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Diese fünf Stufen helfen euch, Trauer zu verstehen und einen Sinn im Verlust zu finden

·Lesedauer: 5 Min.

Trauer. Wir alle kennen das Gefühl. Ob bei einer Trennung, einem schlimmen Ereignis oder gar einem Todesfall. Es tritt in unterschiedlichen Ausprägungen und Stärken auf. Und auch der Umgang mit dem Gefühl ist von Person zu Person unterschiedlich.

Trauer ist eine emotionale Reaktion auf einen Verlust. Sie ist oft langwierig und kompliziert. Laut der Psychologin Elisa Robyn kann ein Trauerprozess alle möglichen Gefühle von Besorgnis, Stress, Wut und weitere auf unterschiedliche Weise umfassen.

„Wir können mit Sorgen und Stress und sogar mit Traurigkeit leichter umgehen, wenn wir unsere Perspektive oder unsere Aktivitäten ändern“, erläutert Robyn. „Trauer ist jedoch eine intensive körperliche Reaktion und lässt sich nicht so leicht abmildern.“

Es kann viele Gründe für Trauer geben. Oft denken wir in diesem Zusammenhang an den Tod einer geliebten Person. Aber auch der Verlust des Arbeitsplatzes, das Ende einer Beziehung oder gar ein bedrückendes Großereignis wie die Corona-Pandemie können Menschen in Trauer versetzen.

Weil jeder Mensch dieses Gefühl zu bestimmten Zeitpunkten in seinem Leben erlebt, haben Fachleute im Gesundheitswesen einen Rahmen für die Bewältigung des Trauerprozesses entwickelt. Allgemein ist dieser bekannt als „Die fünf Phasen der Trauer“.

Die fünf Phasen der Trauer

Trauer wird in fünf Phasen eingeteilt: Leugnen, Wut, Verhandeln, Depression und Akzeptanz. Erstmalig ausformuliert wurden die Phasen der Trauer von der Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross in ihrem 1969 erschienenen Buch „Über den Tod und das Leben danach“. Kern des Werkes ist jenes Phasenmodell, mit dem sie das Erleben und Verhalten Sterbender beschreibt.

Nicht jeder erlebt den Trauerprozess auf die gleiche Weise. Die Phasen können in unterschiedlicher Reihenfolge durchlaufen werden und die Intensität jeder einzelnen Phase kann von Person zu Person variieren. Nichtsdestotrotz hilft die Kombination dieser Phasen trauernden Menschen dabei, einen Sinn für Verlust zu finden und das Gefühl zu verarbeiten.

„Trauer als eine Reise, als einen nicht linearen Prozess zu betrachten, ist eine hilfreiche und realistische Art, sich dem Gefühl zu nähern und es zu verstehen“, führt die Therapeutin Ajita Robinson in ihren schriftlichen Ausführungen über Trauer aus.

Die fünf Phasen der Trauer können helfen zu verstehen, wie manche Menschen ihr Gefühl verarbeiten und welche Stadien sie dabei durchlaufen. Typische Verhaltensweisen in den einzelnen Phasen sind:

  • Leugnung: Der Gedanke „das kann doch nicht wahr sein“ oder die Weigerung, die Schwere der Situation zu akzeptieren.

  • Wut: Suche nach einer schuldigen Person für das, was passiert ist, oder Wut über die Ungerechtigkeit der Situation.

  • Verhandeln: Der Versuch, Kontrolle auszuüben, um die Situation zu ändern, auch wenn sie im Allgemeinen außerhalb der eigenen Einflussmöglichkeiten liegt.

  • Depression: Sich zurückziehen, abschalten oder wenig bis kaum motiviert sein. Hinzu kommt die Schwierigkeit, wie gewohnt den Alltag zu leben.

  • Akzeptanz: Die Einsicht, dass man die Situation nicht ändern kann und der Entschluss, mit der Realität des Verlusts zu leben.

Wie ihr mit Trauer umgehen könnt

Unabhängig davon, wie ihr sie erlebt, gibt es einige bewährte Strategien, die dabei helfen können, Trauer zu verarbeiten. Welche Möglichkeiten es gibt, erklärte die klinische Psychologin des Atlanta Veterans Affairs Medical Center, Regina Koepp. Ihr zufolge gehören zu den Bewältigungsmethoden:

  • Das Hinnehmen der Trauer: „Es hilft, das Unbewusste ins Bewusstsein zu holen, so als würdet ihr in einem dunklen Raum ein Licht anmachen“, erläuterte Koepp. In diesem Zusammenhang kann es hilfreich sein, euch die Phasen der Trauer zu vergegenwärtigen, damit ihr eure Gefühle verbalisieren könnt. Trauer ist schmerzhaft. Oft wird sie heruntergespielt oder verdrängt. Vor allem, wenn sie von einer unerwarteten Quelle wie einer Pandemie verursacht wird. Wenn ihr eure Trauer jedoch anerkennt, ist es der erste Schritt, um das Gefühl zu verarbeiten.

  • Teilt euren Kummer mit: „Deshalb gibt es in jeder Gesellschaft und Kultur Traditionen für die Trauerbewältigung. Zu denen gehören in der Regel Rituale oder Gemeinschafts- und Familienveranstaltungen“, führte Koepp aus. Während wir noch immer inmitten einer Pandemie leben und die Kontakte nach wie vor eingeschränkt sind, kann es eine hilfreiche Möglichkeit sein, sich mit Freundinnen und Freunden virtuell zu treffen oder eine Online-Trauergruppe zu besuchen. Es kann sehr ermutigend sein, wenn man merkt, dass andere Menschen das Gleiche durchmachen wie man selbst. „Es schafft ein Gefühl von Zugehörigkeit, das uns stabilisiert, wenn unser Fundament instabil ist“, erklärte Koepp.

  • Verlasst euch auf Rituale: Wie die Psychologin erwähnte, können Rituale — egal ob sie aus der Religion oder Kultur stammen oder sogar selbst erfunden sind — in der Trauerphase sehr wichtig sein. Sie berichtete von ihrer Mutter und ihrem Mann, die im Abstand von nur zwei Monaten starben. Während dieser schweren Phase fand die atheistische Expertin Trost in der jüdischen Tradition Schiwa, einer siebentägigen Trauerzeremonie. Die Effektivität solcher Rituale konnte auch wissenschaftlich bestätigt werden. Eine Studie aus dem Jahr 2017 ergab, dass Trauernde Rituale als sehr hilfreich empfinden, auch wenn sie das Gefühl an sich nicht zwingend lindern.

Wie lange hält die Trauer an?

Laut der Professorin Maureen Keeley von der Texas State University können sich diverse Faktoren auf die Dauer der Trauer auswirken. Zu den Umständen können zählen, ob der Verlust unerwartet oder traumatisch war und welche Unterstützung eine Person während ihrer Trauer erhält.

Sie rät dazu, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, solltet ihr bei merken, dass ihr aufgrund eurer Trauer ungesunde Verhaltensweisen zeigt oder an Depressionen, Angstzuständen oder sogar Suizidgedanken leidet. Dies können laut der Expertin Anzeichen einer sogenannten komplizierten Trauer sein. Behandelt man sie nicht, kann sie auf Dauer zu ungesunden Verhaltensmustern führen, so Keeley.

Bei 15 bis 20 Prozent der trauernden Menschen tritt ein solcher komplizierter Trauerprozess auf, erklärte die Professorin. Während der Pandemie könnte die Zahl sogar noch weiter gestiegen sein, vermutet Keeley, da manche Menschen mehrere unerwartete Verluste auf einmal erleiden und oftmals Schwierigkeiten haben, die neue Realität zu verarbeiten.

Wenn Menschen das Gefühl haben, dass sie nicht trauern „dürfen“, kann der Verarbeitungsprozess ebenfalls länger andauern, sagte Keeley. „Trauer kann sich über Monate oder Jahre ziehen“, erklärte sie. „Die Intensität wird mit der Zeit wahrscheinlich abnehmen, aber wir können im Laufe unseres Lebens immer noch Elemente von Trauer und Verlust erleben.“

Einige Mediziner fügen daher den ursprünglichen fünf Trauerphasen weitere hinzu. Der Trauerexperte David Kessler etwa führte 2019 eine sechste Phase ein: die Suche nach einem Sinn – nicht im Verlust selbst, sondern in dessen Folgen. Die Suche nach dem Sinn sei „eine sehr ermutigende, positive und wichtige Phase“, sagt auch Kelly. „Sie offenbart die Notwendigkeit, inmitten der Dunkelheit, die den Tod einhüllt und uns mit einem dunklen Schleier aus der Trauer bedeckt, nach einem Licht zu suchen.“

Dieser Artikel wurde von Julia Knopf aus dem Englischen übersetzt und editiert. Das Original lest ihr hier.

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