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Diese Unternehmen haben Verbraucher im Jahr 2018 boykottiert

Ena Clarke
Freie Autorin

Viele Boykott-Aufrufe haben sich Unternehmen wie Victoria’s Secret oder RWE selbst eingebrockt. Zu anderen regte beispielsweise der US-Präsident Donald Trump öffentlich an. Gegen welche Firmen sich Verbraucher im Jahr 2018 auflehnten – und warum.

Unter anderem unter dem Hashtag #WeAreAllAngels wurde zum Boykott der Victoria’s Secret-Produkte aufgerufen. (Bild: Getty Images)

Victoria’s Secret

In einem Interview mit der amerikanischen “Vogue“, das kurz vor dem diesjährigen Schaulaufen der Victoria’s Secret-Engel geführt wurde, erklärte der Marketing-Chef des Unternehmens Ed Razek: “Sollten wir Transgender-Models in der Show haben? Nein. Nein, ich finde, wir sollten das nicht. Warum? Weil die Show eine Fantasie ist.”

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Er erzählte außerdem von Versuchen zu Millennium-Zeiten, Plus-Size-Shows ins Fernsehen zu bringen: “Niemand hatte daran Interesse. Hat immer noch niemand.“ Unter anderem unter dem Hashtag #WeAreAllAngels wurde kurz nach der Veröffentlichung des Interviews zum Boykott der Victoria’s Secret-Produkte aufgerufen, an dem sich mehrere Tausend Menschen beteiligen.

Es ist nicht so einfach, RWE zu boykottieren. (Bild: Getty Images)

RWE

Nachdem 2018 der Hambacher Wald geräumt wurde und abgeholzt werden sollte, riefen Tausende unter dem Hashtag #RWEBoykott zum Boykott des Energieversorgers auf. In der Praxis ist es allerdings ganz schön knifflig, RWE zu boykottieren.

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Denn der Konzern hat alle Stromverträge in die Tochterfirma Innogy ausgelagert. Klar könnten Verbraucher nun dort ihre Verträge kündigen, doch das wird künftig nicht RWE, sondern Eon zu spüren bekommen: RWE will das Vertriebsgeschäft von Innogy im nächsten Jahr an den Konkurrenten abgeben.

Danone

Der französische Lebensmittelkonzern Danone verlor wegen eines Boykotts in Marokko im Jahr 2018 an Tempo. Der Kundenstreik hielt das ganze Jahr über an und wird das Ergebnis des weltgrößten Joghurtherstellers belasten, wie der Konzern mitteilte. Verbraucher werfen Danone und anderen großen Firmen vor, ihre Marktmacht in Marokko zu missbrauchen und überhöhte Preise zu aufzurufen.

Nestle

Organisationen wie Greenpeace oder Attac rufen schon seit Jahren zum Boykott des Lebensmittel-Riesen auf. Die Liste der Vorwürfe ist lang: Es geht um den Plastikmüll, den die Kaffeekapseln der Nestlé-Marke Nespresso verursachen. Um das Palmöl, das für die Herstellung der Kitkat-Riegel verwendet wird – und dem nach Ansicht von Umweltschützern große Flächen Regenwald zum Opfer fallen.

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Vor allem aber geht es den Kritikern um die umstrittene Wasserpolitik des Konzerns. Nestlé hat auf der ganzen Welt Wasserrechte von den Behörden gekauft, um sein Tafelwasser zu produzieren. Das Unternehmen füllt unter 50 verschiedenen Markennamen Wasser ab, darunter Vittel, Perrier oder S. Pellegrino.

Weil ein Trump-Kritiker in einem Nike-Werbespot mitspielte, riefen viele Amerikaner zum Boykott der Marke auf. (Bild: Getty Images)

Nike

Weil der Trump-Kritiker Colin Kaepernick in einem Werbespot von Nike zu sehen ist, riefen viele Trump-Anhänger zum Boykott der Marke auf. Der ehemalige Quarterback der San Francisco 49ers hatte eine landesweite Debatte ausgelöst, als er aus Protest gegen Polizeigewalt und Rassismus gegen Afroamerikaner beim Erklingen der Nationalhymne im Stadion auf die Knie ging. Ihm schlossen sich weitere Spieler an. Die Praxis wurde von US-Präsident Donald Trump scharf kritisiert.

Harley-Davidson

Kein Geringerer als der US-Präsident Donald Trump persönlich rief zum Boykott von Harley-Davidson auf. Er lobte Motorradbesitzer, die das Unternehmen meiden wollen, sollte es einen Teil der Produktion ins Ausland verlagern. Trump will Firmen dazu bewegen, wieder mehr in den USA zu produzieren und dort Jobs zu schaffen. Harley-Davidson mache hingegen einen “schlechten Zug”.

Dolce & Gabbana

Man sollte meinen, dass Domenico Dolce und Stefano Gabbana nach all den kleineren und größeren Desastern, die vor allem Gabbana immer wieder strittigen Äußerungen schon angerichtet hat, mittlerweile ein bombensicheres Marketing- und Krisenmanagement an der Seite haben. Und doch ist es wieder passiert: Im November veröffentlichte das Label im Vorfeld ihrer geplanten Modenschau in Shanghai zwei Werbevideos, die ein chinesisches Model beim erfolglosen Versuch zeigen, italienische Cannoli und Pizza mit asiatischen Essstäbchen zu essen.

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Doch diese dumpfen ethnischen Stereotypen waren nur die Spitze des Eisbergs. Die Wogen der Entrüstung in der asiatischen wie auch restlichen Welt schwappten über, nachdem auf dem Fashion-Instagram-Account Diet Prada eine Directmessage-Unterhaltung zwischen Stefano Gabbana und einer Nutzerin veröffentlicht wurde, in der Gabbana China als „Scheißland“ und als „ignorante dreckige stinkende Mafia“ beleidigt haben soll. Das Designer-Duo entschuldigte sich für die Werbevideos, hielt aber an der Aussage fest, dass letztere Aussagen nicht von Gabbana selbst stammten – ihr Instagram-Account sei gehackt worden.

Den Abgasskandal haben viele Verbraucher VW noch nicht verziehen. (Bild: Getty Images)

VW

Die Verbraucher sind nach wie vor stocksauer über die Vertuschung und verantwortungslose Handhabung des VW-Skandals. Nach einer Umfrage des Forschungsinstitut Quotas zufolge sind 56,4 % eher unzufrieden oder vollkommen unzufrieden mit der Aufarbeitung des VW-Skandals. Für 47,9 % kommt der Kauf eines VW-Autos nicht in Frage – und als ausschlaggebenden Grund geben 48,2 % den VW-Abgasskandal an.