Deutsche Märkte öffnen in 2 Stunden 42 Minuten

Diese 28-Jährige feilte jahrelang an ihrer Geschäftsidee – nun verkauft sie Sextoys aus Porzellan

Alina Eynck (28) studierte Produktdesign und gründete anschließend das Sexspielzeug-Startup Porzelina - Copyright: Fredda Weiler
Alina Eynck (28) studierte Produktdesign und gründete anschließend das Sexspielzeug-Startup Porzelina - Copyright: Fredda Weiler

Sextoys wie Dildos oder Anal-Plugs sind meist aus Silikon, manchmal auch aus Glas oder Metall. An Porzellan dürften die wenigsten denken, wenn es um das Liebesspiel geht. Doch die Gründerin Alina Eynck schwärmt für das Material. Sie verkauft Sextoys aus Porzellan über ihren Onlineshop Porzelina. Porzellan sei unter anderem bruchfest, schadstofffrei, gleitfreudig, hautfreundlich, wassertauglich, passe sich der Temperatur etwa in der Badewanne schnell an und erlaube ergonomische Formen, schwärmt Eynck. Vor kurzem wurde ihre Sexspielzeug-Produktlinie mit dem Red Dot Design Award ausgezeichnet.

Ein Dildo von Eyncks Startup kostet bis zu 134 Euro und damit meist mehr als bei der Konkurrenz Amorelie, Eis, Fun Factory und Co. Der Grund: Die vier verschiedenen Sextoys aus der Produktreihe entstehen in aufwendiger Handarbeit. Das besondere Material wird dabei in mehreren Schritten bei Temperaturen um die 1000 Grad Celsius und mehr gebrannt.

Dafür setzt Eynck auf zwei Porzellan-Manufakturen in Bayern. "Die stellen ansonsten beispielsweise Engel-Figuren aus Porzellan her", erzählt die 28-Jährige im Gespräch mit Gründerszene. Probleme, jetzt auch Sexspielzeug herzustellen, hätten die Bayern aber nicht.

Der Porzellan-Dildo mit dem Namen "Zel" ist eines von vier Produkten im Onlineshop von Porzelina - Copyright: Alina Eynck / Porzelina
Der Porzellan-Dildo mit dem Namen "Zel" ist eines von vier Produkten im Onlineshop von Porzelina - Copyright: Alina Eynck / Porzelina

Die Manufakturen könnten problemlos von jedem Produkt rund 100 Stücke pro Monat herstellen, so die Gründerin. Im Falle von Porzelina sind das also jeden Monat in Summe rund 800 Sexytoys, die beide Betriebe für das Startup produzieren können. Sollten sie an ihre Kapazitätsgrenzen kommen, könne die Gründerin auf weitere Manufakturen ausweichen.

"Ich dachte, als Designerin darf ich keine Sextoys machen"

Eynck ist mit ihrem Onlineshop offiziell erst vor wenigen Wochen, im August, gestartet. Doch die Idee, Dildos aus Porzellan herzustellen, sei ihr bereits vor acht Jahren, während ihres Produktdesign-Studiums gekommen, sagt sie.

Sie sei davon fasziniert gewesen, ließ die Idee dann aber fallen. Sie habe Angst gehabt, stigmatisiert zu werden. "Meine Befürchtung war, dass mein Portfolio nicht divers genug oder zu frivol ist, wenn es nur aus Sextoys besteht", so die Gründerin. "Ich dachte, dass ich als professionelle Designerin kein Sexspielzeug machen darf."

Doch richtig los habe sie der Gedanke der Porzellan-Dildos nie gelassen. Während ihres Master-Studiums für Produktdesign und Prozessentwicklung habe sich herausgestellt, dass man ihre Idee als echtes Produkt professionell angehen könne. Das war 2021 auch Thema ihrer Masterarbeit. Anschließend startete sie den Gründungsprozess. Unterstützt worden sei sie dabei unter anderem von der TH Köln, wo sie ihren Master machte. Zuvor lernte sie die Branche als Praktikantin und Werkstudentin bei Fun Factory in der Produktentwicklung kennen.

Als Firma hinter dem Porzelina-Shop fungiert seit März dieses Jahres die Majursa UG aus Krefeld. Bisher sei ihr Startup ein Ein-Frau-Betrieb, so Eynck. Freunde und Familie würden aushelfen, doch den Großteil der Arbeit – nach eigenen Angaben deutlich mehr als eine klassische 40-Stunden-Woche – bleibe bei der Gründerin.

Mit smarter Technik im Dildo ein Thema für Investoren?

Finanziert wird die Firma derzeit neben den Umsätzen über ein Gründerstipendium des Landes Nordrhein-Westfalen. Das Wirtschaftsministerium finanziert damit "innovative Ideen" bis zu ein Jahr lang mit 1000 Euro im Monat. Beim Anschieben der Umsätze dürfte geholfen haben, dass Eynck und Porzelina einen Artikel in der Bild-Zeitung erhielt (gehört wie Business Insider und Gründerszene zum Verlag Axel Springer). Geld für Onlinemarketing habe Eynck noch keines ausgegeben.

Für weiteres Umsatzwachstum sei Enyck derzeit in Gesprächen mit stationären Händlern in Berlin und Köln sowie Onlineshops, die ihre Produkte mit ins Angebot nehmen könnten. Zudem denkt die Gründerin darüber nach, ihre Produkte um Technik zu erweitern, denn herstellungsbedingt sind größere Gegenstände aus Porzellan meist hohl und bieten Platz für Hardware. Konkret wird Eynck dabei nicht, doch es klingt an, dass es sich um smarte Produkte handeln könnte, die dann auch für Investoren spannend sein könnten.