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In diesen vier Regionen in Schleswig-Holstein könnt ihr trotz Corona sehr bald wieder Urlaub machen

Joana Lehner
·Lesedauer: 6 Min.
Der Kreis Nordfriesland mit seiner Ferieninsel Sylt gehört zu den Tourismus-Modellregionen in Schleswig-Holstein, die ab dem 19. April wieder für Urlauber öffnen dürfen.
Der Kreis Nordfriesland mit seiner Ferieninsel Sylt gehört zu den Tourismus-Modellregionen in Schleswig-Holstein, die ab dem 19. April wieder für Urlauber öffnen dürfen.

Während bundesweit ein erneuter Lockdown und verschärfte Corona-Regeln in Landkreisen mit einer Inzidenz von über 100 drohen, darf in Schleswig-Holstein in großen Teilen wieder die Außengastronomie öffnen — und bald sogar noch mehr: Hotels und Ferienwohnungen für Touristen.

Das Bundesland wählte unter zwölf Bewerbungen von Kreisen, Städten, Gemeinden und Regionen vier Tourismus-Modellprojekte aus, die ab dem 19. April 2021 wieder für Urlauber öffnen dürfen. Dabei konnten der Kreis Nordfriesland mit seiner Ferieninsel Sylt, der Dithmarscher Urlaubsort Büsum, die Schleiregion samt Eckernförde sowie die innere Lübecker Bucht mit ihren Hygiene-Konzepten überzeugen. Alle Regionen konnten einen stabilen Inzidenzwert unter 100 aufweisen.

Zuletzt hatte Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) noch in der „Bild am Sonntag" deutlich gemacht, dass erst im August Reisen wieder möglich seien. Die vier ausgewählten Regionen in Schleswig-Holstein könnten nun für aber für viele Touristen eine Hoffnung sein, den Sommerurlaub doch noch am Meer zu verbringen.

Doch wie sieht das in der Praxis aus und was müssen Touristen beachten?

Die Modellregionen dürfen zunächst auf vier Wochen befristet öffnen

Sobald die zuständigen Gesundheitsämter den Hygiene-Konzepten in den Modellregionen zugestimmt haben, dürfen sie zunächst auf vier Wochen befristet öffnen — mit der Möglichkeit auf Verlängerung. Dabei war bereits bei der Auswahl aller Konzepte entscheidend, dass eine deutlich erhöhte Test-Kapazität in den Kommunen aufgebaut werde. Mit den ambitionierten Konzepten könne sich beweisen lassen, dass ein sicherer Tourismus trotz Pandemie möglich sei, sagte Wirtschafts- und Tourismusminister Bernd Buchholz (FDP) im NDR.

Die Ferieninsel Sylt und der Hafenort Büsum an der Nordsee gehören zu den Auserwählten. Beide haben einen Inzidenzwert, von dem viele andere Orte in Deutschland nur träumen können: Sylt mit 32 Fällen pro 100.000 Einwohnern binnen einer Woche, Büsum mit 52 Fällen (Stand: 12.4.2021).

„Seit der Bekanntgabe der Modellregionen stehen unsere Telefone nicht mehr still", sagt Andrea Simons, stellvertretende Geschäftsführerin der Ostseefjordschlei GmbH, einer lokalen Tourismus-Organisation für die gesamte Schlei-Ostsee-Region Business Insider. Die Leute seien alle buchungswillig, aber noch müsse man sie noch auf die kommende Woche vertrösten.

Büsum will ab dem 26. April öffnen, Sylt ab dem 19. April

Sylt will ab dem 19. April mit der Öffnung starten, Büsum ab dem 26. April. Beide müssen noch Vermieter informieren und die Details mit den Gesundheitsämtern festlegen.

„Wir erwarten bis zu 50.000 Übernachtungen in den vier Testwochen", sagt der Bürgermeister von Büsum, Hans-Jürgen Lütje (FWB) Business Insider. Gemeinsam mit der Gastronomie, Wirtschaftsvertretern, dem Ärztezentrum und Ordnungs- und Gesundheitsamt arbeitete der Bürgermeister ein umfangreiches Konzept für die Region aus. Demnach müssen Touristen einen ersten negativen Corona-Test bei der Einreise vorweisen, einen zweiten sollen sie dann direkt beim Vermieter in der Ferienwohnung oder im Hotel vor Ort machen können. Anschließend sollen die Gäste dann alle drei Tage erneut getestet werden, die Tests müssen auch hier von den Vermietern durchgeführt werden.

„In unserem Konzept haben wir auf einen Test direkt nach der Einreise bestanden, weil viele Gäste mit öffentlichen Verkehrsmittel anreisen", sagt Lütje. So könne man sichergehen, dass sich niemand nach dem Test und während der Reise selbst angesteckt habe. Dabei sollen die Tests auch alle verpflichtend in einem Vertrag zwischen Gastgeber und Touristen festgehalten werden. Die Liste all der Hotels und Ferienwohnungsbesitzern, die teilnehmen, soll Ende dieser Woche veröffentlicht werden.

In Sylt brauchen Urlauber nur einen negativen Corona-Test bei der Einreise

In Sylt hingegen reicht ein Test bei der Einreise aus, weil 95 Prozent der Unterkünfte nur mit dem Auto erreichbar seien, erklärt Andrea Simons, stellvertretende Geschäftsführerin der Ostseefjordschlei GmbH. Die Gefahr, sich in den öffentlichen Verkehrsmitteln anzustecken, sei daher viel geringer als etwa in Büsum. Deshalb könnten die Vermieter auf einen weiteren Test direkt nach der Anreise verzichten, sondern erst drei Tage später erneut testen. Für einen Wochenend-Trip mit Freitag Anreise und Sonntag Abreise ist demnach nur einen negativer Corona-Test bei der Einreise erforderlich, der nicht älter als 48 Stunden ist.

Anders als in anderen Modell-Regionen setzt Sylt dabei vorerst nur auf die Öffnung der Unterkünfte: „Wir wollen es nur mit unserem Kerngeschäft der Übernachtung versuchen, bevor wir die Innengastronomie in den Unterkünften auch wieder öffnen", sagt Simons. Eine Liste der teilnehmenden Vermieter soll Ende dieser Woche einsehbar sein.

Zusätzlich lassen sich alle auserwählten Regionen - wie Sylt und Büsum - wissenschaftlich mit Partnern aus Hochschulen oder Kliniken während der Testphase von vier Wochen begleiten. Sie sollen den Verlauf des Projekts genau verfolgen.

Jedes Modellprojekt kann durch das Gesundheitsamt abgebrochen werden

Ausschlaggebend für die Modellregionen bleibt jedoch ab der Öffnung weiterhin, wie sich das Infektionsgeschehen vor Ort entwickele und wie das Gesundheitswesen belastet sei, erklärte Buchholz am Freitag bei Bekanntgabe der Regionen. „Das heißt auch, dass im Ernstfall - unabhängig vom Inzidenzwert eines Kreises - jedes Modellprojekt durch das Veto des örtlichen Gesundheitsamtes abgebrochen werden kann und die Gäste nach Hause geschickt werden", so der Minister

Für solche Fälle will auch Bürgermeister Lütje vorsorgen: „Sobald eine Unterkunft nicht mehr für den Gast zur Verfügung steht, etwa im Fall des Beherbungsverbots, muss er für diese auch nicht zahlen", sagt er. Das soll auch vertraglich zwischen Gastgeber und Gast festgehalten werden. In Sylt soll es ähnlich geregelt werden.

Schleswig-Holstein ist das Bundesland mit den geringsten Inzidenzwerten

Dabei ist es kein Zufall, dass ausgerechnet Schleswig-Holstein erste touristische Modellprojekte startet. Es ist das Bundesland mit den meisten gelb eingefärbten Regionen, also denen, in denen der Inzidenzwert zwischen 25 und 50 liegt. Bis auf wenige Landkreise ist die dominierende Farbe bundesweit dunkelrot, also meist mit einem Inzidenzwert zwischen 100 und 250 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb einer Woche.

Warum es in Schleswig-Holstein besser aussieht als im Rest der Republik, vor allem im Süden, darüber kann man nur spekulieren. Jonas Schreyögg vom Hamburg Center for Health Economics (HCHE) glaubt, dass dies auf die Mentalität der Norddeutschen zurückzuführen sei. Das jedenfalls sei das Ergebnis einer Studie mit 7000 Befragten aus November 2020, wie die Bevölkerung mit der Bedrohung durch das Coronavirus umgeht und inwieweit sie politischen Entscheidungen folgt. Dem „Hamburger Abendblatt" sagte Schreyögg: „Ich glaube, dass die Mentalität Auswirkungen hat, es ist eine Frage der Kultur. Wir wissen aus unserer Studie, dass die Impfbereitschaft in keiner Region Deutschlands so hoch ist wie in Norddeutschland.“

Eine Rolle dürfte auch die vergleichsweise niedrige Bevölkerungsdichte spielen, wenige Ballungsräume, aber auch eine zielgerichtetere Teststrategie als etwa in Bayern. Büsums Bürgermeister erklärt sich die niedrigen Inzidenzwerte dabei auch mit den strengen Maßnahmen: „Die Strandkörbe mussten bei uns fünf Meter auseinander stehen und in den Fußgängerpassagen haben wir eine Maskenpflicht", sagt er. Wer sich nicht daran halte, hätte mit strengen Ansagen zu rechnen. Schon im Sommer hatte sich der Ort einen Security-Service finanziert, der die Regeln kontrollierte, nachdem eine hohe Zahl an Übernachtungs- und Tagesgästen vor Ort war.

Der Kreis Nordfriesland mit Sylt hingegen war Vorreiter beim Thema Testregime und hat sich früh für die Kontakt-Nachverfolgungs-App „Luca" entschieden. Beide Regionen könnten nun als Modellprojekte Erkenntnisse für vergleichbare touristische Orte liefern.