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Diese Grafiken offenbaren die neue Ordnung der europäischen Flughäfen

·Lesedauer: 4 Min.

Trotz der erneuten Reisebeschränkungen leidet Europas Flugbranche im zweiten Lockdown deutlich weniger als im ersten. Eine exklusive Übersicht zeigt, welche Flughäfen sich sogar erstaunlich gut schlagen.

 Foto: dpa, Montage
Foto: dpa, Montage

Die Stadt Mostar im Süden von Bosnien-Herzegowina kannte man in der Reiseindustrie bislang vor allem für die rekonstruierte mittelalterliche Brücke über den Fluss Neretva. Nun erlangt der malerische Ort zumindest in der Flugbranche neue Bekanntheit – und einen neuen traurigen Spitzenplatz: Der örtliche Flughafen leidet in Europa am meisten unter der Coronakrise. Hatte der Medunarodni Aerodrom genannte Landeplatz im Herbst 2019 im Schnitt noch zwei Flüge am Tag, sind es nun nur zwei Landungen pro Woche. Und im Schnitt ist dabei nicht mal ein Passagier an Bord. Allerdings: Das ist zwar ein Minus von 99,7 Prozent, aber es ist immer noch besser als im Frühjahr. Da blieb der Flughafen Mostar ganz geschlossen.

Die Tendenz ist bei fast allen Mitgliedern im Europäischen Flughafenverband ACI Europe, dem auch Israel und die Türkei angehören, ähnlich. Laut einer exklusiven Übersicht für die WirtschaftsWoche trifft die zweite Coronawelle die rund 250 angeschlossenen Landeplätze hart. Zuletzt lag das Branchenminus bei einem Viertel, immerhin 70 Flugplätze hatten im Vergleich zu 2019 nur noch gut 40 Prozent der Kunden. Doch das ist besser als im ersten Lockdown. Im vergangenen April etwa sackte die Passagierzahl im Schnitt auf fast ein Prozent des Vorjahreswerts ab und lediglich drei Airports hatten einen Passagierrückgang auf gut 40 Prozent.

Verändert hat sich dabei Reihenfolge der größten Flughäfen. Eine Grafik mit den monatlichen Flugbewegungen zeigt, wie turbulent die Führungsplätze wechselten.

Die bisher größten ACI-Unternehmen wie London-Heathrow, Paris-Charles de Gaulle oder Amsterdam verloren die Führung. Zwischenzeitlich war Frankfurt sogar kurzfristig mal der größte Landeplatz in Europa.

Doch seit dem Sommer stehen nun vor allem ACI-Mitglieder Flughäfen aus dem Osten und Süden vorne. Mit dem Flughafen Istanbul, dem nach der ersten Kampfpilotin der Welt Sabiha Gökçen benannten Billigairport Istanbuls und dem Flughafen Antalya führen gleich drei türkische Unternehmen die Liste an – vor den drei größten Moskauer Flughäfen Scheremetjewo, Domodedowo und Wnukowo. Damit löst die russische Metropole London als größter Flugmarkt Europas ab. Dazu schaffte es der Flughafen St. Petersburg – neben Antalya noch eine Beteiligung des Fraport-Konzerns – in die Top-Ten. Er liegt damit nun einen Platz vor der bislang größten Fraport-Tochter: Frankfurt am Main.

Für die Veränderung sorgt eine grundlegende Verschiebung im Flugmarkt. Rund 6000 Flugrouten – oder gut die Hälfte aller Verbindungen – existieren in Europa derzeit weniger als vor der Coronakrise. Das trifft vor allem die auf Umsteiger aus dem Ausland zielenden Airports von London bis Wien. Weil nach wie vor fast keine Interkontinentalreisen möglich sind, leiden sie gleich vierfach. Denn jeder Kunde, der nicht mehr in Richtung USA oder Ostasien aufbricht, zählt wie vier Passagiere: für die Anreise zum Drehkreuz, den Hinflug nach Übersee, die Rückkehr und schließlich die Heimreise nach dem Umsteigen.

Etwas besser schlagen sich im Schnitt meist kleinere Airports mit mehr Regionalverkehr. Das zeigt vor allem ein Blick auf die aktuell größten Flughäfen aus Russland und der Türkei, die teilweise nur ein Drittel des Verkehrs eingebüßt haben. Sie leben vor allem von Verbindungen ins Inland und Europarouten. Besonders erstaunlich: Laut einer Übersicht des Schweizer Datendienstleisters CH-Aviation verdanken sie ihren relativ geringen Verlust auch den gegenseitigen Verbindungen – etwa von Moskau in die Feriengebiete von Izmir oder Antalya. Zu den Topverbindungen in Istanbul zählen zudem Flüge nach Deutschland und den Iran.

Die zweite Gruppe mit vergleichsweise geringen Verlusten sind Flughäfen mit Billigfliegern. So hat den geringsten Rückgang derzeit Pardubice in Zentral-Tschechien. Dank der starken Präsenz des osteuropäischen Preisbrechers Wizz Air lag die Passierzahl hier zuletzt lediglich 4,3 Prozent unter Vorjahr. Allerdings sind die Billigflieger etwas unsichere Anbieter. Sie stellen unrentable Flüge deutlich schneller ein als etablierte Linien. Darum verzeichneten etwa Ryanair-Hochburgen wie Dublin oder Girona bei Barcelona zuletzt überdurchschnittliche Rückgänge.

Vergleichsweise wenig Verluste an Passagieren haben schließlich Flughäfen in etwas schwer zu erreichenden Regionen. Das gilt vor allem für den Norden Norwegens, wo wie bei Mosjøen, Vadsø oder erst recht Hammerfest nördlich des Polarkreises. Die Alternative zu einem Flug nach Oslo wäre eine fast 24-stündige Autofahrt, die größtenteils durchs Nachbarland Schweden führt. Aber auch Inselziele wie Palermo auf Sizilien oder Calvi auf Korsika verlieren vergleichsweise wenig.

Die neue Rangfolge mit den Spitzenplätzen für Russland oder die Türkei wird jedoch wohl nur vorübergehend sein, glaubt Lufthansa-Chef Carsten Spohr. „Wenn das Fluggeschäft im kommenden Jahr wieder anzieht, werden davon vor allem die großen Drehkreuze profitieren“, sagt der Manager.

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