüge bereits 80 Prozent des Vorkrisenniveaus erreicht hätten.