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Diese Gründer organisieren Weihnachtsfeiern per Videokonferenz

·Lesedauer: 4 Min.

Ob virtuelles Bier-Tasting oder Kochkurs per Zoom: Die Firma Virtual Teamevents will die Weihnachtsfeiern retten – und neuen Absatz ermöglichen.

Helena Dethlefs hat schon im Frühling an Weihnachten gedacht. Während des ersten Lockdowns merkte die 33-Jährige, die sich bei der IT-Beratung Accenture um das Thema Kulturwandel kümmert, dass das virtuelle Feierabendbier doch eher mühsam ist.

Das müsse doch irgendwie interessanter ablaufen können, dachte sie sich – und rief ihren Bekannten Malte Schwartz an, der für seine Grillkünste bekannt ist. Dieser stellte kurzerhand eine Kamera vor seinen Grill und startete für 30 Accenture-Mitarbeiter eine Videokonferenz. Alle grillten nach seinen Anleitungen – und aßen gemeinsam vor der Webcam.

Die virtuelle Feier kam überraschend gut an, erinnert sich Dethlefs: „Das war keine gezwungene Überstunde mit den Kollegen.“ Ein paar Wochen später entschlossen sich Dethlefs, Schwartz, 36, und der gemeinsame Freund Jendrik Kretschmann, 29, zu gründen: das Start-up Virtual Teamevents. Dethlefs brachte ihre Marketingkenntnisse ein, Schwartz, selbst Unternehmer, kannte die rechtlichen Voraussetzungen, und Kretschmann als IT-Transformationsexperte programmierte die Plattform.

Schon im Sommer ahnten die drei Gründer, dass Firmen ihre Weihnachtsfeiern dieses Jahr nicht in gewohnter Weise abhalten können, sondern auf virtuelle Alternativen ausweichen müssen. Die drei fokussierten sich darauf und planten virtuelle Craftbeer-Tastings, Brotback- oder Kochkurse per Videokonferenz.

Das Konzept war schnell klar: im Vorfeld die Zutaten per Post verschicken und dann unter Anleitung, etwa eines ausgebildeten Biersommeliers oder einer Köchin, einen gemeinsamen Abend vor der Webcam verbringen. Das Ziel: den Firmen eine digitale Weihnachtsfeier und den von der Krise gebeutelten Manufakturen einen neuen Absatzmarkt ermöglichen – und natürlich selbst dabei Geld verdienen.

Die Konkurrenz ist groß

Wer im Internet nach digitalen Alternativen zur Weihnachtsfeier sucht, stößt auf eine Vielzahl von Anbietern, die um die Gunst der Unternehmen buhlen. Das Angebot reicht von der Online-Schnitzeljagd über mehrstündige moderierte Spielshows bis hin zu zahllosen kulinarischen Angeboten. Virtual Teamevents versucht, sich mit ausgewählten Zutaten und Kooperationspartnern sowie wertigen Versandboxen von der Konkurrenz abzuheben.

Und das scheint zu gelingen: Die Nachfrage steige insbesondere seit der Verkündung des Teil-Lockdowns, berichtet Dethlefs. Gerade erst habe ein Autobauer aus dem Dax für 300 Teilnehmer gebucht. Um den Aufträgen nachzukommen, ist Dethlefs auf der Suche nach zwei Werkstudenten.

Bei den Kunden komme das Angebot „Lebkuchenhäuschen und Glühweinnacht“ besonders gut an, erzählt Dethlefs. Eine Konditorin führt durch die virtuelle Veranstaltung und erklärt, wie die Teilnehmer das Eigelb erhitzen müssen, damit das Fundament des Hauses auch hält. Und wer schneller als die anderen baut, kann zwischendurch an dem mitgelieferten Bioglühwein nippen. Auf Wunsch gibt es das Lebkuchenhaus auch in den Farben und mit dem Logo des Unternehmens.

Zweieinhalb Stunden dauert das Lebkuchen-Event, Kosten: 80 Euro pro Person. Das Craftbeer-Event ist für 65 Euro zu haben. Wer das Gourmet-Festtagsmenü mit einer österreichischen Starköchin buchen will, muss schon 160 Euro pro Kopf hinblättern. Bei einer großen Belegschaft kann das schnell teuer werden.

Weihnachtliche Stimmung per Webcam?

Und dann wäre da noch die Frage, ob vor der Webcam überhaupt weihnachtliche Stimmung aufkommen kann. Bernd Fritzges, Chef des Verbands der Veranstaltungsorganisatoren, der rund 600 Veranstaltungsplaner aus großen und mittelständischen Unternehmen vertritt, ist skeptisch: „Weihnachtsfeiern leben vom persönlichen Kontakt, das kann ein digitales Event nicht leisten.“ Bevor Unternehmen krampfhaft etwas buchten, würden sie digitale Alternativen eher ausfallen lassen, schätzt er.

Geschäftsführerin Dethlefs räumt ein, dass ein virtuelles Event ein reales nicht ersetzen kann. Dennoch komme gute Stimmung auf, das würden die ersten Veranstaltungen zeigen. „Die Mitarbeiter fühlen sich wertgeschätzt, wenn sie ein Weihnachtspaket im Auftrag ihres Arbeitgebers bekommen.“

Nach den Weihnachtsfeiern planen Dethlefs und ihre beiden Kollegen auch mit anderen Angeboten, die Firmen etwa für Teambuilding-Maßnahmen buchen können. In der neuen Arbeitswelt nach Corona dürften viele Mitarbeiter von unterwegs arbeiten. Dethlefs sieht deshalb auch nach der Pandemie Wachstumspotenzial. So hat sich das Start-up-Dreigestirn auch schon Gedanken über virtuelle Karnevalsfeiern gemacht.

Das Engagement der drei Gründer ist bemerkenswert, betreiben sie Virtual Teamevents doch neben ihrer Vollzeittätigkeit in den Abendstunden und am Wochenende. Ihren Job bei Accenture möchte Dethlefs nicht aufgeben, sie will in der Beratungswelt Karriere machen. Doch ihr Start-up gebe ihr viel zurück: „Es ist eine unglaublich positive Tätigkeit.“