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Digitale Bildung ist längst Realität – außer an Schulen

·Lesedauer: 5 Min.

Durch den Lockdown gingen Arbeitnehmer ins Homeoffice und auch Schüler ins Homeschooling. Aber wer Schulpflicht einfordert muss sie auch gewährleisten. Das Verschicken von Arbeitsblättern ist kein digitaler Unterricht.

 Foto: dpa
Foto: dpa

Als wir Mitte März aufgrund des Lockdowns fast alle unsere 251 Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt haben, sind wir erst einmal auf Einkaufstour gegangen. Wir mussten weitere Laptops und Monitore kaufen, Softwarelösungen für Videokonferenzen besorgen und VPN Tunnel einrichten. Für uns selbstverständlich: Wir mussten als Arbeitgeber die Hardware stellen, damit überhaupt gearbeitet werden konnte.

Ein ganz ähnliches Szenario gab es in den Schulen. Deutschlands Schüler mussten ins „Homeoffice“ und arbeiteten im Homeschooling weiter. Mit einem großen Unterschied: Der „Arbeitgeber“, also Lehrer und Schulen, stellten Ihnen nicht die notwendigen Arbeitsmittel. Das haben sie auch größtenteils bis heute nicht geschafft und die Frage ist, ob diese Hausaufgabe zu Beginn des neuen Schuljahres erledigt sein wird.

Wer Schulpflicht einfordert muss diese auch gewährleisten. Das Verschicken und Einscannen von Arbeitsblättern ist kein digitaler Unterricht, lediglich digitale Kommunikation!

Als Mutter einer 15jährigen Tochter war ich wie so viele andere Eltern auch betroffen: Die Eltern sollten nun Lehrer ersetzen und hatten ein großes didaktisches Problem. Eine pädagogisch wertvolle Unterrichtsvorbereitung zu Oliver Cromwell und binomischen Formeln hatte ich gerade nicht in der Schublade. Was tun?

Explodierende Zugriffszahlen: Digitale Angebote fangen Versagen des Schulsystems auf

Man musste sich also selbst helfen. Millionen Schüler taten das auch und zwar per Lernvideo und App auf YouTube und Co. Ganze 355 Prozent mehr Zugriffe konnten beispielsweise Alex Giesecke und Nico Schork, Gründer von simpleclub, während der Schulschließungen verzeichnen. Rund eine Million Schüler halfen sich hier mit der simpleclub- App.

Die Non-Profit Initiative für entrepreneurship education STARTUP TEENS, bei der ich mich ehrenamtlich engagiere, verzeichnet ebenfalls seit Beginn der Schulschließung vierfach höhere Zugriffszahlen, was digitale Bildungsangebote und entrepreneurship education angeht.

Eine Bildungsrevolution spielt sich schon jetzt im Internet parallel zu den Schulen ab. Eltern, Schüler und auch durchaus Lehrer sind dankbar für diese oft kostenlose Hilfe. Simpleclub entwickelte extra für das Homeschooling ein Feature, mit dem Lehrer einen Lernplan in der App erstellen und ihn per Link mit den Schülern teilen können. Diese Entwicklung zeigt deutlich: Auch wenn in der Schule immer noch wie vor 50 Jahren gelehrt wird, lernen Schüler schon längst digital.

Der Teufel steckt in der Struktur- und im Bildungsföderalismus

Geht doch, könnte man meinen. Warum also nicht einfach „offiziell“ in den Schulen auch?

Hier hilft uns das Klein-Klein des Bildungsföderalismus nicht weiter. Zumindest was eine einheitliche Struktur und IT-Ausstattung von Schulen, Lehrern und Schülern angeht, wäre eine schnelle und zentrale Lösung dringend nötig. Auch viele Lehrer standen in der Krise komplett alleine da und mussten schnell und vor allem für alle verständliche Lösungen finden. Auch das hat wertvolle Zeit gekostet, die den Schülern in der Lehre nicht zu Gute kam. Digitale Bildungsinfrastruktur zu gewährleisten ist eine öffentliche Aufgabe, die einfach nicht wahrgenommen wird.

Alle reden von Herdenimmunität- wir brauchen auch „Herdenintelligenz“!

Es gibt noch immer zu viele Vorbehalte, was private Bildungsanbieter angeht. Die Qualitätskontrolle von digitalen Lernanbietern ist trotzdem ein wichtiges Thema. Deutschland muss sehr schnell in Sachen Schuldigitalisierung aufholen und dazu gehört dann auch, zügig formale Kriterien und Qualitätskontrollen einzuführen. Ein cleverer Weg könnte sein, eine Qualitätskontrolle für digitale Lernangebote ähnlich zu gestalten wie bei den Inhalten auf Wikipedia. Durch die hohe Nutzeranzahl gäbe es gleichzeitig auch eine große Menge an Autoren, die sich gegenseitig kontrollieren. Das heißt, das Qualitätsmanagement würde nicht von einer zentralen Einheit durchgeführt, sondern dezentral, indem man die Schwarmintelligenz von Hunderttausenden informierten und engagierten Anwendern nutzt.

Wenn wir schnell Schulen digitalisieren wollen und eine Prüfung unumgänglich ist, müssen wir auch innovativ in der Qualitätskontrolle sein!

Schulverwaltungen haben jetzt Hausaufgaben für die Sommerferien!

Viele setzen für die Zeit nach den Sommerferien auf „blended learning“- Konzepte, also eine Mischung aus Präsenz- und Digitalunterricht. Für ältere Schüler kann das durchaus Sinn machen. Hier würde ich mir wünschen, dass man das Lernen in Gruppen intensiviert. Während ein Teil der Schulklasse „normal“ im Klassenraum unterrichtet wird, könnte der andere Teil selbständiges und kreatives Arbeiten gemeinsam im Team lernen, angeleitet von einem Coach, der durchaus auch mal ein Unternehmer sein kann. Kollaboratives, agiles Arbeiten ist DIE Zukunftskompetenz für das Berufsleben.

Ein Blick ins Ausland zeigt: Digitaler Fortschritt gehört bei anderen Nationen zum „kulturell-ökonomischen“ Selbstverständnis. Wir wollen uns dagegen lieber in zeitraubenden ideologischen Datenschutz-Debatten verlieren. In den Niederlanden lernen Kinder ab der Vorschule mit dem Tablet, es werden altersgerecht, verpflichtend und flächendeckend grundlegende digitale Fertigkeiten, Zusammenhänge und Gefahren des Internets vermittelt.

Hierzulande sind die Gelder aus dem Digitalpakt sind immer noch nicht vollständig geflossen. Wie lange wollen wir eigentlich noch warten? Hat die Coronakrise denn nicht deutlich gezeigt, dass wir in Deutschland komplett abgeschlagen sind, was digitale Bildung angeht?

Es ist jetzt an der Zeit, dass wir dringend unsere Herangehensweise ändern. Weniger Bürokratie und Ideologie, dafür Schnelligkeit und Pragmatismus. Bei Startups gibt es den Leitsatz: better done than perfect.

Mehr zum Thema:
Viele Studenten überlegen derzeit, noch ein paar Semester dranzuhängen – statt sich auf dem schwierigen Arbeitsmarkt zu versuchen. Schließlich entscheidet der Master über Einstiegsgehalt und Beförderungen. Aber auch der Bachelor bringt Vorteile, selbst in der Coronakrise.