Deutsche Märkte schließen in 3 Stunden 18 Minuten
  • DAX

    13.883,04
    +34,69 (+0,25%)
     
  • Euro Stoxx 50

    3.610,42
    +7,75 (+0,22%)
     
  • Dow Jones 30

    30.814,26
    -177,24 (-0,57%)
     
  • Gold

    1.837,30
    +7,40 (+0,40%)
     
  • EUR/USD

    1,2133
    +0,0050 (+0,4125%)
     
  • BTC-EUR

    30.461,16
    +288,17 (+0,96%)
     
  • CMC Crypto 200

    731,81
    -3,33 (-0,45%)
     
  • Öl (Brent)

    52,50
    +0,14 (+0,27%)
     
  • MDAX

    31.358,02
    +151,54 (+0,49%)
     
  • TecDAX

    3.310,37
    +38,93 (+1,19%)
     
  • SDAX

    15.321,42
    +168,16 (+1,11%)
     
  • Nikkei 225

    28.633,46
    +391,25 (+1,39%)
     
  • FTSE 100

    6.728,83
    +8,18 (+0,12%)
     
  • CAC 40

    5.622,18
    +4,91 (+0,09%)
     
  • Nasdaq Compositive

    12.998,50
    -114,10 (-0,87%)
     

Diese wichtigen Themen belasten Londoner City nach Brexit-Deal

Silla Brush
·Lesedauer: 5 Min.

(Bloomberg) -- Das lang erwartete Handelsabkommen zwischen Großbritannien und der Europäischen Union lässt für die weltweit größten Banken, Handelsplätze und Vermögensverwalter bei ihren Vorbereitungen auf mögliche Verwerfungen im Finanzsystem noch viele Fragen offen.

Seit Großbritannien 2016 für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt hat, fiebern sie dem Tag der Trennung entgegen. Jedoch wurden seitdem kaum Fortschritte bei der Gestaltung der zukünftigen Beziehungen zwischen den jeweiligen Finanzsektoren erzielt, obwohl die City of London, das dominante Finanzzentrum, innerhalb weniger Tage außerhalb der EU sein wird.

Der britische Schatzkanzler Rishi Sunak sagte am Sonntag, dass die Gespräche mit Brüssel über den Zugang zu Finanzdienstleistungen fortgesetzt würden. Beide Seiten haben angekündigt, dass sie bis März eine Absichtserklärung über die aufsichtsrechtliche Zusammenarbeit erreichen wollen.

Nachdem ein Brexit-Handelsabkommen erzielt wurde, wird sich die Finanzbranche nun mit den nachfolgenden Themen befassen müssen.

Äquivalenz

Neben den Handelsgesprächen waren die Führungskräfte im Finanzsektor über das separate Verfahren der “Äquivalenz-”Sicherung besorgt. Das Vereinigte Königreich hat seine “Passport”-Rechte für grenzüberschreitende Bankgeschäfte aufgegeben. Daher müssen sich Londoner Finanzinstitute, die in der EU Geschäfte tätigen möchten, im Allgemeinen darauf verlassen, dass Brüssel erklärt, dass die britischen Vorschriften in jedem Finanzbereich robust genug sind.

Bisher hat die EU den Zugang zu Londons dominanten Clearinghäusern bis Juni 2022 erlaubt, um die Multi-Billionen-Dollar-Derivatemärkte stabil zu halten. Sie zögerte jedoch, die gleichen Rechte auf Investmentbanking- und Aktienhandel auszuweiten. Auf britischer Seite gewährte Sunak im November den EU-Unternehmen einseitig die Gleichwertigkeit in Bezug auf Kapital-, Prüfungs- und Versicherungsstandards. Das Vereinigte Königreich hat zuvor erklärt, dass britische Unternehmen weiterhin alle Aktien über EU-Plattformen handeln können, selbst wenn keine gegenseitige Äquivalenz erreicht werden kann.

Es gab jedoch nur wenige Zugeständnisse seitens der EU, und an den Aktienmärkten droht ohne Äquivalenz immer noch ein Bruch, wenn der Block europäische Investoren zwingt, EU-Aktien innerhalb seiner Grenzen zu handeln. Branchen-Lobbygruppen erhöhen den Druck, um in letzter Minute eine Fristverlängerung beim Derivatehandel zu erwirken, um sicherzustellen, dass Geschäfte in ganz Europa effizient abgewickelt werden können. Ohne eine Lösung könnten gewisse Teile vom Derivategeschäft Europa verlassen und in die USA abwandern, die bereits Äquivalenz mit der EU haben.

Marktstörung

Die Aufsichtsbehörden in Großbritannien und Europa haben davor gewarnt, dass die Märkte volatil und unkontrollierbar werden könnten. Die Aufseher haben in den letzten Wochen betont, dass die Branche sich wieder auf die Brexit-Planung konzentrieren sollte, beispielsweise um sicherzustellen, dass die EU-Büros funktionsfähig sind, um kurzfristige Überraschungen für Kunden und Märkte nach dem 31. Dezember zu vermeiden. Die Londoner Niederlassungen großer europäischer Banken könnten aufgrund der widersprüchlichen britischen und EU-Bestimmungen beim Handel mit Derivaten im Wert von Billionen Euro vor einer besonderen Herausforderungen stehen. Die Aufsichtsbehörden erwarten jedoch nicht, dass der Austritt Großbritanniens die Stabilität des Finanzsystems gefährdet.

In Bewegung

Banken wie JPMorgan Chase & Co. und Goldman Sachs Group Inc. haben Hunderte von Mitarbeitern angewiesen, bis Ende des Jahres in EU-Städte einschließlich Frankfurt umzuziehen. Die Aufseher der Europäischen Zentralbank haben davor gewarnt, „Briefkasten“-Büros zu betreiben. Daher müssen Unternehmen innerhalb der EU Mitarbeiter für Vertrieb, Compliance und Governance haben. Laut dem Beratungsunternehmen EY werden bislang rund 7.500 Banker in die neuen EU-Niederlassungen der Kreditinstitute umziehen.

Firmen, die eine Banklizenz in Deutschland erhalten haben, werden voraussichtlich bis zu 2.500 Arbeitsplätze dorthin verlagern, erwartet die Bundesbank.

Dem Geld folgen

Die fünf größten Banken der Wall Street - JPMorgan, Goldman Sachs, Bank of America Corp, Citigroup Inc. und Morgan Stanley - bevorzugen seit langem London als Basis. Per Ende letzten Jahres hielten sie das Dreifache des Eigenkapitals und mehr als das Vierfache der risikogewichteten Aktiva in ihren britischen Tochtergesellschaften im Vergleich zu ihren EU-Töchtern. Londons Vorsprung wird wahrscheinlich in den kommenden Monaten schwinden.

JPMorgan verlagert Vermögenswerte von 200 Milliarden Euro in die EU. Die EZB drängt darauf, dass mehr EU-Geschäft lokal verwaltet wird, anstatt einfach über „Back-to-Back“-Transaktionen zwischen Bankbüros nach London transferiert zu werden.

Frankfurt wird zu den großen Gewinnern der Verlagerung gehören. Nicht-deutsche Geldinstitute sind dabei, weitere Positionen in Höhe von 397 Milliarden Euro in das Land zu verlagern und ihre Bilanz dort zum Jahresende auf 675 Milliarden Euro zu erhöhen, sagte die Bundesbank Anfang November.

Verträge & Daten

Für Banken und Brokerhäuser besteht eine große Aufgabe darin, sicherzustellen, dass ihre Kunden über die erforderlichen Unterlagen für den Handel mit den neuen EU-Abteilungen verfügen. Nach Angaben des Financial Policy Committee der Bank of England hatten zwei Drittel der Derivatekunden diese Arbeit tatsächlich bis Oktober erledigt. Kleinere Kunden waren langsamer. Die Aufsichtsbehörden möchten auch sichergestellt haben, dass Unternehmen personenbezogene Daten gemäß den Datenschutzbestimmungen über den Ärmelkanal übertragen können. Eine temporäre Lösung für den Datenaustausch wurde vereinbart, um den Unternehmen für einige Monate zu helfen. Und die britischen Behörden sagen, dass die Kreditinstitute nach der Brexit-Übergangszeit den Kunden rechtzeitig Bescheid geben sollten, wenn sie ihren Service einstellen oder reduzieren.

Überschrift des Artikels im Original:The Key Issues Weighing on the City of London After Brexit Deal

For more articles like this, please visit us at bloomberg.com

Subscribe now to stay ahead with the most trusted business news source.

©2020 Bloomberg L.P.