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Digitalmanager übernimmt „Hamburger Morgenpost“

Die DuMont-Gruppe verkauft ihre Boulevard-Zeitung an den bisherigen Xing-Marketingchef Arist von Harpe. Man kennt sich: Der Investor arbeitete einst für DuMont.

Die Kölner Mediengruppe DuMont hat für die „Hamburger Morgenpost“ einen Käufer gefunden, den sie gut kennt: den Internet-Manager Arist von Harpe, 41. Er hatte von 2012 bis 2018 für die Firma Facelift gearbeitet, einer Firma für Social-Media-Marketing, die DuMont im Dezember 2016 für mehr als 55 Millionen Euro übernahm. Zuletzt hat der Neu-Verleger bei Hubert Burda Media als Geschäftsführer der Marketingtochter von Xing gearbeitet.

Es ist insgesamt ein erstaunlicher Werdegang. Von Harpe ist in Düsseldorf geboren und lebt seit 1999 in Hamburg, Er hat in der Hansestadt und in Göteborg Wirtschaftsingenieurwesen studiert und später als Berater für Boston Consulting gearbeitet. Die „Mopo“ sei „immer eine der zentralen Medienmarken dieser Stadt gewesen – mit einer klaren Identität“, sagt der neue Eigentümer. Er übernimmt mit der Boulevardzeitung auch mopo.de, einen Medienvermarkter, eine Corporate-Publishing-Agentur sowie eine lukrative Beteiligung an Radio Hamburg.

Nach Spekulationen, die gedruckte Ausgabe der „Mopo“ werde eingestellt, betont Arist von Harpe, es sei sein Ziel, eine tief in der Stadt verankerte Marke „auf allen Kanälen“ zu erhalten. Weder über den Kaufpreis noch über die finanziellen Mittel des einstigen DuMont-Managers gibt es Informationen.

Aufgefallen ist der Investor in der Branche bisher nicht mit publizistischen Ideen, sondern mit Marketing-Konzepten. So versprach er im September 2019 beim Job-Netzwerk Xing, sich „von alten Zöpfen zu trennen“ und ganz auf die Wachstumsfelder Social Media und Mobile zu setzen.

Es sei wichtig gewesen, „den Hamburger Morgenpost Medien mit all ihren Angeboten eine Perspektive zu geben“, erklärt die Gesellschafterin Isabella Neven DuMont, die turnusmäßig den Vorsitz im Aufsichtsrat übernommen hat. Nach dem Verkauf der „Berliner Zeitung“ und der „Mitteldeutschen Zeitung“ in Halle schließt das Medienunternehmen mit dem Hamburger Deal die Überprüfung der eigenen Aktivitäten ab.

Mehr als zehn Jahre war DuMont bei der „Hamburger Morgenpost“ aktiv gewesen, die 1949 als SPD-Zeitung begann und nach 1980 wechselnde Eigentümer hatte, zeitweise auch den Verlag Gruner + Jahr. Die aktuelle Transaktion hat kurz vor der Hamburger Bürgerschaftswahl am 23. Februar an der Elbe für heftige Debatten über publizistische Vielfalt gesorgt. Wöchentlich hatte sich der Druck auf DuMont erhöht.

Der „Mopo“-Verkauf sei ein wichtiger Schritt gewesen, „um die nächste Phase der Unternehmensentwicklung einzuleiten und das Geschäftsfeld Regionalmedien neu auszurichten“, sagt Isabella Neven DuMont. Jetzt gehe es – neben den Geschäftsfeldern Business Information und Marketing Technology – bei den Regionalmedien um die publizistische Rolle des „Kölner Stadt-Anzeigers“ im Rheinland  und die Position von „Express“ als regionales News-Portal.

Du Mont hatte offenbar beim „Mopo“-Verkauf auch Kontakt mit der Essener Funke-Gruppe gehabt. Ein Deal zerschlug sich aber genauso wie ein diskutierter Management Buy-Out durch Geschäftsführerin Susan Molzow.