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Die wichtigsten medizinischen Fortschritte in 2020

Sandra Alter
·Freiberufliche Journalistin
·Lesedauer: 5 Min.

In 2020 blickte die Welt gebannt auf die Entwicklung eines Impfstoffes gegen Covid-19. Kurz vor Weihnachten wurden die Freigaben erteilt – endlich Hoffnung im Kampf gegen die Pandemie. Doch in 2020 gab es noch mehr medizinische Fortschritte zu feiern. Die Wichtigsten im Jahresrückblick.

Scientist working with blood sample in laboratory
(Bild: Getty Images)

Nobelpreis Medizin 2020

Der diesjährige Nobelpreis Medizin geht an drei Forscher, die maßgeblich an der Entdeckung des Hepatitis C-Virus beteiligt waren. Ausgezeichnet wurden der amerikanische Anthropologe Harvey Alter, der britische Biochemiker Michael Houghton und der US-Virologe Charles Rice.

Nobel Committee members Patrik Ernfors (L) and Gunilla Karlsson Hedestam sit in front of a screen displaying the winners of the 2020 Nobel Prize in Physiology or Medicine (L-R) American Harvey Alter, Briton Michael Houghton and American Charles Rice during a press conference at the Karolinska Institute in Stockholm, Sweden, on October 5, 2020. - Americans Harvey Alter and Charles Rice together with Briton Michael Houghton won the Nobel Medicine Prize on Monday for the discovery of the Hepatitis C virus, the Nobel jury said. (Photo by Jonathan NACKSTRAND / AFP) (Photo by JONATHAN NACKSTRAND/AFP via Getty Images)
Die Nobelpreisträger wurden in diesem Jahr bei der Verleihung per Videokonferenz zugeschaltet. (Bild: Getty Images)

Das Hepatitis C-Virus führt zu Entzündungen der Leber und kann unbehandelt tödlich sein. Nach Angaben der WHO sterben jährlich weltweit fast 400.000 Menschen infolge einer Hepatitis-C-Infektion, 71 Millionen sind chronisch infiziert

Nach Auffassung des Nobelkomitees trugen die Forscher maßgeblich zur Entwicklung von Bluttests und neuen Medikamenten bei, womit sie Millionen Menschen das Leben retteten.

Neues menschliches Organ entdeckt

Durch Zufall entdeckten niederländische Wissenschaftler am Netherlands Cancer Institut bei Studien zu Prostatakrebs ein neues Organ im Kopf des Menschen.

Bislang war die Medizin davon ausgegangen, dass die Anatomie des Menschen vollständig erforscht sei. Seit über 300 Jahren wurde nichts Neues mehr entdeckt. Bei dem aktuellen Fund der Niederländer handelt sich um bisher unbekannte Speicheldrüsen im Nasen-Rachen-Raum.

Die Entdeckung könnte vor allem für Tumor-Patienten eine Rolle spielen. So ließe sich vielleicht erklären, warum Menschen, die wegen einer Krebserkrankung eine Strahlentherapie am Kopf oder Hals bekommen, häufig unter trockenem Mund und Schluckproblemen leiden.

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Alterungsprozess umkehren

Ewig jung? Was, wenn sich der Alterungsprozess einfach umkehren ließe? Israelische Forscher der Universität Tel Aviv haben genau das geschafft. Dafür haben die Wissenschaftler ein simples Mittel angewandt: Sauerstoff.

Hintergrund: Verantwortlich für das Altern sind die Schutzkappen der Chromosomen, sogenannte Telomere. Werden Sie zu kurz, wird die DNS beschädigt und die Zellteilung gestoppt. Durch die Gabe von reinem Sauerstoff brachten die Wissenschaftler bei Senioren die Telomere dazu, sich wieder deutlich zu verlängern. Nach einer Behandlung über drei Monate hinweg, waren die Telomere bei einigen Probanden wieder so lang wie 25 Jahre zuvor.

Hinter der Forschung steckt nicht allein der Wunsch nach ewiger Jugend, sondern auch Hilfe für altersbedingte Krankheiten, wie etwa Alzheimer, Parkinson, Herzkrankheiten oder Arthritis.

Organersatz aus dem Labor

Viele schwer kranke Menschen warten auf ein Spenderorgan. Doch Organspenden könnten in der Zukunft überflüssig sein. Stattdessen könnten Patienten mit individuell gezüchtetem Organersatz aus dem Labor versorgt werden.

Der Grundstein dafür ist gelegt: Nach einem Jahr Forschungsarbeit standen im Mai die Gewinnerteams des Innovationswettbewerbs „Organersatz aus dem Labor“ fest, wie das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) vermeldete. In einem virtuellen Finale stellten die sechs besten Forschungsteams einer international besetzten Fachjury ihre Arbeiten vor und legten dar, wie sie der Vision eines im Labor gezüchteten Organersatzes näherkommen wollen.

Gewonnen haben zwei Teams, die sich mit Herzgewebe und Herzmuskeln beschäftigen und ein weiteres, das sich mit der Bauchspeicheldrüse befasst.

Die drei Gewinnerteams können nun eine Forschungsförderung von drei Millionen, zwei Millionen bzw. einer Million Euro beantragen. Die Projekte sollen bis zu drei Jahre laufen und starteten noch in 2020.

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Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen

Erstmals wurden drei deutsche Forschungsprojekte in die Förderung der „Combating Antibiotic Resistant Bacteria Accelerator“ (CARB-X) aufgenommen. „Die internationale Partnerschaft CARB-X vereint in ihrer Förderung weltweit besonders vielversprechende Forschungsprojekte im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen. Deutschland ist von jeher ein wichtiger Standort für die Wirkstoffentwicklung und trägt dazu bei, dass es auch in Zukunft innovative Antibiotika für die Behandlung der Menschen weltweit gibt“, so die Bundesforschungsministerin Anja Karliczek.

Die deutschen Projekte erhalten für ihre Forschung 21 Millionen US-Dollar (rund 21 Millionen Euro).

CARB-X ist eine international finanzierte öffentlich-private Partnerschaft und verfügt über ein Fördervolumen bis zu 480 Millionen US-Dollar. CARB-X hat es sich zum Ziel gesetzt, die Entwicklung innovativer Antibiotika zu beschleunigen und neuartige Therapeutika, Impfstoffe und Diagnostika zur Bekämpfung arzneimittelresistenter bakterieller Infektionen zu entwickeln.

Neuer Wirkstoff gegen Krebs

Im September vermeldeten Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt und der Universität Würzburg, dass sie einen neuen Wirkstoff zur Behandlung von Krebs entwickelt haben. Die Substanz gehört zu einer Wirkklasse, die den Namen PROTAC trägt und zerstört ein Protein, das die Krebsentwicklung in Gang setzt.

Das könnte nun neue therapeutische Möglichkeiten eröffnen. Im nächsten Schritt sollen die Wirksamkeit und Verträglichkeit im Tierversuch getestet werden.

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Gebärmutter aus dem Labor

Bei rund sechs Prozent der Frauen, die keine Kinder bekommen können, liegt das an Problemen mit der Gebärmutter. Im Jahr 2014 wurde zum ersten Mal eine Gebärmutter transplantiert.

Doch seien solche Transplantationen kompliziert und ein passendes Spenderorgan nur selten zu finden, , wie wissenschaft.de berichtete.

Hilfe könnte es bald mit im Labor gezüchteten Gebärmüttern geben. Wissenschaftlern der Wake Forest University School of Medicine in Winston-Salem, North Carolina, USA, ist es in 2020 gelungen, ein gebärmutterartiges Organ zu züchten und einem Kaninchenweibchen einzusetzen. Mit Erfolg: Sechs Monate nach der Transplantation durften sich die Kaninchen paaren. Bei vier von zehn Tieren kam es zu einer erfolgreichen Schwangerschaft.

„Die fötale Entwicklung der Jungen war normal und die Nachkommen hatten bei der Geburt ähnliche Größe und Gewicht wie Kaninchenjunge aus normalen Gebärmuttern, so die Wissenschaftler. „Damit zeigt unsere Studie, dass auch im Labor gezüchtetes Uterusgewebe eine normale Schwangerschaft aushalten kann.“

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