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Diese sechs Dinge machen einen guten Zuhörer aus

·Lesedauer: 5 Min.

Vielleicht kennt ihr die folgende Situation: Ihr sprecht mit jemandem, eventuell sogar über ein Thema, das euch besonders wichtig ist. Doch euer Gesprächspartner scheint irgendwie nicht konzentriert zu sein. Ständig linst er mit einem Auge aufs Smartphone, das direkt vor ihm auf dem Tisch liegt und regelmäßig aufleuchtet. Nervig, oder?

Wenn euch das bekannt vorkommt oder ihr euch vielleicht manchmal selbst in der Rolle derjenigen Person ertappt, die ihrem Gegenüber nicht wirklich aufmerksam zuhört, dann wisst ihr um das Problem, um das es in diesem Text gehen soll: Viele Menschen hören von Zeit zu Zeit nicht richtig zu. Auch, wenn sie das oft nicht merken – oder nicht zugeben können.

Dabei ist die Fähigkeit, anderen zuzuhören, eine Kompetenz, die uns selbst und unserem Umfeld viel bringt. Der Harvard-Wissenschaftler und Verhandlungsexperte William Ury etwa hat dazu geforscht, in welchem Zusammenhang gutes Zuhören und Verhandlungserfolg im Gehaltsgespräch stehen. Sein Ergebnis: Wer dem oder der Vorgesetzten richtig zuhören kann, bekommt schneller seine Gehaltserhöhung als jemand, dessen Strategie sich rein auf rationale Argumente konzentriert.

Und auch die andere Seite – also die Menschen, denen ihr zuhört – profitieren, wenn ihr darin gut seid. So fanden US-amerikanische Forscherinnen und Forscher heraus, dass Menschen, die sich darauf verlassen können, dass ihnen in schwierigen Lagen stets jemand aufmerksam zuhört, ein geringeres Demenzrisiko haben. Wer Freundinnen und Freunde um sich hat, die gute Zuhörer sind, dessen Gehirn altert langsamer. Das schreiben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihrer Studie, die im Fachmagazin „Jama“ veröffentlicht wurde.

Ihr seht also: Gut zuhören zu können, das bringt viele Vorteile. Doch was umfasst gutes Zuhören eigentlich genau? Es gibt dazu eine recht gängige Auffassung, die beispielsweise in Coachings vielen Führungskräften nahegebracht wird. In Gesprächen mit ihren Mitarbeitenden, so der verbreitete Ratschlag, sollten sie vor allem drei Dinge beachten: ihr Gegenüber nicht unterbrechen; Mimik und bestimmte Laute nutzen (etwa: „Hmmhm“ sagen und dazu nicken); und Teile des Gesagten wiederholen (etwa: „Ich verstehe, du meinst also, wir sollten …“).

Zwei Experten, die sich damit auskennen, finden allerdings: Es gehört viel mehr dazu. Die Rede ist von Jack Zenger und Joseph Folkman, US-Amerikaner und Chefs von Zenger/ Folkman, einer Beratung für Führungskräfteentwicklung. Für eines ihrer Leadership-Programme haben die beiden sich mit der Frage beschäftigt, was gutes Zuhören ausmacht – und darüber einen Artikel für die „Harvard Business Review“ geschrieben.

In ihrer Analyse, über die sie dort berichten, sind sie zu dem Ergebnis gekommen: Nicken, „Hmhm“ sagen und Dinge wiederholen – das reiche nicht, um jemanden zu einem guten Zuhörer oder einer guten Zuhörerin zu machen. Zenger und Folkman hatten zuvor die Daten von 3500 Teilnehmenden eines Management-Trainings ausgewertet. Sie alle waren von ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern darin bewertet worden, wie gut sie zuhören konnten. Die beiden Experten schauten schließlich, was die besten fünf Prozent der Teilnehmenden vom Durchschnitt unterschied.

Aus den Ergebnissen leiteten die beiden dann ab: Gutes Zuhören, das habe im Wesentlichen sechs verschiedene Dimensionen. Alle bauten aufeinander auf; meistens seien wir Menschen in den jeweiligen Dimensionen aber unterschiedlich gut. Und das sind Zengers und Folkmans sechs „Dimensionen des Zuhörens“:

Dimension eins: das richtige Umfeld schaffen

Das ist besonders wichtig, wenn es eurem Gegenüber um ein heikles oder emotionales Thema geht. Ein Beispiel: Ihr schließt in der Wohnung die Tür zu dem Raum, in dem ihr und euer Gesprächspartner euch befindet – um der anderen Person die Angst zu nehmen, dass eure Mitbewohnerin oder euer Partner im Nebenzimmer etwas mitbekommen könnten, das nicht für ihre oder seine Ohren bestimmt ist.

Dimension zwei: keine Smartphones

Weg. Mit. Elektrogeräten. Zumindest, wenn ihr jemandem wirklich Aufmerksamkeit schenken wollt. Wer sein Handy oder seinen aufgeklappten Laptop mit ins Gespräch nimmt, wirkt auf das Gegenüber nicht so, als würde er gern und gespannt zuhören. Und selbst, wenn ihr gute Absichten habt: Ihr wärt automatisch abgelenkter als ihr es ohne die Geräte wärt, schreiben Jack Zenger und Joseph Folkman in ihrem Artikel.

Dimension drei: den Inhalt verstehen

Wer ein ehrliches Interesse am Inhalt dessen hat, was ihm sein Gegenüber gerade erzählt, ist ein guter Zuhörer. Um wirklich zu verstehen, worauf eine andere Person hinauswill, hilft es zum Beispiel tatsächlich, Fragen zu stellen oder Gesagtes zu wiederholen („Habe ich das richtig verstanden, du meinst …“).

Dimension vier: die Körpersprache deuten

Auch beim Zuhören ist die Körpersprache ein wichtiger Faktor. Gute Zuhörerinnen und Zuhörer achten nicht nur auf das, was ihr Gegenüber sagt, schreiben Jack Zenger und Joseph Folkman. Sie schauen auch darauf, wie die andere Person guckt, ob sie gebeugt oder aufrecht sitzt oder ob ihr Atem besonders schnell geht. Daraus können sie ableiten, wie es ihrem Gegenüber geht – was uns direkt zur nächsten Dimension führt.

Dimension fünf: Empathie zeigen

Gerade, wenn es um emotional aufgeladene Themen geht – wie Beziehungsprobleme, Sorgen im Job oder einen Konflikt mit einem nahestehenden Menschen – ist diese Dimension des Zuhörens wichtig. Eine gute Zuhörerin spürt, was ihr Gegenüber gerade fühlt. Sie erkennt diese Gefühle an, urteilt nicht darüber und lässt die andere Person spüren, dass ihre Emotionen in Ordnung sind.

Dimension sechs: Mehrwert bieten

Hiermit ist gemeint, dass ihr als guter Zuhörer oder gute Zuhörerin eurem Gegenüber helft, die Dinge in einem neuen Licht zu betrachten, schreiben Jack Zenger und Joseph Folkman. Das kann bedeuten, dass ihr bestimmte Vorschläge macht oder Ansichten eures Gegenübers hinterfragt – aber konstruktiv, nicht (ab)wertend. Achtung: Wer Gespräche allerdings an sich reißt und dem Gegenüber die eigenen Gedanken, Ideen und Lösungsansätze überstülpt, denkt dabei vor allem an sich selbst – und ist, ihr ahnt es, kein besonders guter Zuhörer.

Niemand schafft es wohl, ständig in allen sechs Dimensionen zu 100 Prozent zu „performen“. Aber vielleicht habt ihr beim Lesen ein Bauchgefühl dafür bekommen, was ihr schon gut könnt – und wo möglicherweise eure Schwächen liegen. Probiert doch, auf diese Dimension – welche der sechs es auch immer sein mag – in eurem nächsten längeren Gespräch besonders zu achten.

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