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Diese Medizinstudentin steht stundenlang im OP – danach baut sie ihr Startup auf

·Lesedauer: 3 Min.
Baut ihr Startup bislang mit eigenen Mitteln auf: Gründerin Tabea Schwirblat.
Baut ihr Startup bislang mit eigenen Mitteln auf: Gründerin Tabea Schwirblat.

Acht Stunden täglich im Operationssaal sind derzeit der Alltag der Dresdner Medizinstudentin Tabea Schwirblat. Danach folgt meist die zweite Schicht. Denn die 25-jährige verbindet ihr klinisches Praktikum mit dem Aufbau eines Social-Health-Startups. Ihre Firma Seelischerstehilfeleisten.com mit dem grünen Kreuz im Logo will Vorurteile gegen psychisch Kranke abbauen und deren Angehörigen kompetente Hilfe bieten.

In der Corona-Krise stürzten viele Menschen in Existenznöte und Depressionen. Seitdem boomen auch Startups für Digital Health oder im sozialen Bereich. Schon vor der Pandemie zählte die Online-Plattform social-startup.de „deutlich mehr“ Startups im Bereich Social Entrepreneurship.

„Es gibt eine stille Pandemie der seelischen Erkrankungen“

Wir treffen Tabea nach ihrer Arbeit im Klinikum Friedrichstadt in der Dresdner Neustadt. „Gegründet habe ich Anfang des Jahres, beraten vom Gründerservice der TU Dresden, wo ich im letzten Studienjahr studiere“, erzählt sie. Ihr Startup bietet Kurse für psychische Gesundheit an. „Unser Angebot richtet sich nicht an Betroffene zur Selbsthilfe, sondern für deren Angehörige und alle Interessierten. Es klärt auf, nimmt Vorurteile, nennt qualifizierte Ansprechpartner“, so die gebürtige Rostockerin.

Ihre Zielgruppe umfasst alle Altersgruppen und sozialen Schichten. Laut Schwirblat leidet die Gesellschaft nicht nur unter der Corona-Pandemie, sondern auch an einer „stillen Pandemie der seelischen Erkrankungen.“ Studien zufolge bekommen nur etwa 40 Prozent der psychisch kranken Menschen in der Bundesrepublik eine leitliniengerechte Behandlung. „Diese Behandlungslücke möchte ich schließen helfen“, sagt Schwirblat. Sie spricht offen darüber, dass auch sie als Schülerin unter einer psychischen Krankheit litt, trotz Genesung Vorurteile erlebte. „Diese persönliche Erfahrung hilft mir bei der Konzeption der Kurse.“

Problem: Bei der Finanzierung und in der Gunst von Business Angels stehen die Social-Startups noch weit hinter den Tech-Unternehmen zurück. Vielmehr tun sich Fördermittelgeber schwer bei der Finanzierung. Zumal Schwirblats Gründung ein Zwischending zwischen Digital Health und Sozial Startup darstellt. Doch das begehrte Exist-Stipendium, das der Bundeswirtschaftsminister für Gründungen aus Unis und Forschung ausreicht, kam für sie nicht infrage. „Dazu hätte ich technologielastiger sein müssen“, erklärt die Gründerin. Dazu hätte sie etwa eine neue App auf den Markt bringen müssen wie zahlreiche Digital-Health-Firmen wie etwa Mysugr (für Diabetiker) oder Qolware mit der Gesundheitsüberwachungs-Software Lola für Smartwatches und Smartphones.

Ihre Website hat sie selbst programmiert

Auch eine Zertifizierung bei Krankenkassen gestalte sich schwer, da sich die Kurse nicht an Patienten direkt richten. Wie stemmt man also ein Startup, für das man nicht Millionen Euro bei Investoren einsammeln kann? „Angefangen habe ich mit privatem Kapital“, erklärt die Studentin, die sechs freiberufliche Mitarbeiter hat. Sie brachte sich Web-Design und Programmierung für ihre Internetseite selbst bei. „Alles was wir einnehmen wird reinvestiert, zum Beispiel in Honorare, Neuentwicklungen, Werbung.“ Das Startup wachse dynamisch, so die Gründerin „Je nach Kursangebot, -nachfrage und unseren Kapazitäten“. Dazu bekommt die junge Frau vom Gründerservice der TU Dresden Hilfe bei Business- und Finanzierungsplänen.

Die ersten bundesweiten Online-Kurse liefen bereits. 49 Euro für werden für sechs Stunden fällig, Ermäßigte zahlen mit 29 Euro entsprechend weniger. Neu bietet sie einen Workshop zu „Kommunikation bei häuslicher Gewalt“ an. Ihre Zukunft plant Schwirblat weiterhin als ein Mit- und Nebeneinander zwischen ihrer Arbeit als Medizinerin und ihrem Startup. „Mein Wunsch ist es, die Weiterbildung zur Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie zu absolvieren und das Startup weiter auszubauen.“

Sie hat gute Chancen. Laut dem Statistikportal Statista werden bis 2025 in Deutschland rund 57 Milliarden Euro mit Digital Health umgesetzt. Das weltweite Marktvolumen wird auf 825 Milliarden Euro geschätzt. Deutschland hinkt hinterher. Derzeit haben drei von vier Digital Heath-Startups ihren Sitz in den USA. Der Beirat Junge Digitale Wirtschaft beim Bundeswirtschaftsminister kritisierte in einem Positionspapier zu „E-Health/Digital Health“ den Mangel an auf Digital Health zugeschnittenen Förderprogrammen. Der Beirat fordert auch die verstärkte Finanzierung über die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und Abbau regulatorischer Bremsen. Womöglich ändert sich schon bald nach der Bundestagswahl im Herbst etwas. Dann würde auch Tabea Schwirblat profitieren.

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