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Diese Gründerinnen wollen ein großes Problem im Profisport lösen

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Laura Elbers (l.) und Lina Soffner.
Laura Elbers (l.) und Lina Soffner.

Es ist erst wenige Tage her, dass norwegische Beach-Handballerinnen eine Strafe zahlen mussten, weil sie ein Match nicht im kurzen Bikinihöschen austragen wollten. Seither tobt einmal mehr die Debatte um die deutlich knappere Sportbekleidung von Frauen im Vergleich zu den Trikots der männlichen Kollegen. Sportlerinnen erlebten Sexismus, heißt es. Die Debatte um die Trikots von Frauen ist aber nur die Spitze des Eisbergs. Sportlerinnen erleben nämlich nicht nur Sexismus, wenn es um ihre Bekleidung geht. Sie werden deutlich schlechter bezahlt als männliche Sportler, erlangen viel weniger Sichtbarkeit und finden schwerer Sponsoren. Eine Ungerechtigkeit, der das frisch gegründete Startup Equalchamps entgegentreten möchte.

Die Olympischen Spiele in Tokio stehen vor der Tür und wieder treten mehrere tausend Athletinnen und Athleten gegeneinander an. Wieder hoffen die Länder auf viele Medaillen und blicken auf ihre Sportstars. Dass die meisten der antretenden Athleten kaum von ihrem Sport leben können, wissen die wenigsten der TV-Zuschauer. Zwar sind Medaillen an Siegesprämien gekoppelt, diese sind aber nicht besonders üppig: Deutsche Sportlerinnen und Sportler kassieren für einen Sieg 20.000 Euro. Sponsorengelder können die Existenz von Athletinnen und Athleten sichern –wenn man denn welche bekommt. Denn: 93 Prozent des Marktvolumens an Sponsorengeldern entfällt auf männliche Sportler.

Die passenden Sportlerinnen sollen den Unternehmen vorgeschlagen werden

"Wir wollen dazu beitragen, dass Frauen im Sport gesehen werden“, sagt Laura Elbers, eine der Gründerinnen von Equalchamps. Equalchamps ist ein Startup, das Sportlerinnen mit Sponsoren zusammenbringen möchte. Dazu erschaffen die Gründerinnen eine Plattform, auf der sich Sportlerinnen oder Mannschaften ebenso wie sponsorenwillige Unternehmen anmelden können. Basierend auf den Profildaten der angemeldeten Nutzer sollen beide mithilfe eines Algorithmus miteinander gematcht werden. Dabei geben die Sportlerinnen an, welche Art von Sponsoring sie suchen und geben einen kleinen persönlichen Einblick über die eigene Motivation zum Sport. Die Unternehmen bekommen dann die Frauen vorgeschlagen, die sie am besten repräsentieren. So sollen beide Parteien möglichst leicht zusammenfinden. Aktuell befindet sich die Plattform noch im Aufbau, der Launch der ersten Version sei für September dieses Jahres geplant, gibt Lina Soffner an, die Mitgründerin von Elbers. Nach und nach wolle man das Produkt um weitere Features erweitern.

Neben der Verkupplung von Athletinnen und Unternehmen plant Equalchamps eine Medienstrategie, bei der das Startup Kooperationen mit Online- und Printmedien eingeht, um die Sichtbarkeit von Sportlerinnen zu fördern. "Wir sehen uns selbst als Social Startup", sagt Soffner. "Davon gibt es auch immer noch nicht so viele, da wollen wir Vorbild sein." Gemeint sei damit, dass sich das Startup den Entwicklungszielen der UN verschreibt, indem es die Gleichstellung der Geschlechter fördert. Obwohl die Plattform des Startups noch nicht am Markt ist, hat Equalchamps schon erste Sportlerinnen im Portfolio. Dazu zählen zum Beispiel Eishockey-Spielerinnen, Basketballerinnen, Fechterinnen sowie eine Bobfahrerin und sogar ein Ruder- und ein Curling-Team suchen über das Unternehmen bereits Sponsoren, auch ohne ausgefeilten Algorithmus.

Offiziell gegründet haben Laura Elbers und Lina Soffner ihr Startup erst Anfang Juli dieses Jahres. Die Idee zu Equalchamps verfolgen die beiden aber schon länger. Im Rahmen ihres Studiums in Lüneburg sind die Gründerinnen auf die Idee gekommen, erzählen sie. Sie waren außerdem Teil des 6. Batches eines Oldenburger Accelerator-Programms. Ein Investment hat das junge Startup bis dato noch nicht erhalten, Elbers und Soffner haben aber den ersten Business Angel an Bord, der die Entwicklung der Plattform voran treibt.

Sportlerinnen sind häufiger auf Instagram aktiv

"Viele denken bestimmt: Okay, damit wollen die Geld verdienen?", sagt Soffner. "Wer will denn schon Frauen im Sport sponsoren? Aber das hält uns nicht ab, es zu versuchen." Eine Strategie, ihre Idee zu monetarisieren, haben die beiden Gründerinnen immerhin. Geld verdienen wollen sie nämlich klassisch, indem sie eine Provision der vermittelten Sponsorengelder einbehalten. Dass es genug Unternehmen gibt, die Sportlerinnen sponsoren wollen, bezweifelt Elbers nicht. Immerhin werde es immer wichtiger für Unternehmen und sogar zum Wettbewerbsvorteil, wenn sie eine klare Haltung zeigen und sich zu den Werten Gleichheit und Gleichberechtigung bekennen. "Außerdem sind Sportlerinnen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen schon häufiger auf Instagram aktiv", sagt Elbers. Das könne unabhängig von Wettkampfzuschauern zu einer wichtigen Plattform werden.

Elbers und Soffner engagieren sich für mehr Geschlechtergerechtigkeit im Sport – aber auch in der Startup-Szene. Sie wissen, dass sie zu einer Minderheit in der deutschen Szene gehören. Das gibt den beiden Antrieb. "Wir wünschen uns Veränderung", sagt Soffner. "Und wir gehen schon einen Schritt, indem wir Teil der Veränderung sind."

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