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Diese Kampagne über Plastikmüll im Meer schockt das Netz

Yasemin Kulen
Freie Autorin

Eine neue Kampagne, die Verbrauchern von Plastikmüll die unbequeme Wahrheit vor Augen führen möchte, schockiert die Internetgemeinde – und ruft auch Wissenschaftler auf den Plan. Sorgen solche Bilder wirklich zum Umdenken?

Diese Kampagne der gemeinnützigen Organisation Sea Shepherd schockiert Nutzer im Internet. Dargestellt sind Fotomontagen von erstickenden Tieren. (Bild: Sea Shepherd)

Jährlich landen rund acht Millionen Tonnen Plastikmüll im Meer. Dass dies für die dort lebenden Tiere und Organismen sehr schädlich ist, wird jedem bekannt sein. Doch geändert hat sich trotz des Wissens über diese Umstände in der Vergangenheit nicht viel. Dem möchte die Umweltschutzorganisation Sea Shepherd gemeinsam mit Tribal Worldwirde nun entgegenwirken und veröffentlicht schockierende Fotomontagen von Robben und Seeschildkröten, die an Plastiktüten ersticken. So sollen aus abstrakten Zahlen eben ganz konkrete Bilder werden und die Verbraucher dafür sensibilisieren, wie schädlich ihr Müllkonsum ist.

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“Das Plastik, das du einmal benutzt, schadet den Ozeanen für immer”, steht neben den Bildern der Kampagne. Paul Watson, der Präsident von Sea Shepherd sagt dazu: “Wissenschaftler warnen, dass schon 2050 mehr Plastik als Fische im Meer sein werden. Wir wollen das verhindern. Denn wenn die Ozeane sterben, sterben auch wir.” Und auch Guiga Giocamo von Tribal Worldwide sagt: “Leider kann eine kleine Sache aus unserem Alltag unglaublichen Schaden anrichten, ohne dass wir es merken.“


Schockierende Bilder zur Abschreckung zu nutzen ist nun nichts Neues. Dies hat auch der britische Professor für Konservierungswissenschaften an der University Essex, Brendan Godley, bemerkt und stellt eine Frage an seine Twitter-Follower in den Raum: „Mich würde einmal interessieren, ob die Leute mit diesem Stilmittel einverstanden sind.“


Timur Jack-Kadıoğlu, Doktorand an derselben Universität, gibt die Frage zurück: “Werden die Leute vielleicht desensibilisiert, so wie das mit Plakaten von Kampagnen zur Menschenhilfe geschehen ist?“ Das Problem, das der Wissenschaftler hinter den Bildern sieht: Hier wird eine menschliche Foltermethode abgebildet, die seiner Meinung nach nicht die Realität widerspiegelt.

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Auf dem Twitter-Account von Sea Shepherd wird schnell klar, dass die Umweltschutzorganisation nicht viel von der Kritik hält: “Ja, lasst uns noch mehr über die Bildauswahl diskutieren anstatt über die Möglichkeiten, wie man Tierleiden – das von Müll verursacht wurde – verhindern kann.” Der Wissenschaftler entgegnet, dass es sich nicht um eine Diskussion handele, ob man eine solche Kampagne überhaupt starten sollte, aber man sich dennoch Gedanken um die Wirksamkeit einer solchen machen solle und ob so etwas nicht nach hinten losgehen könnte.

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