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DIHK will Insolvenzen von Unternehmen hinauszögern

BERLIN (dpa-AFX) - Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) setzt sich dafür ein, dass Unternehmen in der Corona-Krise weniger schnell Insolvenz anmelden müssen. Viele Firmen könnten mit rechtzeitigen Sanierungsmaßnahmen gerettet werden, sagte Verbandspräsident Eric Schweitzer der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Bislang ist das Insolvenzrecht hierauf nicht gut eingestellt." Schweitzer schlägt ein Moratorium vor, währenddessen Maßnahmen zur Zwangsvollstreckung ausgesetzt werden. Er betonte: "Hierdurch können Unternehmen mit ihren wichtigsten Gläubigern Sanierungsmaßnahmen vereinbaren - etwa durch einen Schuldenerlass."

Bislang ist eine solche Sanierung laut DIHK nur innerhalb eines Insolvenzverfahrens möglich. Allein das Stichwort Insolvenz trage aber für viele das Stigma des Scheiterns und werde nicht mit einer möglichen Sanierung verbunden, kritisierte Schweitzer. Einführen könnte man das Moratorium, indem man die Restrukturierungsrichtlinie der EU schon jetzt und nicht erst Mitte 2021 umsetze.

Im Gegensatz zu den Rettungspaketen koste dieser Vorschlag den Staat nichts, entlaste die Unternehmen aber enorm, sagte Schweitzer. Vorteil einer Sanierung vor der Insolvenz ist besonders, dass nur die für den Erfolg der Sanierung entscheidenden Gläubiger beteiligt werden müssen. Außerdem wird weder ein Insolvenzverwalter noch eine richterliche Entscheidung gebraucht. Gläubiger, die die Sanierung unterstützen, müssten laut DIHK im Fall einer Insolvenz die Sicherheit haben, dass ihre Forderungen voll beglichen werden.