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Dieses Unternehmen macht mehr Gewinne als Apple – und kaum einer kennt es

Eine Ausstellung erzählt die Geschichte des Unternehmens Saudi Aramco. (Bild: ddp)

Jahrzehntelang hat das saudische Königshaus die Geschäftszahlen der Firma Saudi Aramco unter Verschluss gehalten. Vor dem geplanten Börsengang kommt heraus, dass der Ölkonzern weltweit die meisten Gewinne abwirft. Und von einer Seite wohl trotzdem überschätzt wird.

Mohammed bin Salman hat einen Plan: 2019 soll der Ölkonzern Saudi Aramco an der Börse starten. Dafür nimmt der saudische Kronprinz in Kauf, dass die Geschäftszahlen nicht mehr wie bisher geheim bleiben können. Das war seit 1976 so, als die Saudis die Amerikaner ausbezahlten, mit deren Kapital der Konzern einst gegründet worden war.

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Das Nachrichtenunternehmen „Bloomberg“ hat sich also die Geschäftszahlen des ersten Halbjahres 2017 angesehen und gemäß dem internationalen Bilanzstandard IFRS ausgewertet. Laut Bilanz hat der Ölkonzern in diesem Zeitraum 33,8 Milliarden Dollar Profit eingestrichen und damit sogar Apple hinter sich gelassen, das auf 28,9 Milliarden Dollar kam. Weltweit hat kein anderes Unternehmen mehr Geld gemacht.

Besonders beeindruckend ist diese Zahl vor allem deshalb, weil der Ölpreis in den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres viel niedriger war als heute. Die hohen Gewinne erklären sich vor allem durch die niedrigen Produktionskosten im saudischen Königreich. An die Königsfamilie als Eigentümer wurden 13 Milliarden Dollar Dividende ausbezahlt.

Mohammed bin Salman ist der Kronprinz, Verteidigungsminister und stellvertretende Premierminister Saudi-Arabiens. (Bild: ddp)

Das alles hört sich gut an, rechtfertigt aber nicht die allzu euphorische Einschätzung des Kronprinzen. Laut „Manager-Magazin“ ist Mohammed bin Salman der Ansicht, ausländische Kapitalgeber könnten ihm 100 Milliarden Dollar für einen Anteil von 5 Prozent bezahlen. Demnach müsste Saudi Aramco einen Börsenwert von zwei Billionen Dollar haben. Das ist mehr als das Doppelte von Apple, das die Liste der wertigsten Unternehmen derzeit anführt.

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Experten halten diese Einschätzung aus mehreren Gründen für unhaltbar: Der Ölpreis liegt heute zwar höher als 2017. Dafür gilt seitdem auch ein anderes Steuerregime, nach dem steigende Preise auch eine erheblich höhere Abgabenlast nach sich ziehen. Ein weiterer Strich auf der Minus-Liste: In Saudi-Arabien steht das Königshaus über allem und kann nach eigenem Gutdünken autark entscheiden. Für Anleger eine schwierige Ausgangssituation, zumal sie nur eine Beteiligung von 5 Prozent hätten. Außerdem fallen bei dem Ölkonzern zusätzlich zu Steuern und Lizenzgebühren auch noch hohe Posten für interne Sozial- und Bildungsprogramme an, die auf Kosten der Aktionäre gehen. Wie hoch das Unternehmen des saudischen Königshauses vor dem Börsengang bewertet wird, könnte für den Kronprinzen noch eine Überraschung sein.