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BER: Erste Maschine gelandet – neuer Großflughafen endlich eröffnet

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Der pannengeplagte Berliner Flughafen ist startklar. Eine Easyjet-Maschine brachte am Samstag die ersten Fluggäste zum BER. In richtiger Feierlaune ist aber wegen Corona kaum jemand.

Abreißen, neu bauen. Rückblickend wäre es so vielleicht schneller gegangen, den Hauptstadtflughafen BER zu eröffnen. Doch als die Eröffnung des Airports spektakulär im Sommer 2012 scheitert, erwartet niemand, dass sich die Eröffnung weitere acht Jahre hinziehen würde.

Erst jetzt ist es so weit. „Es war ein langer Weg. Es war kein einfacher Weg. Deshalb feiern wir heute auch keine Party. Sondern machen einfach auf“, sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup.

Zuvor, um 14 Uhr, landete die erste Maschine - von Easyjet - auf dem neuen Airport. Ein Flugzeug der Lufthansa sollte unmittelbar darauf folgen. Sonntagfrüh heben dann die ersten Maschinen vom BER ab.

Insgesamt verfügt der BER, im brandenburgischen Schönefeld südöstlich Berlins gelegen, über drei Terminals für mehr als 40 Millionen Passagiere: Terminal 1, 2 und 5. Terminal 2 ergänzt die Kapazitäten des großen Fluggasterminals 1, wird aber aufgrund der Corona-Pandemie erst später in Betrieb genommen. Terminal 5 befindet sich am bisherigen Flughafen Schönefeld, der unmittelbar an den BER grenzt.

Bis zur Coronakrise zählt Berlin seit mehr als einem Jahrzehnt zu den am stärksten wachsenden Luftfahrtstandorten in Deutschland. Die Passagierzahlen erhöhen sich so sehr, dass 2018 mit dem Bau des Terminals 2 begonnen wird. Zudem wird entschieden, Schönefeld weiter zu nutzen. Und auch wenn die Zahl der Reisenden durch Corona massiv eingebrochen ist, wird Schönefeld nun genutzt, um die notwendigen Abstände zwischen den Passagieren zu wahren.

Der Bund hat den Regierungsflugbetrieb am BER bereits aufgenommen. Auch Staatsgäste werden nicht mehr am Flughafen Tegel, sondern in Schönefeld neben dem Terminal 5 des BER empfangen.

Keine Feierlaune

In Tegel wird in den nächsten Jahren nur noch eine Fläche für die Hubschrauber der Bundeswehr-Flugbereitschaft genutzt – der zivile Teil des Flughafens wird dagegen wenige Tage nach der BER-Eröffnung geschlossen. Hier entsteht ein Forschungs- und Industriepark für urbane Technologien.

In Feierlaune ist jedoch niemand. Dass der Flughafen inmitten der Coronakrise eröffnet werden muss, drückt auf die Stimmung. „Mir blutet das Herz, dass ich so wenig Gäste habe zurzeit“, sagte unlängst Lütke Daldrup.



Auch die Lufthansa ist von hochfliegenden Plänen weit entfernt. „Seit Jahrzehnten sind wir Berlin treuer als jeder unserer Wettbewerber“, heißt es im jüngst erschienenen Politikbrief der Airline. Auch in Zukunft bleibe die Lufthansa starker Partner der Hauptstadt. Diese zuverlässige Anbindung sei „sicherlich das wichtigste Geschenk“, das die Airline Berlin zur Eröffnung des BER machen könne.

Der Hauptstadtflughafen, so die Lufthansa, eröffne in einer für die Branche schwierigen Zeit. Dennoch werde die Lufthansa Group auch am BER „starker Partner Berlins“ bleiben. „Ab November fliegen Lufthansa, Austrian Airlines, Swiss und Brussels Airlines vom neuen Airport, ebenso Eurowings. Air Dolomiti soll den BER 2021 ins Flugprogramm aufnehmen.

DIW-Chef fordert „klare Vision“ für den BER

Die weitere Entwicklung der Coronapandemie wird entscheidend dafür sein, wie schnell Flughäfen und Airlines aus der Krise kommen. Wie die Lufthansa hat auch der BER mit großen finanziellen Problemen zu kämpfen. Eine drohende Zahlungsunfähigkeit konnte mithilfe der Gesellschafter Berlin, Brandenburg und dem Bund abgewendet werden, doch der Flughafen bleibt vorerst auf Steuermittel angewiesen.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, warnt davor, die Lage zu überdramatisieren. „Es ist nicht überraschend, dass in einer so tiefen wirtschaftlichen Krise der Flughafen BER Verluste macht, das geht fast allen anderen Flughäfen auch so“, sagte Fratzscher dem Handelsblatt. „Es gibt überhaupt keinen Grund, an der Zukunftsfähigkeit des Flughafens BER zu zweifeln.“



Fratzscher ist überzeugt, dass Berlin als Wirtschaftsstandort stetig an Bedeutung gewinne. Die Ansiedlung von Tesla südöstlich der Hauptstadt sei nur eines von vielen Beispielen dafür. Den Eigentümern des BER rät der DIW-Chef jetzt, eine „klare Vision“ zu entwickeln, wie sie den Flughafen zu einem europäischen Drehkreuz ausbauen wollen.

Auch die Berliner CDU sieht noch viel Arbeit auf den Betreiber des Flughafens zukommen. Der BER gehe an diesem Samstag zwar endlich ans Netz, viele hätten nicht mehr daran geglaubt. „Berlins neues Tor zur Welt muss erst noch eine Erfolgsgeschichte werden“, sagte der Landesvorsitzende Kai Wegner dem Handelsblatt. „Dafür ist noch viel zu tun.“