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Diese Staatsanwältin will Juul zur Verantwortung ziehen

Die Generalstaatsanwältin von New York legte sich schon mit T-Mobile und Donald Trump an. Nun knöpft sich Letitia James den Vaping-Riesen Juul vor.

Zügig schreitet Letitia James im dunkelblauen Kostüm zum Holzpult. Vor ihr prangt das Wappen der Generalstaatsanwaltschaft von New York, hinter ihr steht die US-Flagge, links und rechts stehen Tafeln mit Grafiken. Eine zeigt den rasanten Anstieg der Zahl jugendlicher E-Zigaretten-Raucher.

Auf der anderen ist die Werbung des Vaping-Start-ups Juul zu sehen: junge, attraktive Menschen mit E-Zigarette und der Slogan „Vaporized“. Die 61-Jährige will den Zusammenhang klarmachen. „Wir verklagen Juul, weil sie mit ihrem Marketing absichtlich auf Jugendliche abzielen.“

Erst vor einem Jahr ist Letitia James mit großer Mehrheit zur Generalstaatsanwältin des Bundesstaats New York gewählt worden. Der Posten ist einflussreich, bekannte Vorgänger waren Eliot Spitzer oder Andrew Cuomo, die beide später Gouverneure von New York wurden. James ist nicht nur die erste Frau, sondern auch die erste schwarze Person, die den Posten des Justizministers auf der Ebene des Bundesstaats innehat.

In kurzer Zeit sorgte James für Aufsehen. So klagte sie gegen die Übernahme von Sprint durch die Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobile. Sie legte sich mit Pharmafirmen an, die die Opioid-Epidemie mitverursacht haben. Aber auch Facebook und die Waffenlobby NRA hat James im Visier. Jetzt ist es der größte Vaping-Hersteller Juul.

In ihrem Job als Staatsanwältin kann sie Missetäter direkt angehen. Im Fall der Nikotinsucht und mysteriösen Lungenkrankheiten unter Vaping-Nutzern war der Tod eines 17-Jährigen in der Bronx ausschlaggebend. „Da war mir klar, dass wir etwas tun müssen.“ Selbst wenn die bislang mehr als 40 Todesfälle in den USA nicht direkt auf Juul-Zigaretten zurückgingen, „so muss Juul mit seinem Marktanteil dennoch die Verantwortung übernehmen“, ist James überzeugt.

Statt sich als Ersatzdroge für Tabakraucher zu positionieren, habe Juul mit seiner coolen Werbung, seinen fruchtigen Geschmackssorten und seinen Partys in New York und den Hamptons eindeutig auf Teenager abgezielt. Dabei habe das Unternehmen die E-Zigaretten als sicher vermarktet und den Nikotingehalt und die Suchtgefahr verschwiegen.

„Sie haben sich des Drehbuchs von Big Tobacco bedient“, sagt James. Sie klagt auf Unterlassung des bisherigen Marketings und auf Übernahme der Kosten, die dem Bundesstaat New York durch die Vaping-Sucht entstehen. Außerdem soll Juul in einen Fonds einzahlen, der Süchtigen hilft. „Wir wollen das Vertrauen der Gesellschaft wiedergewinnen“, zeigte sich Juul in einer Stellungnahme reumütig.

James ist eine der Schlüsselfiguren bei den Klagen der US-Bundesstaaten gegen T-Mobile. Sie ist überzeugt, dass T-Mobile mit der Fusion höhere Preise für Verbraucher durchsetzen will. T-Mobile kündigte jetzt neue Investitionen im Bundesstaat an, um James milde zu stimmen. Vergeblich. „Investitionen sind immer gut. Aber sie ändern nichts an den kartellrechtlichen Bedenken“, sagte James.

Beim Thema Opioid-Epidemie hat sie ihre Hartnäckigkeit bereits bewiesen. Unter anderem hat sie die Sackler-Familie des Oxycontin-Herstellers Purdue auf Milliarden Dollar verklagt und gibt sich bisher mit deren Vergleichsangeboten nicht zufrieden.

Selbst mit Präsident Donald Trump legt sie sich an. Vor wenigen Tagen musste Trump zwei Millionen Dollar zahlen, weil er 2016 Geld von seiner gemeinnützigen Trump Foundation für die Präsidentschaftswahlen ausgegeben hatte. James lässt nicht so schnell locker. Schon in ihrer Antrittsrede hatte sie angekündigt: „Als Generalstaatsanwältin von Trumps Heimatstaat werde ich ein grelles Licht in jede dunkle Ecke seines Immobilienimperiums und in jeden Deal scheinen lassen.“

Aufgewachsen mit sechs Geschwistern in Brooklyn hat James öffentliche Schulen und gegen den Willen des Vaters das College besucht. Ihren Jura-Abschluss erwarb sie an der Howard University in Washington, einer der ältesten US-Universitäten. Als Juristin und Aktivistin hat sie sich in verschiedenen Organisationen und Positionen für die Rechte von Verbrauchern und insbesondere von Afroamerikanern eingesetzt. Mit der „Working Families Party“ schaffte sie es als erste Vertreterin einer dritten Partei in den Stadtrat.