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Diese Gründer machen schnelle Coronatests möglich

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Bioecho hat ein Reinigungsverfahren entwickelt, mit dem Erbgut schneller analysiert werden kann. Die Nachfrage ist in der Corona-Pandemie groß.

Wer Materialien für Diagnostik-Labore herstellt, kommt am Thema Coronavirus nicht vorbei. Das gilt umso mehr für die Molekularbiologen Frank Schäfer und Markus Müller, die sich 2016 mit dem Life-Science-Start-up Bioecho selbstständig gemacht haben. Sie haben ein Reinigungsverfahren entwickelt, damit DNA – also beispielsweise das Erbgut eines Menschen – schneller analysiert werden kann.

Als die Corona-Pandemie sich im Frühjahr immer weiter ausbreitete, untersuchten die Firmengründer, ob sich ihr Verfahren auch für die Reinigung des Erbguts von Viren, die sogenannte RNA, eignet. „Den Anstoß dazu gaben unsere Kunden, die Labore. Denn weil sie immer mehr Tests durchführen mussten, wurden die dafür notwendigen Materialien knapp“, sagt Frank Schäfer, Managing Director von Bioecho. Das Verfahren des Kölner Unternehmens funktionierte, wie der Einsatz im Labor zeigte.

Der Standardtest für den Nachweis einer akuten Corona-Infektion ist der PCR-Test, der das Erbgut des Virus mithilfe fluoreszierender Stoffe nachweist. Damit das gelingen kann, muss die Virus-RNA aus dem Rachen- oder Nasenabstrich des Patienten isoliert werden. Bei diesem Prozess der Probenvorbereitung wird das Erbgut normalerweise in mehreren Schritten reingewaschen.

Beim Verfahren von Bioecho geschieht das in einem Schritt in der Zentrifuge. Die Probenflüssigkeit wird durch eine Matrix geleitet, die nicht gewollte Materialien wie Zellbruchstücke, Salze oder Proteine quasi wie ein Sieb zurückhält und die RNA durchlässt. Die kann dann in einem nächsten Schritt analysiert werden.

„Eine Probenvorbereitung findet in wenigen Minuten statt und nicht wie bisher üblich in ein bis zwei Stunden“, erklärt Mitgründer Markus Müller. „Außerdem sparen wir gegenüber der herkömmlichen Methode einiges an Verbrauchsmaterial ein, es können bis zu 70 Prozent sein.“ Dementsprechend verringere sich das Volumen des Laborabfalls. Für die Innovationsleistung und auch die Nachhaltigkeit des Verfahrens wurde Bioecho im Oktober vergangenen Jahres auf der Branchenmesse Lab-Innovations in Birmingham ausgezeichnet.

Für das Hamburger Labor Dr. Fenner & Kollegen kamen die Bioecho-Produkte im Frühjahr gerade recht. „Die Präparationsmethode von Bioecho ist für uns als mittelständisches Labor derzeit die einzige Möglichkeit, um die hohen Stückzahlen an Proben, die wir tagtäglich durchführen, zu bewältigen“, sagt Heiko Petersen, Fachbereichsleiter Molekulare Erregerdiagnostik.

Durch die Sars-Cov-2-Testung habe sich die Anzahl der Proben für PCR-Tests um durchschnittlich 1400 am Tag erhöht und damit versechsfacht. „Die großen Diagnostikhersteller kommen angesichts des hohen Bedarfs mit der Produktion von Reagenzien, Pipetten und Röhrchen für die Probenvorbereitung nicht nach und liefern nur Kontingente. Die reichen aber nicht aus“, so Petersen.

Finanziert über Crowdfunding

Für die Fülle an aufzureinigenden Proben für die Coronavirus-Testung nutzt das Unternehmen mittlerweile große Präparationsplatten von Bioecho, die Platz für 96 Röhrchen mit Abstrichproben haben – eine Größenordnung, die sonst in dem Labor nicht zum Einsatz kommt.

Die Bioecho-Gründer Müller, 56, und Schäfer, 54, kennen sich aus gemeinsamen Berufsjahren beim Diagnostikunternehmen Qiagen, das ebenfalls unter anderem auf die Probenvorbereitung spezialisiert ist. Als die beiden promovierten Molekularbiologen beruflich getrennte Wege gingen, hielten sie Kontakt.

2016 kam Müller mit der Technologieidee und einem Businessplan für das neuartige Nukleinsäure-Präparationsverfahren auf Frank Schäfer zu. Der war überzeugt, und beide gründeten Bioecho. Neben eigenem Kapital wurden sie dabei von einigen Business-Angels unterstützt, darunter Ralf Dreßler von Dresinvest, der auch im Beirat des Unternehmens ist. Außerdem sammelte Bioecho damals mehr als 350.000 Euro über Crowdfunding ein. Zwei weitere Finanzierungsrunden folgten, in diesem Jahr sollte es eigentlich noch eine geben.

Aber dank der großen Nachfrage nach den Reinigungskits hat Bioecho zur Jahresmitte den Break-even erreicht. Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen bei einem mittleren einstelligen Millionenumsatz auch einen „ordentlichen Gewinn“, wie es Schäfer formuliert.

Aktuell liefern die Kölner mit 23 Mitarbeitern Material für 100.000 Proben in der Woche aus. In ein bis zwei Monaten soll es das Zwei- bis Dreifache sein. Acht weitere Mitarbeiter sollen noch eingestellt werden, die Zulieferfirmen in Schweden und den USA sind auf den steigenden Bedarf eingestellt.

Qiagen dominiert den Markt

Derzeit konzentriert sich Bioecho auf den europäischen Markt, in Deutschland liefert die kleine Firma nach eigener Schätzung zwischen fünf und zehn Prozent der benötigten Materialien für die Sars-CoV-2-Probenvorbereitung.

Gegenüber Platzhirsch Qiagen mit zuletzt mehr als 1,5 Milliarden Euro Jahresumsatz ist Bioecho aber noch ein sehr kleiner Player. Das Hildener Unternehmen hatte im Frühjahr angekündigt, die Kapazitäten für die Sars-CoV-2-Probenvorbereitungskits bis zum Jahresende auf 20 Millionen Stück pro Monat auszuweiten.

Für Petersen vom Hamburger Labor Dr. Fenner & Kollegen ist das Bioecho-Verfahren nicht nur eine Lösung für kleine Labore, sondere auch für große, um Spitzen der Nachfrage bedienen zu können. „Denn die automatischen Laborgeräte haben einen limitierten Durchsatz pro Tag. Da kann man, wenn man per Hand pipettiert, im Zweifel mehr Proben schaffen“, so Petersen.

Mindestens bis nächstes Jahr im März und April dürfte der Nachfrageschub durch das Coronavirus für das Unternehmen noch anhalten, erwartet Schäfer. Danach will Bioecho das RNA-Reinigungsverfahren für die Extraktion anderer Viren einsetzen, wie etwa Influenzaviren, Hepatitis C oder auch des Norovirus und auch von Bakterien.

Bioecho hat sich aber bereits auch anderweitig Absatzmärkte gesichert: Die Kölner haben einen Vertrag mit einem milliardenschweren Life-Science-Konzern geschlossen, der die Bioecho-Produkte unter eigenen Namen verkauft.

Welcher das ist, darf Bioecho nicht verraten. Aber in den Wachstumsplänen des Unternehmens spiele dieser Vertrag eine wichtige Rolle, sagt Schäfer. 2021 wollen die Gründer einen Umsatz im zweistelligen Millionenbereich erreichen.